Burglengenfelder Wählergemeinschaft präsentiert sich verjüngt, einig, selbstbewusst

Von Thomas Rieke · 4. Dezember 2025 um 17:00

Nach SPD und CSU hat jetzt auch die Burglengenfelder Wählergemeinschaft (BWG) ihren Bürgermeisterkandidaten für 2026 offiziell nominiert: Gregor Glötzl. Der 42-jährige Diplom-Geograf erhielt, wenig überraschend, hundertprozentige Unterstützung. Ansonsten aber gab es in der Aufstellungsversammlung, die am Mittwoch im Stadthallenrestaurant stattfand, doch so manches, womit nicht unbedingt zu rechnen gewesen war.

Das Auffälligste: Die BWG geht mit einer deutlich verjüngten Mannschaft in die Stadtratswahlen im März 2026. Zwar sind auf der 24 Personen umfassenden Liste auch mehrere Rentner zu finden, doch auf der anderen Seite ist es der „ältesten Wählergemeinschaft Burglengenfelds“ gelungen, eine Reihe sehr junger Kandidaten zu gewinnen: drei Auszubildende, einen Gymnasiasten und einen Studenten.

Melanie Glötzl, Frau des Spitzenkandidaten und selbst auf Listenplatz elf, war es vorbehalten, die Truppe vorzustellen. Dabei fasste sie sich kurz, zeigte sich aber umso begeisterter, welch „großartige“ Mischung gelungen sei. Das Team sei ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung und zeichne sich durch „viel Kompetenz und Gestaltungswillen“ aus. Der Vorstand habe eben gute Arbeit geleistet. Die Liste wurde einstimmig abgesegnet.

Kurze Analyse der langen Bewerber-Liste

Trotz des unübersehbaren Verjüngungsprozesses: Urgesteine wie Karl Schindler (Platz zehn) und Helmut Schmid (Platz 13) stellten sich erneut zur Verfügung. Vergeblich sucht man indes auf der Liste ebenso bekannte Namen wie Rüdiger-Gerd Sappa (Ex-Geschäftsführer des Bulmare), Robert Gehse (Ex-Stadtrat) oder BWG-Erfinder Helmut Schreiner, der der Veranstaltung aber beiwohnte.

Auch Personen, die 2020 als Zugpferde gegolten hatten und für die BWG sehr erfolgreich waren, spielen keine Rolle mehr: Evi Vohburger (einst SPD) und Harald Braun. Beide hatten den Sprung in den Stadtrat geschafft, mussten aber, als Gregor Glötzl und Albin Schreiner ihre Ansprüche geltend machten, die Plätze räumen.

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Die Lücken konnten komplett kompensiert werden. Das prominenteste Gesicht unter den Neulingen ist Imad Cheikho. Der Vorsitzende des Wirtschaftsforums und Gastronom rangiert auf Platz sechs. Bemerkenswert ist ferner Rang zwei für Birgit Schreiner. Die Frau von Stadtrat Schreiner war 2020 auf Distanz zur BWG gegangen, weil ihr deren Umgang mit Bürgermeister Thomas Gesche nicht gefiel. Ihre Kandidatur auf der CSU-Liste sorgte für Aufsehen.

Jeder soll Ideen und Erfahrungen einbringen

Gregor Glötzl hatte bereits im Sommer bekannt gegeben, dass er sich ein zweites Mal um das Bürgermeisteramt bewerben wolle – obwohl er 2020 mit 8,1 Prozent der Stimmen ein enttäuschendes Ergebnis erzielt hatte. In seiner Antrittsrede betonte er am Mittwoch einmal mehr, wie sehr sich die BWG von einer gewöhnlichen Partei unterscheide. Als Verein organisiert, fühle man sich ausschließlich den Interessen der Bürger verpflichtet.

Niemandem wolle man aber ein Programm überstülpen, im Gegenteil: Gemeinsam mit den Bürgern wolle man herausfinden, wie bestimmte Ziele am besten zu erreichen seien. Jeder sei aufgefordert, sein Wissen, seine Ideen und seine Erfahrungen einzubringen. Nur so entstünden Orte, „die besser zu den Bedürfnissen der Menschen passen“.

