Azubi-Wohnheime in Regensburg: Bleibt es beim Wunsch?

Von Jürgen Scharf · 21. November 2025 um 13:00

Auszubildende verdienen meistens wenig Geld. Wohnen in Regensburg ist aber teuer. Die Folge: Viele junge Menschen müssen zu ihrer Lehrstelle oder der Blockschule jeden Tag pendeln oder suchen sich gleich etwas außerhalb von Regensburg.SPD und Grüne wollen, dass deswegen Wohnheime geschaffen werden. Im Stadtrat zeigte sich nun aber, dass das Projekt vorerst wohl Wunschdenken bleibt.

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Auszubildende seien beim Kampf um Wohnraum in Regensburg „eine besonders sensible Gruppe, der mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss“, sagt die SPD. Es handele sich hier „um ein Zukunftsthema von zunehmender Relevanz für den Standort Regensburg“. Sie wollte nun wissen, welche Planungen von Trägern oder Investoren der Stadt bekannt seien. Oder welche eigenen Planungen die Stadt habe.

Die Regensburger Grünen solidarisierten sich mit dem Vorhaben und stellten einen begleitenden Antrag. Bei diesem lag die Kernbotschaft bereits in der Überschrift: „Azubi-Wohnheim wirklich schaffen“. Ein klarer Hinweis darauf, dass es nach Meinung der Grünen nun Zeit für Taten sei – und Lippenbekenntnisse alleine nichts mehr bringen. Das Thema wurde in den vergangenen Jahren auch schon mehrmals im Stadtrat diskutiert.

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sagte, dass die Situation für Auszubildende „auch mich schon länger umtreibt“. Es sei auch angebracht, hier etwas zu tun. Allerdings schloss sie aus, dass die Stadt selbst federführend tätig werde: „Es ist keine kommunale Aufgabe und kann auch keine kommunale Aufgabe sein, endlich dafür zu sorgen, dass es ein Azubi-Wohnheim gibt.“

Betriebe in der Pflicht?

Ihrer Auffassung nach liege die Verantwortung „viel mehr bei den Unternehmen, die diese jungen Menschen ausbilden“. Diese müssten ein Interesse daran haben und sich an solchen Wohnformen beteiligen, sagte Maltz-Schwarzfischer. Sie habe das städtische Amt und Wirtschaft und Wissenschaft beauftragt, mit der IHK und der Handwerkskammer zu reden. Die Verbände sollten sich bei den ihnen angeschlossenen Unternehmen umhören. Hier gebe es aber noch kein Ergebnis. Die Stadt bleibe aber daran: „Wir werden diese Gespräche weiterführen.“ Im Rahmen des aktuellen „Erkundungsstadiums“, wie sie es nannte, habe sie auch mit der Stadtbau GmbH – einer städtischen Tochtergesellschaft – gesprochen. Es sei denkbar, dass diese bei den nächsten Bauvorhaben auf der Basis der staatlichen Förderungen in begrenztem Umfang Plätze mit einplane.

Es ist keine kommunale Aufgabe und kann auch keine seinOberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer

„Koordinieren, anregen, anstoßen“, so beschrieb Maltz-Schwarzfischer die Rolle, welche die Stadt übernehmen könne. Welche Initiativen koordiniert werden könnten, blieb aber offen. Hans Teufl von den Regensburger Grünen hatte zuvor gesagt, dass „alle zusammenhelfen müssen“. Der DGB, die Handwerkskammer, die IHK, die Stadt und die Industrie. Wobei es zuletzt noch keine Anzeichen dafür gab, dass aus diesen Reihen jemand das Projekt federführend stemmt. „Die Trägerschaft eines Wohnheims gehört nicht zu unseren Aufgabenbereichen, die liegen woanders“, sagte etwa Hans Schmidt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Er sei aber auch der Meinung, dass etwas getan werden muss: „Zur Ausbildungsförderung gehört erschwinglicher Wohnraum natürlich dazu.“ Die Handwerkskammer fordere deswegen, dass die diesbezüglichen staatlichen Förderungen erhöht werden.

Josef Zimmermann von der CSU brachte sich im Stadtrat in die Diskussion ein – mit einem konkreten Vorschlag, der womöglich schnell umsetzbar sei. Er finde auch, dass eigentlich die Unternehmen in der Pflicht seien, „aber sie tun’s halt nicht“. Allerdings gebe es drei Einrichtungen, die Wohnplätze für junge Menschen anbieten: Kolping, Don Bosco und die KJF. Er habe die Informationen, dass alle drei auch nicht voll belegt seien.

„Problem entschärfen“

Er schlug vor, mit diesen drei Einrichtungen zu reden. Möglicherweise könnten auch die Berufsschulen ihren Blockunterricht so legen, dass „man hier was auf die Beine stellen kann, um das Problem schnell zu entschärfen“. Bei der Oberbürgermeisterin rannte er mit diesem Vorschlag aber keine offenen Türen ein.

Am Ende wurde einstimmig beschlossen, dass die Stadtverwaltung die Lage prüfen soll. Diese könnte hier übrigens durchaus in eigenem Interesse tätig werden. Maltz-Schwarzfischer sagte, dass es bei der Stadt ebenfalls einige Auszubildende gebe, die auf günstigen Wohnraum angewiesen sind.