Laptoptasche voller Geld: Schamanin legt 200.000 Euro für Bewährung auf den Tisch

Von André Baumgarten · 10. Dezember 2025 um 05:00

Auf der Steinernen Brücke in Regensburg wird ein Mann das Opfer von Okkultbetrug. Ein Deal vor Gericht bringt ihm nun einen Teil seines Geldes zurück – bezahlt aus dem „Umfeld“ der Angeklagten (27), das Ermittler als „serbischen Familienclan“ einordnen. Mehr als 110.000 Euro bleiben aber verschwunden.

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Mit 200.000 Euro in einer Laptoptasche hat ein Münchner Anwalt seiner Mandantin die Freiheit verschafft. Exakt einen Tag vor dem Start eines Prozesses in Wien, wo sich Angeklagte mit demselben Nachnamen für fast identische Taten mit Millionenschaden verantworten müssen. Im Fall in Regensburg flossen knapp zwei Drittel des Geldes an das Opfer zurück – für eine Bewährungsstrafe für die 27-Jährige, die sich als Schamanin mit Geldreiniger-Fähigkeiten ausgab.

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Die Masche, mit der ein serbischstämmiger Familienclan laut Ermittlern seit Jahren groß Kasse macht, ist bekannt: Sie suchen sich gezielt leichtgläubige, oft geistig eingeschränkte Menschen und machen ihnen weis, ihr Geld und Vermögen seien verflucht und bieten an, es zu „reinigen“ – am Ende ist das Geld dann weg. Gängig ist das Phänomen vor allem im Alpenraum, häufig gab es auch im Großraum München Fälle. 2024 schlugen sie nun in Regensburg zu.

Opfer übergab Familien-Vermögen und nahm Kredit auf

Im Mai sprach die Angeklagte einen Mann auf der Steinernen Brücke an. Damit der „Zauber“ hält, bekommen die Opfer sogar Handys von den Tätern. So auch im hiesigen Fall. Von den Treffen an einer Kapelle in Regensburg und in Straubing sollte niemand erfahren. Erst als alle Konten der Familie leer und ein Kredit aufgenommen waren, wurde eine nahe Angehörige des Opfers aufmerksam und schaltete die Polizei ein.

Monatelang passiert aber erstmal nichts. Die Nummer der Angeklagten blieb stumm, so eine Kripo-Beamtin. Bis es gelang, einen verdeckten Ermittler auf sie anzusetzen – gelockt von neuem Geld zum „Entzaubern“ kam es schließlich zu einem Treffen in Ulm. Dort wartete im Mai aber die Polizei und griff zu. Belastbare Beweise, dass der Mann der Angeklagten und dessen Eltern zur Bande gehören, gab es nicht. Sie wurden zwar mit der 27-Jährigen angeklagt, kamen aber wieder frei.

Das ist hier kein schmutziger Deal und kein türkischer Basar, sondern eine seriöse Rechtsanwendung, wo sehr erwachsene Juristen um ein Ergebnis ringen.Thomas Pfister, Strafverteidiger aus München

Ein Umstand, der womöglich hineinspielt in das Verfahren gegen die Frau, das diesen Donnerstag enden soll. Wie, ist vorskizziert. An Tag eins hatte Strafverteidiger Thomas Pfister angeboten, dass „auf Veranlassung der Angeklagten aus deren Umfeld“ 200.000 Euro als Wiedergutmachung fließen könnten. Geknüpft allerdings an eine Bedingung: „Im Milieu der Mandantin" herrsche „ein gewisses Schwarz-Weiß-Denken“ vor – Geld gäbe es daher nur, wenn sie auf Bewährung rauskomme. Mit großem Bauchgrimmen stimmte die Staatsanwaltschaft zu.

