Regensburger Hilfsverein für Bedürftige will umziehen: Strohhalm plant großen Neubau

Von Philip Hell · 27. November 2025 um 16:28

Seit einem Vierteljahrhundert ist der Regensburger Verein Strohhalm im Einsatz für Menschen, denen es nicht so gut geht. Pünktlich zum Jubiläum steht nun der wohl größte Kraftakt in der Geschichte der Ehrenamtlichen an: Der Strohhalm zieht um.

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Am Donnerstag präsentierten die beiden Vorsitzenden Franz Lindl und Siegfried Pislor die Pläne dieser Zeitung. Der Strohhalm will einen Neubau an der Nordgaustraße, angrenzend an den Toom-Baumarkt in der Frankenstraße, errichten. Für diesen Schritt gebe es mehrere Anlässe, sagte Lindl. Zum einen habe man sich mehrere Jahre mit dem Armutsbericht der Stadt Regensburg befasst und festgestellt: „Die Zahl der Bedürftigen wird zunehmen.“ Zum anderen seien die bisherigen Gebäude in der Keplerstraße und in der St.-Albans-Gasse schlicht zu klein.

Strohhalm zieht um: Mehr Platz für Gäste

Die Pläne für den Neubau sind weit gediehen, man sei gerade dabei, letzte Detailfragen zu klären, sagen die Vorsitzenden. Allerdings muss erst noch die Strohhalm-Mitgliederversammlung am 19. Dezember zustimmen. „Wir sind da aber zuversichtlich“, so Lindl.

Im neuen Gebäude sollen sowohl die Essensausgabe als auch die Kleiderkammer unterkommen. Auch Duschen und Waschmaschinen soll es geben.

Der Strohhalm steht jedem offen, betonten Lindl und Pislor. Er soll ein Ort der Wärme, der Würde und des Miteinanders sein. Getragen von diesem Gedanken ist auch der Plan, ein Tagescafé im Neubau zu etablieren. „Dort kann man sich mit anderen unterhalten, ein Buch lesen oder die Zeitung“, sagt Lindl. „Man kann sich dort den ganzen Nachmittag aufhalten.“ Teil des Grundstücks ist auch ein kleiner Grünstreifen, dort sollen Sitzmöbel aufgestellt werden. „Am Ende sollen die Menschen einfach Geborgenheit verspüren. Bei uns gibt es keinen Zeitdruck.“ Durch die beengten Verhältnisse in der Keplerstraße musste es bislang durchaus mal schneller gehen, das soll nun ein Ende haben. Statt bislang 35 Sitzplätzen, hat der neue Speisesaal rund 100 – das Café soll etwa 20 haben. In der neuen Kleiderkammer soll es möglich sein, Gewand zu lagern – das war bislang auch schwierig. Ebenso wie die Anlieferung von Kleidung oder Essen. Beides sei im Neubau deutlich einfacher.

Die Räume in der Keplerstraße seien zum Teil sehr eng. Es gebe nur ein winziges Büro, im Sommer sei es teilweise sehr heiß. „Man muss wirklich den Hut ziehen vor unseren Ehrenamtlichen“, sagen die Vorstände. Auch den Mitarbeitern soll es der Neubau deutlich einfacher machen, den Menschen zu helfen. Durch eine Umstellung in der Ausgabe soll auch mehr Zeit für Gespräche mit den Kunden bleiben. Die Lage sei zudem sehr vorteilhaft, sagen die beiden Vorstände. Man habe natürlich zuvor nachgeforscht, wo die Strohhalm-Gäste wohnen, und einen passenden Ort gewählt. Darüber hinaus sei der Standort mit dem Bus und auch zu Fuß gut zu erreichen. „Die wenigsten, die zu uns kommen, wohnen in der Altstadt“, betont Pislor.

Nah an der Regensburger Tafel: Auch der Verein Rafael will in das neue Strohhalm-Gebäude ziehen

Nicht nur der Strohhalm will in die Räume einziehen. Auch der Verein Rafael soll dort ein neues Zuhause bekommen. Die Organisation bietet Bedürftigen medizinische Hilfe an. Beide Vereine setzen auf niedrigschwellige Angebote und wollen eng zusammenarbeiten.

Nur wenige Straßen weiter liegt die Tafel. Auch mit dieser Organisation arbeite man eng zusammen, betonen Lindl und Pislor.

Ein Zeitplan für den Neubau ist freilich ein wenig schwierig. Sollten die Mitglieder dem Neubau zustimmen, will der Vorstand den Bauplan noch vor Weihnachten bei der Stadt Regensburg einreichen. Die Zusammenarbeit mit den Behörden sei bislang sehr gut, sagen die beiden Vorstände.

Um den Bau voranzutreiben, braucht es Geld, sagen die Vorstände. Im kommenden Jahr haben sich die Strohhalm-Verantwortlichen daher eine Reihe von Ideen einfallen lassen, um für Spenden zu sorgen. Zum Beispiel eine Winterwanderung, ein Sterne-Dinner oder ein Baustellenfest. „Jeder Euro ist für uns von Bedeutung“, sagt Pislor.

Regensburger Hilfsverein zieht um: Dickes Lob von CSU-Bürgermeisterin Astrid Freudenstein

Sozialbürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) freut sich über das Projekt des Strohhalms, sagt sie auf Anfrage der MZ. Die Initiative sei eine zuverlässige Anlaufstelle für Menschen, denen es nicht so gut gehe. Dabei arbeite der Strohhalm rein ehrenamtlich, betont Freudenstein. „Das ist rein spendenbasiert. Von der Stadt haben die noch nie einen Euro bekommen. Der Strohhalm hat das Umbau-Projekt alleine gewuppt.“ Das müsse den Ehrenamtlichen erst einmal einer nachmachen, sagt die CSU-OB-Kandidatin. Dabei spiele auch die Vorstandschaft eine große Rolle. „Die arbeiten ganz solide. Ihnen kann man voll vertrauen.“

Spenden an den Strohhalm in Regensburg

• Ehrenamt: Die Mitarbeiter beim Strohhalm verdienen ebenso wie die Vorstände kein Geld. „Jeder Euro kommt an“, betonen Pislor und Lindl.

• Konto: Die Arbeit des Vereins wird nur durch Spenden finanziert. Die IBAN lautet: DE13 7505 0000 0005 1007 06. Die BIC: BYLADEM1RBG. Auch Sachspenden sind möglich.

• Mitglieder: Die Mitgliedschaft im Strohhalm kostet 35 Euro jährlich. Das Geld kommt dem Verein zu Gute.

• Infos: Weitere Informationen auf der Webseite www.strohhalm-regensburg.de. oder unter (09 41) 6 98 01 54