Kurswechsel bei Azubi-Wohnheim in Regensburg: Nun gibt es doch konkreten Plan

Von Jürgen Scharf · 11. Dezember 2025 um 07:00

In Sachen Azubi-Wohnheim in Regensburg weht ein neuer Wind. Vor wenigen Tagen hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund den Kurs der Stadt noch öffentlich kritisiert. Zuletzt gab es aber ein Treffen – und nun scheinen alle gemeinsam, auch Wirtschaftsverbände und die Stadtbau, für das Projekt kämpfen zu wollen.

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Die Regensburger SPD und die Grünen wollten im Stadtrat vor kurzem wissen, wie denn der aktuelle Stand bei den Planungen für ein Azubi-Wohnheim sei. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer stimmte zu, dass hier etwas getan werden muss. Allerdings schloss sie aus, dass die Stadt selbst federführend tätig werde: „Es ist keine kommunale Aufgabe und kann auch keine kommunale Aufgabe sein, endlich dafür zu sorgen, dass es ein Azubi-Wohnheim gibt.“ Ihrer Auffassung nach liege die Verantwortung „viel mehr bei den Unternehmen, die diese jungen Menschen ausbilden“.

DGB machte Druck

Kurz danach meldete sich der Deutsche Gewerkschaftsbund zu Wort. Der Regensburger Jugendsekretär Martin Oswald sagte, dass „wir anders als die Oberbürgermeisterin die Schaffung von Wohnraum für Azubis als kommunale Aufgabe sehen“. Der DGB sehe hier die öffentliche Hand sogar in der Pflicht, etwas zu tun. Unternehmen aus der Privatwirtschaft hätten schließlich im Normalfall keinen Anspruch auf die staatlichen Fördergelder fürs Azubi-Wohnen. Hier gebe es bis zu 45.000 Euro pro Wohnplatz. Dabei werde Oswald zufolge auch „ausdrücklich kommunales Wohnen bevorzugt“. Aus Sicht des DGB sollte es deswegen auf jeden Fall das Ziel sein, dass die Stadt Regensburg selbst oder ihre Tochter, die Stadtbau GmbH, baut.

Vor wenigen Tagen trafen sich nun Vertreter vom DGB, von der Stadt, von den Wirtschaftsverbänden und der Stadtbau. Im direkten Gespräch scheinen die Unstimmigkeiten aus der Welt geschafft worden zu sein. Der DGB sprach danach in einer Mitteilung von einem „Regensburger Weg“, als einem „gemeinsamen Willen, ein sozial gerechtes und dauerhaft tragfähiges Azubi-Wohnheim auf den Weg zu bringen“.

Tauschten sich aus (von links): Hans Schmidt (HWK), Ralf Kohl (IHK), Armin Mayr (Stadt Regensburg), Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Katja Ertl, Rico Irmischer, Martin Oswald (alle DGB) und Götz Keßler (Stadtbau). - Foto: IG Metall Regensburg

Alle Fäden scheinen fürs Erste bei der Stadtbau, ein Tochterunternehmen der Stadt Regensburg, zusammenzulaufen. Geschäftsführer Götz Keßler sagte auf Anfrage, dass sein Unternehmen das Thema zwar schon seit längerem im Blick habe, durch den runden Tisch aber in der Tat „ein entscheidender Impuls“ gesetzt wurde: „Einfach, weil nun alle, die es dafür braucht, direkt zusammengekommen sind.“

Sein Unternehmen schaue jetzt, ob bei laufenden Bauprojekten – wie etwa auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne oder in der Guerickestraße – 20 Wohneinheiten für Auszubildende integriert werden könnten.

Wer bezahlt das Projekt?

Die Stadtbau wird dabei die Wohnungen zwar zur Verfügung stellen und Kostenschätzungen erstellen, aber nicht selbst finanzieren. Dafür gibt es zum einen staatliche Förderungen, zum anderen suchen Wirtschaftsverbände und der DGB nach eigenen Angaben nun Betriebe, die die Wohnungen nutzen wollen und sich dafür dann auch beteiligen.

Die Regensburger SPD scheint mit der jüngsten Entwicklung jedenfalls hochzufrieden zu sein. Fraktionschef Thomas Burger teilte mit, dass das Treffen ein „starkes Signal für Regensburg“ sende: „Der ‚Regensburger Weg' macht aus einer Forderung jetzt Realität – und das ist gut so.“

MZ-Redakteur Jürgen Scharf kommentiert die neue Entwicklung beim Azubi-Wohnheim so:

„Halleluja, es hat nun doch geklappt. Vor kurzem war das Motto beim Azubi-Wohnheim noch: Alle wollen es, aber keiner will es machen. Nun heißt es: Gemeinsam kriegen wir das hin. Und das ist eindeutig der bessere Kurs. Über die Frage, ob ein Wohnheim für Azubis die öffentliche Hand oder doch die Privatwirtschaft selbst finanzieren sollte, lässt sich trefflich streiten. Wenn aber, wie zuletzt, sowieso gleich jeder abwinkt, kann es sowieso nichts werden. Nun wollen aber offenbar doch alle einen Beitrag leisten und an einem Strang ziehen. In einer Stadt mit zigtausenden Jugendlichen kann ein Wohnheim für 20 Azubis natürlich nur ein erster Schritt sein. Aber es ist auf jeden Fall der richtige Weg.“