Lange Einkaufsnacht in Regensburg: Auch zweiter Anlauf mit angezogener Handbremse

Die erste Auflage lief recht mau, nun findet am Freitag zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen eine Lange Einkaufsnacht in Regensburg statt – doch gibt es überhaupt Altstadt-Läden, die für die Aktion später zusperren?
Der große Ansturm dürfte auch in dieser Freitagnacht ausbleiben. Mangels Angebot. „Ich glaube, dass es seitens der Altstadthändler relativ ruhig ausfallen wird“, sagt Maria Müller, Geschäftsführerin von Faszination Altstadt. Es sei davon auszugehen, dass die Geschäfte zur regulären Zeit schließen. Die zweite Lange Einkaufsnacht steht an – und keiner macht mit?
Wenn man sechs Tage die Woche von der Früh bis abends da ist, braucht man nicht noch zusätzliche Öffnungszeiten.Armin Gebhard, Einzelhändler
Den Anschein hat es zumindest, wenn man sich mit den Zusammenschlüssen der inhabergeführten Läden in der Stadt austauscht. Auch Armin Gebhard, Vorsitzender der Regensburger Kaufleute, winkt ab. Er wird seine beiden Läden für Herrenmode und Trachten wie jeden Freitag um 18 beziehungsweise 18.30 Uhr zusperren. „Wenn man sechs Tage die Woche von der Früh bis abends da ist, braucht man nicht noch zusätzliche Öffnungszeiten“, erklärt er.
Man brauche „doch bloß ins Archiv schauen“, um zu erkennen, dass sich zusätzliche Öffnungsstunden nicht rentieren. Die langen Donnerstage hätten sich auch nicht bewährt. Einzig gelegentliche verkaufsoffene Sonntage seien „nicht ganz schlecht“.
Kurze Frist, kaum Werbung
Mitte November hat die Stadt eine Verordnung zu verkaufsoffenen Nächten und Sonntagen sowie zu Automatenläden erlassen. Die erste Gelegenheit, länger aufzusperren, ergab sich am 28. November – zwei Tage bevor die Läden in der Stadt auch am Sonntag öffnen durften. Beide Sonderzeiten nutzte kaum ein Mitglied von Faszination Altstadt, wie aus einer Liste teilnehmender Läden hervorging. Die meisten entschieden sich für den verkaufsoffenen Sonntag. Das Fazit der Stadtverwaltung fällt entsprechend „durchwachsen“ aus, wie Sprecherin Juliane von Roenne-Styra auf MZ-Anfrage mitteilt.
Die Nacht-Shopping-Termine
• Fix: Der 2. Oktober, sofern ein Werktag, der vierte November- und zweite Dezember-Freitag sind feste Termine, an denen alle Geschäfte der Stadt bis maximal 24 Uhr öffnen dürfen.
• Flexibel: Vier weitere Termine für individuelle Nachtöffnungen an Werktagen können Einzelhändler bei der Stadt anmelden.
„Ich kenne niemanden der da mitgemacht hat“, sagt Kaufleute-Vorsitzender Gebhard – und kritisiert indirekt die Kommunikation rund um die Aktion. Selbst die Geschäftsinhaber, die „zufällig durch ein kleines Gsatzl in der MZ darauf aufmerksam geworden sind“, hätten sich wegen zu knappem Vorlauf nicht beteiligt.
Fazit der Stadt: „Durchwachsen“
Auch von Roenne-Styra, nennt die kurze Zeitspanne zwischen Genehmigung und Durchführung der ersten Langen Einkaufsnacht als Grund, dass sie in der öffentlichen Wahrnehmung etwas untergegangen sei, vor allem während der gleichzeitigen Werbeoffensive um Black Friday und Vorweihnachtsgeschäft. Inhaber insbesondere kleinerer Läden stünden außerdem vor der Herausforderung, für die zusätzlichen Stunden genügend Personal im Dienst zu haben und diese Arbeitszeit während der regulären Öffnungsstunden auszugleichen.
Bei uns kommen keine Jubelstürme der Beschäftigten an, sondern die berechtigte Sorge, dass es noch dichter wird.Rico Irmischer, Vorsitzender DGB Regensburg
Die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten hatte die Regensburger Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) „mit Sorge zur Kenntnis genommen“, wie es in einer Pressemeldung hieß. Nach der ersten und vor der zweiten Langen Einkaufsnacht sagt DGB-Regensburg-Vorsitzender Rico Irmischer: „Bei uns kommen keine Jubelstürme der Beschäftigten an, sondern die berechtigte Sorge, dass es noch dichter wird.“ Im Vergleich zu großen Ketten schätze er zwar sehr, wie sozial engagiert einige Inhaber ihre Läden führen und auf ihre Mitarbeiter achten. „Die Fliehkräfte sind aber die gleichen“, sagt Irmischer. Fragt die Chefin zum dritten Mal in der Vorweihnachtszeit, ob man einen Sonderdienst übernehmen könne, erfolge die Zustimmung irgendwann nicht mehr wirklich freiwillig.
Termine für fünf Jahre beschlossen
Bis die Langen Einkaufsnächte von Stadtseite hinterfragt werden, braucht es Geduld. Die aktuellen Termine sind gerade erst per Verordnung für fünf Jahre festgesetzt worden. Erst nach dieser Zeitspanne sieht der entsprechende Stadtratsbeschluss eine Evaluierung und eine mögliche Anpassung an sich ändernde Bedürfnisse vor.
Zum einen ist allerdings kein Ladeninhaber gezwungen, sein Geschäft während einer Langen Einkaufsnacht auch tatsächlich länger zu öffnen. Zum anderen sind bis zu vier flexible Termine im Jahr vorgesehen, an denen jeder Einzelhändler individuell – oder auch koordiniert mit vielen anderen – länger aufsperren darf.
Wird’s im Sommer besser?
Ein solcher gemeinsamer Termin dürfte kommen, berichtet Maria Müller bereits. Bilanz zu den ersten beiden Einkaufsnächten zieht der Faszination-Altstadt-Vorstand erst Anfang nächsten Jahres. Dass die kein sonderlicher Erfolg werden, sei aber schon im Vorfeld klar gewesen. Und auch eine erste Erkenntnis steht fest: „Wir haben von den Händlern die Hausaufgabe bekommen, einen gemeinsamen Termin in den Sommerwochen zu finden“, sagt die Geschäftsführerin des Zusammenschlusses. Dann werde es auch „was Schönes“ in Form eines Begleitprogramms geben, ein „nettes Happening in den Gassen“.
Entsprechend fordert Stadtsprecherin von Roenne-Styra: „Man sollte diesem neuen Format etwas Zeit geben und schauen, ob ein zweiter oder dritter Anlauf erfolgversprechender ist.“ Der zweite dürfte nun noch mit arg angezogener Handbremse durchgeführt werden. Beim dritten Anlauf im kommenden Jahr wird’s dann spannend.