Standort Ex-Rewag-Gebäude – Braucht die Stadt Regensburg ein Drittes Rathaus?

Die Planung für ein viele Millionen Euro schweres Drittes Regensburger Rathaus im alten Rewag-Gebäude im Stadtosten läuft inzwischen seit einigen Monaten. Die Brücke-Fraktion, die einen Verkauf des Grundstücks für Wohnbau-Zwecke vorschlägt, streut nun etwas Sand ins Getriebe. Sie hinterfragt, ob die Stadt überhaupt so viele neue Büroräume braucht.
Am Donnerstag im Verwaltungsausschuss des Stadtrats bekam sie klare Antworten. Das Fazit von Personalreferent Patrick Veit lautete, dass aus Sicht der städtischen Büroraumplaner „das Projekt Drittes Rathaus durchaus sinnvoll wäre“. Insgesamt gebe es in der Stadtverwaltung, die mehr als 4000 Mitarbeiter hat, rund 2000 klassische Büroarbeitsplätze; nicht einbegriffen sind beispielsweise „Sondereinrichtungen“ wie Kitas.
Wenn es gelänge, durchzusetzen, dass sich mittels Home-Office und Desk-Sharing zehn Mitarbeiter acht Büros teilen, reduziere sich der Bedarf auf 1600, so Veit. Wenn die Stadt nichts mehr für Büromieten ausgeben wolle, fehlten ihr ohne Drittes Rathaus aber immer noch 500 Arbeitsplätze.
Derzeit hat die Stadt 26 Verwaltungsstandorte
An 13 Standorten besitzt die Stadt Büros, 1100 Arbeitsplätze sind dort. An ebenfalls 13 Standorten hat sie sich eingemietet, dort gibt es 900 Arbeitsplätze. In den vergangenen fünf Jahren seien knapp zwanzig Millionen Euro netto für die Mieten geflossen, erklärte Finanzreferent Georg Stephan Barfuß. Er erläuterte, sein Referat werde Anfang nächsten Jahres seine Berechnung abschließen, ob das Projekt Drittes Rathaus wirtschaftlich sei.
Laut Veit gilt: „Der Bedarf für die Bestandssanierung wäre auf jeden Fall gegeben.“ Die Kosten dafür hatte der Hochbauamtschef im Juli auf geschätzt 38,6 Millionen Euro beziffert. Dabei entstünden 295 Arbeitsplätze. Mit zusätzlichen Neubauten an dem Standort wären es insgesamt 745. „Die Konsequenz wäre dann, dass wir alle Anmietungen stoppen können“, so Veit. Zudem könnte die Stadt dann kleine „Satellitenstandorte“ aus ihrem Eigentum abstoßen. „Langfristig gäbe es für die Verwaltung nur noch drei Standorte: Altes Rathaus, Neues Rathaus und Drittes Rathaus.“
Veit und sein Personalamtschef Thomas Fischer führten aus, das Potenzial zur Nachverdichtung in den Bestandsstandorten sei begrenzt. Bis auf zwei Ausnahmen seien sie ausgelastet. Durch Umbau „optimieren“ lasse sich die Ausnutzung des Bürger- und Verwaltungszentrums und eines Standorts in der Lilienthalstraße, ansonsten sei das „schwierig“, so beantwortete Veit eine Nachfrage von SPD-Fraktionschef Thomas Burger.
Die Brücke hatte den „umfassenden Überblick über die bestehende Flächen- und Kostenstruktur“ gefordert. Das sei nötig, „bevor neue Flächen in dieser Größenordnung geschaffen werden und mit erheblichen Investitionen versehen werden“.
Brücke: Das Geld ist nicht da
Nach dem Bericht sagte Fraktionschef Joachim Wolbergs, aus Sicht der Büroraumplanung gebe es keine Alternative zum Dritten Rathaus. Es gebe aber Aspekte, die zu einer anderen Einschätzung führen könnten. „Wir haben das Geld für diese Investition nicht“, laute einer. Der zweite sei: „Wir könnten auf diesem Gelände, wenn wir es verkaufen, mit privatem Kapital schneller etwas schaffen, was wir auch brauchen, nämlich Wohnraum.“Er glaube auch, dass in dem einen oder anderen Büro auch mehr Mitarbeiter sitzen könnten.
Wolbergs schlug zudem vor, dass die Stadt Büroimmobilien verkaufen solle, „um Geld einzunehmen“, erntete aber viel Widerspruch, etwa von Dagmar Schmidl (CSU) und Christian Janele (Christlich-Soziale Bürger). Schmidl nannte es „schwierig, wenn wir uns leichtfertig überlegen, was von unserem Tafelsilber wir verkaufen könnten“. Stefan Christoph (Grüne) sagte, zunächst müssten die Anmietungen reduziert werden. „Sehr sinnvoll“ wäre es, Standorte im Dritten Rathaus zu bündeln. „Wir glauben, dass das Potenzial bietet, auch nachhaltig den Verwaltungshaushalt zu entlasten.“
Auch der Architekturkreis Regensburg befasst sich mit dem Projekt, hat eine Besichtigung organisiert. Vorsitzender Andreas Eckl sagt, es erscheine ihm „sehr plausibel“, vorausgesetzt, bei der Stadt gebe es Bedarf für die Büroräume. Gegen einen Abriss ist er vehement, dabei würden zu viele Ressourcen verschwendet. Wenn dort Wohnraum entstehen solle, dann durch Umbau.
Wo die Stadt überall Mietbüros hat
Standorte: Bruderwöhrdstraße, D.-Martin Luther-Straße, Domplatz, Johann-Hösl-Straße, Landshuter Straße, Maximilian-, Hemauer-, Kastenmaier- und Lilienthalstraße sowie Dr.-Gessler-Straße.
Leerstände: In der Hemauerstraße gibt es nach dem Aus des Stadtbahnamts 13 bis 14 ungenutzte Arbeitsplätze, im IT-Speicher in der Bruderwöhrdstraße hat die Stadt eine ebenso große Reserve.