Peterskirchlein beim Hauptbahnhof: Regensburg sagt dem „Dunkelort“ den Kampf an

Die Verwahrlosung rund ums Peterskirchlein beim Hauptbahnhof zieht Kriminelle an. Dort kommt es im Jahr zu rund 50 polizeibekannten Straftaten: Vor allem Körperverletzungen, Drogendelikte und Diebstähle. Nun soll ein ungewöhnlicher Treffpunkt entstehen.
Der Park rund ums Peterskirchlein verwahrlost zusehends. Auch tagsüber verschwinden Passanten hinter dem Gebäude, um ihre Notdurft zu verrichten. Müll stapelt sich bei einem vollen Abfallbehälter hinter dem Gebäude. Verdorbenes Essen bedeckt eines der schönen, alten Grabmäler. Abends verwandelt sich das Gelände zwischen Bahnhof und Bushaltestellen in einen Ort des Heimlichen und der Kriminalität. Viele Regensburger meiden den Park dann.
Zurecht, denn dort kam es 2024 zu rund 50 polizeibekannten Straftaten: Körperverletzungen, Drogendelikte und Diebstähle. „2025 liegen die Zahlen in etwa demselben Bereich“, sagt Sprecher Markus Reitmeier von der Polizeiinspektion Süd. „Für einen so kleinen Bereich ist die Anzahl der Straftaten nicht unerheblich.“
Vier Friedhöfe gab es dort
Aus dem seit Jahren mit einem Bauzaun abgesperrten Peterskirchlein und dem Umfeld wollen die Stadt und die Dompfarrei St. Ulrich einen Ort der Begegnung machen. „Das ist jetzt ein Dunkelort, wo keiner durchgehen will“, beobachtet Stadtpfarrer Roman Gerl. „Regensburger und Bahnreisende fühlen sich unangenehm berührt durch die vielen Suchtkranken.“ Er fragt sich, was es im Bahnhofsviertel braucht, um die Not zu lindern und die Menschen zu begleiten. Das Areal soll schöner, einladender und sicherer werden.
Für einen so kleinen Bereich ist die Anzahl der Straftaten nicht unerheblich.Markus Reitmeier, Sprecher der Polizeiinspektion Süd
Das Gotteshaus muss saniert werden – zumindest so weit, dass es genutzt werden kann. Der Stadtdekan stellt sich einen Ruhe- und Meditationsraum in der Altarnische vor, im Kirchenschiff sollen Suchtkranke Zuwendung erfahren – vom Essen über Beratung bis zu einem „guten Wort“. Für Bahnreisende möchte Gerl den schlichten, klassizistischen Bau von 1821 ebenfalls öffnen. In einem kleinen Raum beim Glockenturm will er an die Geschichte des Standorts erinnern. Im Untergrund liegen vier Friedhöfe: römisch, katholisch, evangelisch und jüdisch. Astronom Johannes Kepler wurde im protestantischen Gräberfeld beigesetzt.
„Richtig coole Einrichtung“
Ein Begegnungsort für alle schwebt dem Künstler und Stadtrat Jakob Friedl vor. „Ich glaube, dass Soziale Initiativen, Kunstvereine, Architekten und Handwerker etwas beisteuern können, damit das eine richtig coole Einrichtung wird.“ Einen möglichen Anlaufpunkt für Drogenkranke kommentiert er so: „Wunderbar, aber nicht nur für Drogenkranke. Es müssen schon verschiedene Leute zum Austausch zusammenkommen.“ Streetworker Ben Peter dagegen kann sich ein Nachtcafé nur für Obdachlose und Drogenkranke im Kirchlein vorstellen. „Als Kälte- und Hitzeschutz sowie Entlastung für die Innenstadt.“
Die Stadt Regensburg als Kircheneigentümerin und die Katholische Kirchenstiftung St. Ulrich als Mieterin seit über 90 Jahren tauschen sich laufend aus. Auch die Kommune wünscht sich laut Sprecherin Juliane von Roenne-Styra einen „soziokulturellen Ort der Begegnung“. Zurzeit werden Fördermöglichkeiten, Inhalt und Rahmenbedingungen geprüft. Ein Workshop der Stadt mit allen Sozialorganisationen folgt Anfang 2026.