Shoppen bis Mitternacht: Stadt Regensburg feilt an einem Konzept für Regensburg

Von Heike Haala · 29. September 2025 um 05:00

In Regensburg soll es bald Einkaufsnächte geben. Derzeit prüfe die Stadt die Aufnahme von verkaufsoffenen Nächten an höchstens acht Werktagen pro Jahr, während derer von 20 bis höchstens 24 Uhr eingekauft werden kann. Vielen Händlern geht das nicht weit genug.

Video ansehen

Wenn Anton Neugirg, Leiter der Buchhandlungen bei Pustet, die Türen der Filiale in der Gesandtenstraße am 14. und 21. November für zwei Lesenächte öffnet, wird etwas anders sein. Bisher durften die Besucher lediglich in dem Geschäft stöbern. Die Ausbeute aber kam dann per Post und gegen Rechnung. Durch das neue Ladenschlussgesetz aber können die Kunden jetzt gleich zuschlagen. Bald soll es mehr Gelegenheiten wie diese geben, bis tief in die Nacht zu shoppen.

Derzeit prüfe die Stadt die Aufnahme von verkaufsoffenen Nächten an höchstens acht Werktagen pro Jahr, während derer von 20 bis höchstens 24 Uhr eingekauft werden kann, erklärt Katrin Butz von der städtischen Pressestelle. Sie spricht eine Verordnung an, die dafür erlassen werden müsse. Wegen der konkreten Termine stehe die Stadt über das Stadtmarketing mit den Einzelhändlern in Kontakt, berichtet sie. Sobald diese gefunden seien, könne die Stadt Regensburg deren Aufnahme in eine neue Verordnung prüfen.

Bummeln beim Relight?

Maria Müller, Geschäftsführerin von Faszination Altstadt, berichtet, dass dabei Termine unter die Lupe genommen werden, an denen die Stadt ein verstärktes Besucheraufkommen aufweist, etwa zum Relight-Festival oder während der Kulturveranstaltungen im Sommer. „Festgelegt ist aber noch nichts“, sagt sie.

Von einer anderen Möglichkeit im neuen Gesetz wird dagegen schon Gebrauch gemacht: Händler dürfen zusätzlich an maximal vier Werktagen bis 24 Uhr öffnen. Laut Butz liegen der Stadt zwei der dafür notwendigen Anzeigen vor.

Neugirg von Bücher Pustet, der die beiden Lesenächte bis 23 bzw. 24 Uhr bei der Stadt angemeldet hat, sieht in dem Gesetz durchaus Chancen. Die werde er jetzt ausprobieren. Letzten Endes habe es der Verbraucher in der Hand, welches Angebot läuft. „Die Zuschläge für die Mitarbeiter werden teuer. Da werden wir spitz dagegenrechnen, ob sich das lohnt“, sagt er.

„Anders als in den vergangenen Jahren wird es definitiv wieder Abendveranstaltungen geben“, kündigt Maxi Frank, Center Managerin der Regensburg Arcaden, an. Das neue Ladenschlussgesetz schafft in ihren Augen nicht nur zusätzliche Umsatzpotenziale. Es komme auch den Bedürfnissen vieler Berufstätiger entgegen, die unter der Woche oft keine Zeit zum Einkaufen fänden. Frank wünscht sich ein transparentes und langfristiges Konzept dafür, das die Stadt mit dem Stadtmarketing und den Händlern entwickeln soll.

Eine Entscheidung dazu ist noch nicht gefallen

Thomas Zink, Geschäftsführer im Donaueinkaufszentrum

Für das Donaueinkaufszentrum (DEZ) werde laut Geschäftsführer Thomas Zink gerade geprüft, ob und in welchem Umfang es zu einer Beteiligung an den langen Einkaufsnächten kommen wird. „Eine Entscheidung dazu ist noch nicht gefallen“, sagt er.

Seine Begeisterung für das neue Ladenschlussgesetz, das auch Regeln für Automatenläden und erweiterte Verkaufsmöglichkeiten für Tourismus- und Ausflugsorte vorsieht, hält sich in Grenzen. Abgesehen von den langen Einkaufsnächten habe es für das DEZ keine praktische Relevanz. Als großen Wurf will Zink es nicht bezeichnen.

Auch anderen geht das Gesetz nicht weit genug. Christian Plotzki, Inhaber im Gumprecht Concept Store, sagt, das neue Gesetz bringe ihm nichts. So etwas wie die Einkaufnächte ist in seinen Augen nicht planbar. „Am Ende regnet es dann noch“, sagt er.

Mehr Freiheit gefordert

„Bayern hat das strengste Ladenschlussgesetz“, klagt Plotzki. Es sei aus der Zeit gefallen. „Ich weiß nicht, warum wir nicht liberalisieren?“, fragt er. Plotzki wünscht sich, dass der Ladenschluss abgeschafft wird und er seine Türen öffnen kann, wann er möchte – zum Beispiel auch am Sonntag in der Hauptsaison, wenn viele Touristen in der Stadt sind, die Umsatz in das Geschäft mit Geschenkartikeln oder Schreibwaren spülen könnten.

Die vier Termine, die die Läden selbst festlegen können, sind ein netter Bonus, aber kein Gamechanger

Maria Müller, Geschäftsführerin von Faszination Altstadt

Weiter sieht Müller von Faszination Altstadt in der neuen Fassung des Gesetzes keinen wirklichen Fortschritt. Etwa kritisiert sie, dass der verkaufsoffene Sonntag immer noch an einen Anlass gebunden sein muss. Es sei aufwändig, diese Anlässe zu organisieren, erklärt Müller. Die langen Einkaufsnächte seien zwar ein Schritt zur Liberalisierung der Öffnungszeiten. „Allerdings wird es keinen großen Effekt mit sich bringen – zumindest nicht für die Regensburger Altstadt“, vermutet die Einzelhandelsexpertin. Die gemeinsamen Termine mit den Händlern zu finden, erfordere eine Vorplanung auf Jahre. „Die vier Termine, die die Läden selbst festlegen können, sind ein netter Bonus, aber kein Gamechanger“, macht sie ihren Standpunkt deutlich.

Josef Ebnet, Handelsexperte bei der Industrie- und Handelskammer für Oberpfalz/Kelheim, bezeichnet das neue Ladenschlussgesetz als einen tragfähigen Kompromiss mit Verbesserungspotenzial. „Der Einzelhandel braucht weniger Bürokratie, zum Beispiel, indem Dokumentationspflichten abgeschafft werden“, fordert er. Darüber hinaus müssen die Kommunen in Ebnets Augen ihre Innenstädte und Ortszentren mit geeigneten Konzepten attraktiver machen.