Schmankerl-Laden und Treffpunkt in Regensburg: Frida braucht ein neues Zuhause

Von Rainer Wendl · 4. März 2025 um 05:00

Nur ein bisschen über vier Jahre hat Frida gebraucht, um ein allseits beliebter Fixpunkt rund um die Ostengasse in Regensburg zu werden. Jetzt muss der Laden umziehen.

Im Internet ist der 40-Quadratmeter-Laden bereits zur Neuvermietung ausgeschrieben, im Fenster von Frida in der Ostengasse hängt ein Zettel mit der Aufschrift „Ihr Lieben, im September müssen wir unsere Räumlichkeiten verlassen“. Sind das zwei eindeutige Indizien für das Scheitern einer charmanten Geschäftsidee in der östlichen Altstadt? Ganz und gar nicht, das genaue Gegenteil ist der Fall: Frida hat Erfolg mit dem Angebot verschiedenster Allgäuer Schmankerl und braucht deswegen mehr Platz in einer neuen Bleibe.

Wie dieser Erfolg aussieht, lässt sich sogar am Montagvormittag ablesen. Es ist der Wochentag, an dem immer mehr Läden wegen toter Hose gar nicht erst aufmachen. Bei Frida-Macherin Kerstin Röhrle aber geht’s zu wie im Taubenschlag. Handwerker verbringen ihre Kaffeepause bei ihr, Nachbarn kommen auf einen morgendlichen Ratsch mit Butterbreze vorbei, ein Touristenpaar kündigt sich für den Nachmittag zum Lebensmitteleinkauf an.

Wichtiges Puzzleteil im Kiez

Röhrle ist also ständig gut beschäftigt und braucht daher etwas länger, um die Gründe für den baldigen Abschied zu erläutern. Die Zusammenfassung lautet: Sie will ihr bislang als reinen Einzelhandel deklariertes Spezialitätengeschäft zum Café mit kleinem Mittagstisch und zehn bis 20 Sitzplätzen ausbauen. Weil sie sich aber mit ihrem Vermieter nicht auf die erforderliche Aufrüstung der Infrastruktur (Toiletten, Starkstrom) und die Vertragslaufzeit einigen konnte, zieht sie im Spätsommer nach fünf Jahren aus.

Die am Montagvormittag versammelte Stammkundengemeinde blickt diesem Termin schon jetzt mit Wehmut entgegen. „Kerstin macht einen super Job hier, ihr Laden ist ein unglaublich belebender Faktor für das gesamte Viertel“, sagt zum Beispiel der in der Nachbarschaft wohnende Stephan Bartmann. Tatsächlich steht Frida zusammen mit dem griechischen Lokal Stefanos im Brandl-Bräu, der Bier-und Pizza-Bar Tarantino’s, dem Feinschmecker-Restaurant Spelunke oder auch dem freitäglichen Bio-Donaumarkt für den Aufschwung der Ostengasse und ihrer Umgebung.

Kenner wie Bartmann schreiben diesem Kiez ein ähnliches Potenzial zu wie Stadtamhof – wenn ein Puzzlestück wie Frida mit der Möglichkeit zum täglichen Einkauf, zum Ratschen oder auch zum Feiern bei regelmäßigen Weinproben wegfällt, könnte die gute Entwicklung wieder in Gefahr geraten.

Kerstin Röhrle würde das am liebsten selbst verhindern. „Ich bin seit zehn Jahren in Regensburg, acht davon habe ich in der Ostengasse gewohnt, seit über vier Jahren habe ich meinen Laden hier. Ich habe das Viertel und die Leute hier total gern und hätte überhaupt nichts dagegen, etwas Neues in dieser Ecke zu finden“, beschreibt sie ihre Bindung zu diesem Standort.

Bei der ab sofort forciert laufenden Suche nach einem neuen Ladenlokal liegt der Fokus deshalb zunächst auf dem Bereich zwischen Kolpinghaus und Blumenbühne, dem Blumenladen in der Bruderwöhrdstraße. Die Stammkunden sind in diesen Prozess mit eingebunden. „Wenn Ihr was seht, hört oder wisst, her mit den Infos!“, hat Röhrle auf den Zettel im Schaufenster geschrieben.

So hofft sie, gemäß dem Motto „Viele Augen sehen mehr als zwei“ im Lauf des kommenden halben Jahres einen passenden Laden, möglichst in der Ostnerwacht gelegen, zu finden. Bis die angedachte Erweiterung ihres Geschäfts umgesetzt werden kann, wird sich in ihrem Privatleben eine ganz andere Art der Erweiterung einstellen: Im Mai wird Kerstin Röhrle erstmals Mutter. Vorab hat sie keinerlei Zweifel daran, diese neue Rolle und den neuen Laden unter einen Hut bringen zu können.

„Einen Traum erfüllt“

„Ich habe einen Mann mit Gastro-Erfahrung und eine Mitarbeiterin, die der absolute Knaller ist“, erwähnt sie ihre wichtigsten Unterstützer bei diesem Vorhaben.

Vor allem aber baut sie weiterhin auf ihre quirlige, optimistische Art, mit der sie schon Frida in kurzer Zeit geschäftlich wie atmosphärisch in der Ostengasse etabliert hat. „Ich arbeite super gerne, mit dem Laden habe ich einen Traum erfüllt“, sagt sie. Jetzt gilt es, den richtigen Ort für die Fortsetzung zu finden.