Am Dienstag lief die Zahlungsfrist ab. Am Landgericht kam es deshalb zu Diskussionen. Denn Geldwäsche ist in Deutschland strafbar. Ab 10.000 Euro, die bar eingezahlt werden, ist die legale Herkunft des Geldes nachzuweisen. Aber es gibt Ausnahmen. Beispielsweise wenn es als „Rücktransfer“ von Tatbeute deklariert wird, so Staatsanwalt Dr. Pschorr. Das halte er für ein strafloses Verhalten des Juristen. Die 200.000 Euro in der prall gefüllten Laptoptasche, die Verteidiger Pfister nach eigenen Worten „loswerden“ wolle, seien allerdings „eine ganz schöne Dimension“.

Auch die Anwältin des Opfers lehnte dankend ab, spontan nach Regensburg zu kommen und das Geld persönlich abzuholen. Selbst Pfisters Hinweis zur „guten Nachricht“ für deren Mandanten, es sei „ja bald Weihnachten“, vermochte sie nicht zu überzeugen. Am Ende unterbrach Vorsitzender Richter Zenger die Verhandlung, damit der Anwalt zur Regensburger Filiale seiner Bank fahren, dort die Summe einzahlen und sofort überweisen konnte. Pfisters Büro hatte den wohl persönlich bekannten Geldwäsche-Beauftragten der Bank informiert, „damit der nicht wieder Schnappatmung kriegt“.

27-Jährige wird noch vor dem Urteil aus der Haft entlassen

Wie im Deal vereinbart, forderte die Anklage zwei Jahre Haft auf Bewährung und beantragte die Aufhebung des Haftbefehls. Einen Seitenhieb konnte sich der Anwalt im Plädoyer dennoch nicht verkneifen: „Sie hätten es nicht draufgehabt, hier für eine Schadenswiedergutmachung zu sorgen.“

Mit dem Deal bekomme der Geschädigte „einen guten Teil seines Geldes“ zurück. Er plädiert auf eine Bewährungsstrafe im untersten Bereich. Punkt 14.21 Uhr kamen die Fußfesseln der 27-Jährigen dann weg – sie verließ das Gericht als freie Frau. Das Urteil fällt in dem Fall erst am Donnerstag. Überraschungen sind aber nicht zu erwarten. Bewährung war Teil des Deals, der geschlossen wurde.

Das Geld zahlte der Verteidiger (3. v. li.) am Dienstagvormittag bar bei einer Regensburger Bank ein. Damit ebnete er den Weg für die Freilassung der Angeklagten (2. v. re.). - Foto: Baumgarten

Name der Familie ist den Behörden dort schon länger bekannt

Bereits am Mittwoch (10. Dezember) startet indes am Landesgericht für Strafsachen in Österreichs Hauptstadt Wien der Prozess gegen mehrere Angeklagte mit demselben Nachnamen, wie ihn die Frau im Regensburger Fall trägt. Sie sind wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs als kriminelle Vereinigung angeklagt.

Der Name der Familie ist den Behörden dort schon länger bekannt. In einer stattlichen Villa, in dem Mitglieder des Familienclans lebten, wurde zuletzt Bargeld im zweistelligen Millionenbereich, kiloweise Gold und Silber sowie Einkaufstüten voller Luxusuhren und Schmuck beschlagnahmt – Wert: 12,6 Millionen Euro, die vermutlich aus der Taten mit der Schamaninnen-Masche.

Die Aufarbeitung der Machenschaften des Clans mitWurzeln in Serbien läuft aber noch weiter, wie ein Sprecher der Landespolizeidirektion Niederösterreich der Mediengruppe Bayern bestätigte. Zu dem, was im Februar in der Villa sichergestellt wurde, gab eine Vielzahl von Hinweisen.

Aktuell arbeite man daher an 23 Taten in Deutschland und Österreich. Hochgerechnet ginge man von mindestens 70 weiteren Fällen aus, der älteste aus dem Jahr 2009. Einzig die Drahtzieherin hinter alledem ist weiter auf der Flucht – nach Mariana M. wird international gefahndet. Vermutlich ist sie in ihrer einstigen Heimat untergetaucht, heißt es.