Spitze bei Lebensqualität und Jobs: Regensburg steigt im wichtigsten Städteranking auf

Von Marion Koller · 12. Dezember 2025 um 05:00

Regensburg steigt im wichtigsten Städteranking auf – mit Forschung, Bildung und Klimaschutz unter den Top Ten. Doch es gibt auch Schwächen. Und der Standortwettbewerb wird härter.

Video ansehen

Attraktive Jobs, hohe Lebensqualität und Steuerkraft sowie ein robuster Wirtschaftsmix: Beim Städte-ranking des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) spielt Regensburg ganz vorne mit. Während viele Bewohner und Kommunalpolitiker ihre Stadt recht kritisch sehen, ist das Kölner IW ganz sicher: Regensburg zählt auch 2025 zu den attraktivsten Großstädten in Deutschland, was Infrastruktur und Gesamtqualität angeht. Ein paar Schattenseiten gibt es aber.

Die Domstadt ist im Niveauranking auf Rang fünf der 71 deutschen Großstädte mit mehr als 100 000 Einwohnern aufgestiegen (Vorjahr: Platz acht). Vor allem die hervorragende Versorgung mit Arbeitsplätzen spielt eine Rolle, aber auch die vielen Einpendler, eine steigende Zahl von Gästeübernachtungen, die hohe Beschäftigungsrate von Frauen (über 65 Prozent) und die kommunale Steuerkraft. „Das zeigt deutlich: Wir sind in Deutschland in der absoluten Spitzengruppe. Regensburg punktet besonders in den Bereichen Leben und Arbeiten“, sagt Toni Lautenschläger, Amtsleiter für Wirtschaft und Wissenschaft.

Zu wenig Klimaresilienz

Thomas Zeilhofer, Kreisvorsitzender der Mittelstands-Union, urteilt: „Wer sich im Vergleich mit München, Potsdam oder dem Großraum Nürnberg-Erlangen behaupten kann, muss schon etwas bieten.“ Regensburg habe in den letzten Jahren vieles richtig gut gemacht. Der Standortwettbewerb wird allerdings härter. Die Industrieproduktion geht bundesweit zurück, ebenso wie die Anzahl der dort Beschäftigten und die Bruttowertschöpfung. „Dem kann sich auch der Standort Regensburg nicht entziehen.“

Die Nachteile im Niveauranking: Die Polizei registrierte 2024 mehr als 8700 Straftaten je 100.000 Einwohner, was ganz knapp unter dem Mittelwert der Kommunen liegt. Bei wissensintensiven Dienstleistungen, etwa im Finanzbereich, in der Technik oder Wissenschaft, hinkt Regensburg hinterher, genauso bei der Kita-Quote der unter Dreijährigen (32 Prozent im Jahr 2023). Höher sein könnte im Vergleich mit anderen Städten die Abiturquote (37 Prozent im Jahr 2023), besser die Erschwinglichkeit von Wohnungen.

Bei der Infrastruktur ist der Bereich Verkehr einer der schwächsten.Johannes Ewald, Institut der deutschen Wirtschaft

Beim neuen Infrastrukturindex hat Regensburg den Top-Rang zwei nach Potsdam erreicht. Dieser berücksichtigt Forschung und Bildung, Verkehr, digitale Netze, Klima- und Umweltinfrastruktur. Bei 5G-Mobilfunkversorgung, Fahrzeit zu Autobahnen und Bahnhof, installierter Solarleistung, E-Tankstellen, Glasfaserversorgung der Schulen und Zahl der Schulen schneidet die Oberpfalzmetropole hervorragend ab. „Unsere Infrastruktur ist in vielerlei Hinsicht besser als woanders“, stellt Toni Lautenschläger fest.

Bei der „Klimaresilienz 2050“ dagegen ist noch viel Luft nach oben (Platz 57) und beim Fahrradklima-Test ein wenig (31). Die Autofahrzeit zum nächsten Flughafen bewerten die Wirtschaftsfachleute mit dem schlechten Rang 68.

Regensburg steht auch in Krisenzeiten sehr gut da und kann sich im bundesweiten Wettbewerb mehr als behaupten.Toni Lautenschläger, Leiter des Amts für Wirtschaft und Wissenschaft

Zeilhofer hebt die Vernetzung der Hochschulen mit Unternehmen, die Bildung von spezialisierten Clustern wie zur Künstlichen Intelligenz, die Start-up-Szene in der TechBase und im Biopark hervor. Das seien vielversprechende Ansätze. Die Bemühungen um eine stärkere Digitalisierung der Verwaltung und den Ausbau des Glasfasernetzes sieht er als Investitionen in die Infrastruktur der Zukunft.

Johannes Ewald leitet das Städteranking beim IW. Der Bereich Verkehr im Infrastrukturindex sei einer der schwächsten, sagt er. Ein Beispiel ist der Zustand der Pfaffensteiner Brücke, die aber ein Bundesbauwerk ist. Beim Dynamikranking ist die Domstadt auf Platz 16 geklettert. Hier überzeugt sie mit der Beschäftigungsentwicklung, der hohen Beschäftigungsquote Älterer und erneut mit den Touristen-Übernachtungen. Toni Lautenschläger bilanziert: „Der Standort ist trotz der bereits vorhandenen Stärke überdurchschnittlich dynamisch.“

Mehr Gründungen gefragt

Im Vergleich nur leicht gestiegen sind die Produktivität der Firmen und das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner, also der Wohlstand, zwischen 2017 und 2022 (Plätze 67 und 68). Die etwas schwächelnde Dynamik hier resultiert nach Urteil von Lautenschläger aus den ohnehin sehr guten Ist-Werten, die ein überdurchschnittliches Wachstum nicht zuließen. „Zudem belasten die internationalen Handelskonflikte und Konflikte sowie die Kosten, etwa der Energie, der letzten fünf Jahre einen exportorientierten Produktionsstandort wie Regensburg besonders.“

Thomas Zeilhofer wünscht sich mehr Unternehmensgründungen aus dem universitären Umfeld. Die Bioparkerweiterung und das Netzwerk Kreativwirtschaft betrachtet er aber als den richtigen Weg. Regensburg brauche Gewerbeflächen und bezahlbare Wohnungen.

Vergleich mit 71 Großstädten

Ranking: Für die 71 deutschen Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern hat das Institut der deutschen Wirtschaft das jährliche Städte-ranking berechnet. Dafür wurden Indikatoren aus Arbeitsmarkt, Wirtschaft, Lebensqualität und Immobilienmarkt in einem Niveau- und Dynamikvergleich untersucht. Neu ist der Infrastrukturindex.

Ergebnisse: Platz fünf im Niveau-Ranking, das den Status quo zeigt, bedeutet für Regensburg eine Verbesserung um drei Ränge. München ist Sieger. Den zweiten Platz hat Regensburg beim Infrastrukturindex erreicht. Platz 16 im Dynamik-Ranking stellt eine Verbesserung um 25 Ränge dar. Mit dem Standort ist es also in den letzten fünf Jahren im Vergleich zu anderen Städten aufwärtsgegangen. Toni Lautenschläger vom Amt für Wirtschaft und Wissenschaft betont denn auch, Regensburg behaupte sich in Krisenzeiten.