Bis zu 55 Prozent Anteil an Ketten in Regensburgs Shoppingmeilen: Droht Einheitsbrei?

Auch Regensburger kaufen gerne bei Ketten ein. Deren Filialen sind standardmäßig eingerichtet und finden sich in vielen Städten Tür an Tür. Deswegen gibt es Warnungen vor einer drohenden Gleichförmigkeit wichtiger Einkaufsbereiche wie Altstadt, DEZ & Co.
Der Anteil an Ketten in den Regensburger Oberzentren ist unterschiedlich: Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, bezieht sich für die Altstadt auf eine Erhebung aus dem Oktober 2024. Damals seien von den 412 Einzelhandelsbetrieben 140 Ketten zuzuordnen gewesen, was einem Anteil von 33,9 Prozent entspricht.
In den Einkaufszentren gibt es mehr davon: Thomas Zink sagt, dass mit 66 Shops 55 Prozent der 120 Geschäfte im Donaueinkaufszentrum (DEZ) Filialen von Ketten seien. Etwa die Hälfte von 90 Einzelhandelsbetrieben zählt Maxi Frank, Center Managerin der Regensburg Arcaden, zu den Filialisten.
Womit Marken punkten
Droht das Regensburger Einzelhandelsgefüge deswegen seine Einzigartigkeit zu verlieren? Hier sei die Einzelhandelsstruktur aktuell noch vergleichsweise ausgewogen, sagt Benjamin Riehl von der Pressestelle der Industrie- und Handelskammer (IHK) für die Oberpfalz und Kelheim. Neben großen Ketten gebe es eine Vielzahl an kleinen, inhabergeführten Geschäften, die das Stadtbild prägen.
Auch von Roenne-Styra spricht von einem guten Angebotsmix. Dieser trage laut Frank zur Auswahl bei, die die Arcaden-Besucher vorfinden. Ziel sei es, diese Balance zu halten, erklärt Zink. Denn sie nutze Anziehungskraft bekannter Marken und erhalte die Individualität des stationären Handels durch inhabergeführte Geschäfte. Das bestätigt auch Marion Fischer, Chefin im Donaustern in der Brückstraße.
Es komme ihr auf das Miteinander an. Ohne die bekannten Marken gehe es nicht, denn sie locken die Kunden aus dem Umland. Beim Bummeln fänden diese dann auch den Weg in den Donaustern. Deswegen ist es in den Augen Fischers schade, dass es keinen Zara mehr in der Altstadt gibt.
„Bekannte Marken bieten oft einheitliche Qualitätsstandards, was viele Kunden anzieht. Die Kunden wissen demnach, was sie bekommen“, verdeutlicht Frank. Zink ergänzt, dass die Ketten wirtschaftliche Stabilität, breitere Werbebudgets und eine hohe Kundenfrequenz bieten, was auch für andere Händler vorteilhaft sei. „Regionale Einzelhändler hingegen können einzigartige Produkte und ein persönlicheres Einkaufserlebnis bieten“, sagt der Chef im DEZ.
Zu viele Ketten könnten das Einkaufserlebnis laut Zink aber tatsächlich uniform und austauschbar machen. Bei zu wenigen Ketten könne es passieren, dass Kunden bevorzugte Marken nicht vorfinden und in andere Einkaufszentren ausweichen oder online shoppen.
Diese Gefahren gibt es
Die Experten bringen auch Aspekte ins Spiel, die diese Balance aus dem Gleichgewicht bringen könnten. Die Chefs inhabergeführter Läden stehen laut Riehl durch steigende Mieten, hohe Bürokratieanforderungen und den wachsenden Onlinehandel unter erheblichem Druck. „Eine weitere Verdrängung dieser Geschäfte würde die Attraktivität der Innenstadt langfristig mindern“, warnt er.
Die Ansiedlung großer, internationaler Marken sei für Frank eine Herausforderung, weil diese meist umfangreiche Flächen beanspruchten. „Da die Regensburg Arcaden mittlerweile über begrenzte Flächenkapazitäten verfügen, wird es zunehmend schwieriger, den Flächenbedarf dieser Marken zu decken“, sagt sie.
Platznot empfinden die Verantwortlichen bei der Drogeriekette DM hier offenbar aber noch nicht. Gebietsverantwortlicher Ruben Look kündigt an, dass im Juni der achte Regensburger Markt eröffnet werden soll. Auf die Frage, was den Standort für diese Kette so attraktiv mache, kommt er auf die Mischung aus Einzelhandel, Gastronomie und Kultur zu sprechen. „Zudem hat Regensburg ein zukunftsorientiertes Einzelhandels- und Zentrenkonzept entwickelt, das die Entwicklung und Attraktivität der Stadt als Einzelhandelsstandort sicherstellt“, nennt Look einen weiteren Punkt.