Findet das Milk eine neue Bleibe? So schwer ist die Suche nach neuen Läden in der Altstadt

Gibt es genügend Lager- und Verkaufsfläche? Passt die Lage? Sind die Schaufenster groß genug und der Eingang gut sichtbar? Wie hoch ist die Miete? Mit Fragen wie diesen schlägt sich Jochen Hornberger, einer der beiden Inhaber des Regensburger Bekleidungsgeschäfts Milk, auf der Suche nach einem neuen Laden gerade herum. Nach 15 Jahren muss er den Standort in der Schwarze-Bären-Straße Ende des Jahres verlassen, spätestens aber, wenn die Bauarbeiten beginnen, die dort geplant sind. Der Umzug entpuppt sich als Stresstest.
Hornberger stellt sich der Herausforderung. Er will mit dem Milk unbedingt in Regensburg bleiben. Immerhin kommen die Kunden seinen Angaben zufolge aus ganz Ostbayern und sogar aus Nürnberg in das Geschäft. Sie schätzen es wegen der farbenfrohen und musterverliebten Auslage voller Kleidung, Accessoires und Alltagsgegenständen vom Regenschirm bis zur Nähschere.
Zudem würde den Inhabern mit dem Aus für den Laden ein großer Teil des Einkommens wegbrechen. Zwar führen die beiden auch noch eine kleinere Filiale in München und eine Modevertriebsagentur. „Aber der Regensburger Laden läuft schon sehr gut, sodass das ein finanzielles Loch reißen würde“, sagt Hornberger. Weiterhin gehe es dabei auch um die Existenzgrundlage der Geschäftsführerin sowie von fünf Mitarbeiterinnen.

Als einen der Knackpunkte bei der Suche nach einem neuen Laden in Regensburg bezeichnet er die Lage. Aus seiner Perspektive teilt sich die Altstadt in zwei Zonen auf: „In manchen bewegen sich vorwiegend internationale Touristen, die als Käuferschicht für unser Produkt zu vernachlässigen sind, in anderen sind eher Lokaltouristen und die Regensburger selbst unterwegs. In einer solchen – glücklichen – Lage befinden wir uns aktuell“, erklärt der Einzelhändler.
Mehrere Umzüge in der Regensburger Altstadt
Diese Lage ist für den Modehändler entscheidend und deswegen Kern des Problems auf dem Weg zu neuen Verkaufsflächen. „Man muss uns entdecken, man darf uns nicht suchen müssen“, verdeutlicht Hornberger. Daneben spielen für ihn aber auch die Höhe der Miete und das Verhältnis von Verkaufs- zu Ladenfläche eine wichtige Rolle.
Seit Hornberger den anstehenden Auszug öffentlich gemacht hat, habe ihn eine Welle des Mitgefühls und der Hilfsbereitschaft von Seiten seiner Kunden überrollt. Sie helfen ihm bei der Suche. Bisher aber war noch nicht das richtige dabei. Hornberger ist nicht der einzige Chef eines Betriebs, der sich in dieser Situation wiederfindet. Zuletzt gab es einige solcher Umzüge in der Altstadt. Das Da Tino befindet sich nun nicht mehr am Haidplatz, sondern in der Gesandtenstraße, der Tee-Spezialist Sonnentor wanderte von der Spiegelgasse beim Neupfarrplatz in das Wiedamannhaus in der Brückstraße und das Allgäuer Schmankerlgeschäft Frida zieht nach etwas mehr als vierJahren von der Ostengasse in die Untere Bachgasse, wo im November eröffnet werden soll.
Wichtig ist eine frühzeitige und klare Kommunikation mit den Kunden sowie eine gründliche Planung in Bezug auf Mietverträge, Logistik und Marketingmaßnahmen“
Josef Ebnet, Handels- und Stadtentwicklungsexperte bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg für die Oberpfalz und Kelheim
Was müssen Einzelhändler beachten, die vor diesem Schritt stehen? „Ein Standortwechsel stellt Händler und Gastronomen stets vor große Herausforderungen“, verdeutlicht auch Josef Ebnet, Handels- und Stadtentwicklungsexperte bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg für die Oberpfalz und Kelheim. Stammkunden müssten sich umorientieren, der neue Standort erreichbar und sichtbar sein. „Wichtig ist eine frühzeitige und klare Kommunikation mit den Kunden sowie eine gründliche Planung in Bezug auf Mietverträge, Logistik und Marketingmaßnahmen“, erklärt der Einzelhandelsexperte. Typische Fehler seien ein zu später Hinweis an die Kundschaft oder die Wahl eines Standorts, der nicht zur Zielgruppe passt. „Wird der Umzug jedoch professionell vorbereitet, kann er auch eine Chance sein, das Geschäft neu zu positionieren und zusätzliche Kundengruppen zu erschließen“, beschreibt Ebnet mögliche Perspektiven.
Schwierige Suche nach Immobilie in Regensburg
Einer, der diesen Schritt schon gemeistert hat, ist Andreas Kölbl, der es mit seinem Minibaumarkt Da Bastler in den vergangenen Jahren zu einiger Bekanntheit brachte. Im Juni 2023 eröffnete er sein Geschäft gegenüber des Milk in der Schwarze-Bären-Straße. Nach einem Jahr und drei Monaten musste auch er wegen einer anstehenden Sanierung in die Fröhliche-Türken-Straße ziehen, wo er nach nur drei Tagen am 4. Oktober neu eröffnete.
Dass sein Geschäft den Umzug ohne Blessuren überstanden hat, ist am Montagmorgen schnell klar. Wenige Minuten nachdem er die Türe aufgesperrt und die Markisen ausgerollt hat, stehen sieben Kunden zwischen den Regalen. Sie suchen nach Mini-Schrauben, Kabelbindern oder Umzugskartons. Ein junger Mann leiht sich einen Leitungstester und bekommt von Kölbl Tipps für seine Suche nach den Rohren. Der Laden laufe gut. „Es ist Wachstum da, aber ich weiß nicht genau, woher“, sagt er.
Der Umzug an sich sei nicht das Dramatische gewesen, sagt Kölbl. Allerdings war es auch für ihn schwierig, eine passende Immobilie zu finden – und das, obwohl er schon zur Eröffnung in der Schwarze-Bären-Straße wusste, dass er bald wieder umziehen muss und deswegen bereits Einheiten im Auge hatte. Die aber seien dann vermietet gewesen. Bei seiner Suche seien es vor allem die passende Ladengröße und die Vorstellungen zur Höhe der Miete gewesen, die ihm Schwierigkeiten bereitet haben.