Erste lange Einkaufsnacht in Regensburg: Nicht viele Läden offen, wenig Kundschaft

Von Benedikt Baumgartner · 30. November 2025 um 19:00

Freitagabend, 21.20 Uhr. Auf den Christkindlmärkten sind die Schotten dicht, die Buden spucken noch die hartnäckigsten Besucher in die Gassen. Trotz eisiger Kälte ist die Altstadt nicht ausgestorben. Die Geschäfte, die im Rahmen der ersten langen Einkaufsnacht bis 22 Uhr geöffnet haben, profitieren davon aber kaum. Die Passanten sind eher auf der Suche nach der nächsten warmen Kneipe als nach einer neuen Hose.

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In Bekleidungsgeschäften probieren vereinzelt Kunden etwas an, bei Hugendubel blättern ein paar Leser durch Bücher, Tee Gschwendner ist menschenleer. Selbst in den großen Verkaufsflächen von Douglas, Müller und H&M verlieren sich nur wenige Menschen.

Wir sind auf den letzten Waggon aufgesprungen und schauen, wie schnell der Zug fährt.Maria Müller, Geschäftsführerin Faszination Altstadt

Für Maria Müller, Geschäftsführerin von Faszination Altstadt, kommt das wenig überraschend. Für sie ist die erste lange Einkaufsnacht ein Sprung ins kalte Wasser. „Wir sind auf den letzten Waggon aufgesprungen und schauen, wie schnell der Zug fährt“, sagt sie schon am Freitagnachmittag zum Kaltstart.

Möglich macht die lange Einkaufsnacht das Bayerische Ladenschlussgesetz, das Anfang August in Kraft getreten ist. In der Folge stimmte die Stadt konkrete Termine mit den Einzelhändlern ab. Mitte November wurden die zusätzlich erlaubten Öffnungszeiten per Verordnung geregelt. Mehr als ein „vorsichtiges Antesten“ ist für die Kaufleute daher nicht mehr möglich, sagt Faszination-Altstadt-Geschäftsführerin Müller. „Das ist jetzt zum Jahresende gekommen. Unser Budget ist auch verbraucht.“

Läuft’s im Sommer besser?

Sinnvoll sei eine koordinierte Öffnung möglichst vieler Geschäfte mit begleitendem Kulturprogramm – idealerweise im Sommer, wenn es nicht schon um 17 Uhr finster wird und laue Abende zum Bummeln einladen. Die Option, gar bis 24 Uhr zu öffnen, wurde aufgrund fehlender Altstadt-Frequenz im Vorfeld verworfen. Am Black Friday hatte von den über 50 Geschäften, die Mitglied im Zusammenschluss Faszination Altstadt sind, lediglich ein gutes Dutzend bis 22 Uhr geöffnet. Müller blickt darauf „ein bisschen gespalten. Es ist eine Möglichkeit für die Händler aufzusperren. Und eigentlich sollte man doch jede Gelegenheit nutzen“.

Sonderöffnungszeiten kommen geballt

Doch die außergewöhnlichen Öffnungszeiten kommen in diesen Wochen recht geballt. Im Oktober gab es einen verkaufsoffenen Sonntag, nun die Kombination aus Black Friday und Einkaufssonntag und am 12. Dezember findet schon der nächste lange Freitag statt – den laut Müller noch weniger Einzelhändler nutzen wollen. Auch diesmal hätten viele Läden abgewogen, ob sie am Freitag länger oder lieber am Sonntag aufsperren wollen, erzählt sie.

Mitarbeiter brauchen Erholung

Manche nutzten auch gar keine der beiden Sonderöffnungsmöglichkeiten, das Fotohaus Zacharias etwa, Lauf und Berg König, die Kleidungsgeschäfte Oska und To be fan oder F. X. Miller. Die Inhaberin der Parfümerie, Stefanie Miller-Reitzer, erläutert: „Der Hauptgrund ist, dass unsere Mitarbeiter in der gesamten Weihnachtszeit ohnehin in einer sehr intensiven und arbeitsreichen Phase sind, ohne Urlaub und mit nur sehr wenigen freien Tagen.“ Aushilfskräfte können laut Miller die gewohnte Beratungsqualität nicht adäquat erfüllen. Auch das Thema Sicherheit spiele bei langen, dunklen Einkaufsnächten eine Rolle. „In der Vergangenheit kam es gerade in den Abendstunden zu Vorfällen mit organisierten Diebstählen“, erzählt die Parfümerie-Chefin. Zusätzliches Wachpersonal sei daher nötig.

Verkaufsoffener Sonntag „läuft gut“

„Hinzu kommt, dass sich Sonderöffnungszeiten für uns erfahrungsgemäß wirtschaftlich nicht lohnen. Der verkaufsoffene Sonntag ist meist ein ,Schautag‘, an dem wir viel Beratung leisten, aber wenig verkauft wird“, sagt Miller. Bei Feiertagszuschlag für das Personal sei das eine Serviceleistung, die sie im Herbst gerne einmal, aber nicht zweimal anbiete.

Persiflage eines Billig-Onlineshops: Greenpeace kritisiert am Freitag den Überkonsum. - Foto: Benedikt Baumgartner

Ein – vermeintlich – ganz neuer Shopping-Trend öffnete am Freitagnachmittag für eine Stunde am Alten Rathaus: In der Optik eines Stands von Shein, einer chinesischen Ramsch-Plattform, protestierten Greenpeace-Aktivisten gegen Wegwerfprodukte, die äußerst schädlich für Umwelt und Gesundheit seien. Auf die Sonderöffnungszeiten als Shoppinganreize in der Altstadt blickt Frank Gesche von der Regensburger Greenpeace-Gruppe zwiegespalten. „Wir sind gegen den ganzen Überkonsum“, sagt er und plädiert für Wiederverwerten und Reparieren. Brauche man aber etwa neue Kleidung, sei es besser, hochwertigere Ware in nahen, inhabergeführten Läden zu kaufen, als in Massen online zu bestellen.

Nach Austausch mit den Kaufleuten fällt die Wochenendbilanz von Maria Müller dann gestern Nachmittag auch zweigeteilt aus: „Heute läuft es gut, am Freitagabend war es verhalten.“ Verkaufsoffene Sonntage in der Stadt haben sich etabliert, das müssen die langen Einkaufsnächte erst noch schaffen.