Geplante Einkaufsnächte in Regensburg: Gewerkschaft pocht auf klare Regeln

Von Heike Haala · 30. September 2025 um 15:00

Dass es auch in Regensburg bald Einkaufsnächte geben soll, treibt die Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vor Ort um. „Die Diskussion um die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten in Regensburg – insbesondere die geplanten Einkaufsnächte bis Mitternacht – nimmt der DGB Kreisvorstand Regensburg mit Sorge zur Kenntnis“, so die DGB in einer Pressemitteilung.

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Der DGB sehe hier eine Entwicklung, die zu Lasten der Beschäftigten im Einzelhandel gehen kann, heißt es in dem Schreiben – auch wenn die Stadt betone, dass es sich um maximal acht Werktage pro Jahr handeln soll. „Die Interessen der Beschäftigten dürfen bei der Planung solcher Maßnahmen nicht unter den Tisch fallen. Wer bis Mitternacht arbeitet, hat weniger Zeit für Familie, Erholung und gesellschaftlicher Teilhabe“, sagt Rico Irmischer, Vorsitzender des DGB in Regensburg. Das neue Ladenschlussgesetz dürfe deswegen nicht zum Türöffner für eine schleichende Entgrenzung der Arbeitszeit werden. Die Gewerkschaften seien laut der Pressemitteilung auch nicht grundsätzlich gegen attraktive Innenstadtkonzepte oder kulturelle Veranstaltungen, die auch den Einzelhandel stärken können. „Aber diese müssen sozialverträglich gestaltet sein – mit echter Mitbestimmung der Beschäftigten und klaren Regeln zur Arbeitszeitgestaltung“, fordert der DGB.

Ertl ergänzt: „Viele Beschäftigte im Einzelhandel arbeiten schon heute unter hohem Druck, oft in Teilzeit oder Minijobs, mit wenig Planbarkeit und geringer Bezahlung. Zusätzliche Abendöffnungen bedeuten mehr Belastung – und das oft ohne echten Mehrwert für die Beschäftigten. Das senkt die Attraktivität der Branche und verschärft den Fachkräftemangel.“

Inhaber: Längere Öffnungszeiten gehen nicht zu Lasten der Beschäftigten

Deswegen fordert der DGB-Kreisvorstand Regensburg bei der Umsetzung der Einkaufsnächte verbindliche Schutzmechanismen anzuwenden. Die Rede ist von tariflichen Zuschlägen, Freiwilligkeit und einer frühzeitigen Einbindung der Betriebsräte. Einen möglichen Weg sieht Irmischer darin, lange Einkaufsnächte nur dort zu ermöglichen, wo die Interessen der Beschäftigten durch einen Betriebsrat vertreten sind und Tarifverträge die Mindeststandards sichern. Ertl appelliert an die Stadt und das Stadtmarketing, bei der Ausgestaltung der neuen Verordnung nicht lediglich die Interessen der Händler und Konsumenten zu berücksichtigen, sondern auch die der Beschäftigten.

Christian Plotzki, Inhaber im Gumprecht Concept Store, der sich wünscht, dass der Ladenschluss abgeschafft wird, damit er seine Türen öffnen kann, wann er möchte, sieht keine Gefahr, dass dies zu Lasten seiner Beschäftigen gehen könnte. „Da müsste ich mich selbst reinstellen“, sagt er. Es sei ohnehin schon schwer für ihn, Mitarbeiter zu bekommen. Sollten diese zu den Einkaufsnächten nicht arbeiten wollen, werde er das akzeptieren. Als er einen Testballon steigen lässt und eine Auszubildende in dem Geschäft fragt, ob sie sich theoretisch vorstellen könnte, auch am Sonntag zu arbeiten, fängt er sich dann auch prompt eine Absage ein.

Auch andere Geschäftsbetreiber in Regensburg kündigten an, von den Möglichkeiten des neuen Gesetzes Gebrauch zu machen. Maria Müller, Geschäftsführerin von Faszination Altstadt kritisierte, dass der verkaufsoffene Sonntag auch mit dem neuen Gesetz an einen Anlass gebunden sein muss. „Für die Verkaufsstätten und Standorte bedeutet es immer einen großen Aufwand, diese Anlässe zu organisieren“, sagte sie.