Gerechtigkeit ist auch bei der Energiewende ein Muss

Ins Zentrum seiner Rede stellte Glötzl ferner das Thema Gerechtigkeit. Gerechtigkeit für Generationen, aber auch räumliche. Alle Stadtteile und das Umland sollten vergleichbare Lebensbedingungen haben. Von besonderer Bedeutung sei auch Energiegerechtigkeit: Alle Menschen sollten Zugang zu sauberer, bezahlbarer und sicherer Energie haben, niemand dürfe durch zu hohe Kosten abgehängt werden.

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Für Burglengenfeld bedeute dies konkrete, die Kommunale Wärmeplanung, die derzeit läuft, ernst zu nehmen. Die Stadt habe Bürger, Gewerbe und Industrie bei der Wärmewende zu unterstützen und in erneuerbare Quellen zu investieren. Durch Beteiligung an Wind- und PV-Anlagen ließe sich gewährleisten, dass das erwirtschaftete Geld allen zugute komme.

Spitzen gegen die beiden Konkurrenten

Für Burglengenfeld würden sich daraus Standortvorteil ergeben, meinte Glötzl. Denn ohne bezahlbare, sichere und grüne Energie hätten energieintensive Unternehmen hier keine Zukunft mehr.

An der Lokalpolitik der vergangenen Jahre ließ Glötzl kein gutes Haar. Es sei versäumt worden, die Infrastruktur auszubauen. Die Zahl der Arbeitsplätze stagniere auf niedrigem Niveau. Dies sei ein „Skandal erster Güte“. Seine Mitbewerber um das Bürgermeisteramt hält Glötzl für ungeeignet, die Probleme zu lösen. Dazu brauche es „mehr als zwei geschäftsleitende Beamte aus der Provinz, die glauben, Verwaltungskönnen reiche aus, um eine Stadt zu steuern“.

Die Zahl der Arbeitsplätze stagniert seit einem Jahrzehnt auf niedrigem Niveau. Dies ist ein Skandal erster Güte.Gregor Glötzl, Bürgermeisterkandidat (BWG)

Letztlich ging Glötzl sogar mit Teilen der Freien Wähler hart ins Gericht, obschon die BWG bisher stets Wert auf ihre enge Verbindung zum FW-Dachverband gelegt hatte. Aber: Die „Aiwanger-Fraktion“, so kritisierte Glötzl, laufe, ähnlich wie die CSU, den „Feinden der Demokratie“ rhetorisch hinterher. Dabei wäre es nötig, „die Faschisten zu bekämpfen“.

Vor sechs Jahren noch war das Verhältnis zur Galionsfigur der Freien Wähler völlig unbelastet gewesen. Damals war die BWG stolz darauf, dass Aiwanger ihre Nominierungsversammlung besuchte. Er wurde als „Ehrengast“ begrüßt.

Alle Namen auf einen Blick in korrekter Reihenfolge

Plätze eins bis acht: 1. Gregor Glötzl (42), Stadtentwicklungsplaner; 2. Birgit Schreiner (51), Unternehmerin; 3. Maik Prinz (54), MA Baubetrieb Bayernhafen Regensburg; 4. Andreas Ryczek (49), examinierte Pflegefachkraft; 5. Alexander Högerl (36), Vertriebsleiter; 6. Imad Cheikho (45), Unternehmer; 7. Albin Schreiner (50), Rechtsanwalt; 8. Andreas Forster (26), Einkäufer und BWL-Student;

Plätze neun bis 16: 9. Andrei-Stefan Kaiser (44), Angestellter; 10. Karl Schindler (75), Rentner; 11. Melanie Glötzl (43), Beamtin, Regierung der Oberpfalz; 12. Noah Ryczek (18), Azubi, Erzieher; 13. Helmut Schmid (75), Rentner; 14. Rebecca Buckenleib (20), Azubi, Kinderpflegerin; 15. Peter Schwarz (51), Sachgebietsleiter Erneuerbare Energien, Stadt Regensburg; 16. Jonas Ryczek (18), Gymnasiast;

Plätze 17 bis 24: 17. Monika Schmid (72), Rentnerin und Betreuerin; 18. Robin Buckenleib (18), Azubi, Feinmechaniker; 19. Georg Lesk (37), Künstler und Fachoberlehrer; 20. Roman Sommerfeld (37), Fachinformatiker; 21. Katharina Gass (40), Physiotherapeutin; 22. Fritz Weiler (73), Rentner; 23. Dieter Beer (49), Industriemechaniker; 24. Kathrin Högerl (35), Angestellte, öffentlicher Dienst.