Erneuter Zuschuss für die Kirche in Burglengenfeld – aber nicht ohne Kritik

Von Thomas Rieke · 12. Dezember 2025 um 05:00

Ohne größere Turbulenzen ist am Mittwoch die letzte Sitzung des Burglengenfelder Stadtrats (Landkreis Schwandorf) in diesem Jahr über die Bühne gegangen. Was nicht heißt, dass es keine kritischen Redebeiträge gegeben hätte. Diese waren diesmal jedoch nicht an einen Mandatsträger der gegnerischen Fraktion gerichtet, sondern gegen Pfarrer Michael Hirmer.

Video ansehen

Der Kopf der katholischen Stadtkirche hatte in seiner Funktion als Vorsitzender der katholischen Kirchenverwaltung St. Josef vor wenigen Wochen einen Antrag auf Bezuschussung der neuen Heizung des Pfarrzentrums in der Johann-Baptist-Mayer-Straße gestellt. Wie berichtet, hat die Anlage, die mit Holzpellets gespeist wird, etwas über eine halbe Million Euro gekostet. Sie ersetzt eine Ölheizung, die jährlich rund 30.000 Liter Brennstoff verbrauchte, was einer CO2-Emission von etwa 80 Tonnen entsprach.

Kirchenpfleger Hubert Fleischmann, Pfarrer Michael Hirmer, Architektin Kerstin Steiner und Kirchenverwaltungsmitglied Martin Steiner (v. l.) informierten kürzlich über die neue Heizung. - Foto: Friedrich Gluth

Es handelte sich also um eine „ökologisch sinnvolle und zukunftsweisende Investition“, welche die Kommune bitte finanziell unterstützen möge, schrieb Hirmer an die Stadt. Vertreter von knapp 20 kirchlichen Vereinen, Verbänden und Gruppierungen schlossen sich per Unterschrift an.

Es ging um 10.000 Euro aus der Stadtkasse

Rund ein Dutzend Angehörige der Pfarrei waren auch zur Sitzung am Mittwoch erschienen, um mitzuverfolgen, wie sich die einzelnen Fraktionen positionieren würden. Die Verwaltung hatte empfohlen, einen Zuschuss von 10.000 Euro zu gewähren.

Die Gemeinschaft von SPD, Grünen und Die Linke präsentierte sich zwiegespalten. Ihr Sprecher, 3. Bürgermeister Sebastian Bösl, ergriff für jene das Wort, die den Antrag ablehnten. Der Grund: Ein „vergiftetes Vergelt’s Gott“ in einem Brief von Pfarrer Hirmer, der am 24. Oktober veröffentlicht wurde. Hirmer bedankte sich darin unter anderem beim Stadtrat dafür, dass dieser kurz zuvor beschlossen hatte, mit der Caritas-Kita GmbH einen Vertrag abzuschließen, der die Übernahme des Don-Bosco-Kindergartens vorsieht. Der Beschluss sei zukunftsweisend, meinte Hirmer. Besonders gefreut habe ihn, dass auch „die kirchenkritischen Räte, die manchmal mit populistischen Äußerungen (...) nicht sparsam sind“, zugestimmt hätten.

Sebastian Bösl sieht „innerkirchliches Problem“

Genau diese Zeilen sind es, die Bösl, aber auch mindestens vier weitere Mitglieder seiner Fraktionsgemeinschaft ärgerten. Bösl sprach von einem „unerträglichen Verhalten“ des Pfarrers gegenüber Teilen des Stadtrats, die sich Gedanken machten, wie mit Steuergeldern verantwortungsbewusst umzugehen sei. Das Bistum verfüge noch immer über ein Vermögen in Millionenhöhe. Dies zu verteilen, sei ein innerkirchliches Problem. Auf eine Zuschuss sei die Kirche nicht angewiesen, meinte Bösl.

Auch das könnte Sie interessieren: Erst im Oktober hieß es in der MZ: Burglengenfelder Räte zeigen Herz für die Stadtkirche und gewähren Zuschuss

Michael Hitzek vertrat die andere Gruppe innerhalb der Gemeinschaft. Er räumte ein, vieles von dem, was sein Vorredner gesagt habe, teile auch er. Und trotzdem wollten er und andere Fraktionsmitglieder ihre Zustimmung nicht verweigern. Immerhin sei die Wärmewende essenzieller Bestandteil für eine erfolgreiche Energiewende. Insofern sei es nur zu begrüßen, dass das Pfarrzentrum von St. Josef mit einer neuen Heizung ausgestattet worden sei. Die in der Pfarrei engagierten Ehrenamtlichen könnten nun zu Multiplikatoren werden, die „weitererzählen, dass die neue Heizung nichts mit vermeintlich grünen Ideologien zu tun hat, sondern ökologisch sinnvoll ist und sich obendrein finanziell rechnet“. Die Stadt werde auf solche Multiplikatoren angewiesen sein, wenn es ab 2026 an die Umsetzung der Kommunalen Wärmeplanung gehe.

CSU-Fraktion war sich einig

„Es ist wohl Wahlkampf“, kommentierte CSU-Sprecher Michael Schaller diese Statements. Die SPD habe sich gesplittet, um nicht alle Wähler zu verprellen. Ihr kirchenkritisches Mitglied Siegfried Klopp sei sinnigerweise zur Sitzung erst gar nicht erschienen. Die CSU indes habe keine Probleme, den Antrag der Kirchenverwaltung zu unterstützen. Schaller wörtlich: „Wir zahlen den Zuschuss gerne. Es ist gut angelegtes Geld.“

Ins selbe Horn stieß 2. Bürgermeister Josef Gruber (CSU). Er betonte, dass das Pfarrzentrum auch Veranstaltungsräume beherberge, die allen zugute kämen. Insofern stünde es der Stadt gut an, den Zuschuss in vorgeschlagener Höhe aufzubringen. Außerdem sei es ja nicht so, dass sich die Diözese an der Finanzierung der Heizung gar nicht beteilige. Sie zahle immerhin 250.000 Euro.

Gregor Glötzl (BWG) erklärte, seine Fraktion werde den Antrag ebenfalls unterstützen, denn es gehe um Allgemeingut. Der neue Stadtrat solle aber den aus dem Jahr 2015 stammenden Grundsatzbeschluss überarbeiten, der die Bezuschussung im Detail regelt.