Prozess um Geiselnahme in Straubing beginnt – Regensburger Gerichtssaal abgesichert

Vier Männer müssen sich vor dem Landgericht Regensburg verantworten. Sie sollen einen Pflegehelfer als Geisel genommen, schwer misshandelt und mit dem blutenden Opfer ihre Flucht aus dem Bezirksklinikum Straubing durchgesetzt haben. Den jungen Männern droht wegen ihrer Vorstrafen nun eine dauerhafte Unterbringung in der Sicherungsverwahrung.
Schon seit einigen Tagen wird vor dem Sitzungssaal 104 am Landgericht Regensburg umgebaut. Dort wird ab kommenden Montag der Prozess gegen vier Männer stattfinden, die sich im August 2024 mit massiver Gewalt und einer Geiselnahme den Weg aus dem Bezirksklinikum Straubing freipressten. Aufgrund der Gefährlichkeit, die man den vier Angeklagten unterstellt, hat der Vorsitzende Richter Dr. Alexander Guth ein Sicherheitskonzept erlassen. Unter anderem wird die Polizei die Gerichtsbediensteten bei der Einlasskontrolle und der Aufsicht im Gerichtssaal unterstützen.
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Den Angeklagten Angelo J. (29), Zeqir B. (29), Moritz K. (30) sowie Denis E. (32) wird vorgeworfen, am 17. August 2024 ihre zuvor gefassten Pläne für einen Ausbruch aus einer geschlossenen Abteilung im Bezirksklinikum Straubing umgesetzt zu haben. Zu diesem Zeitpunkt war die Verlegung von B. K. und E. in ein Gefängnis geplant, da die Therapien abgebrochen worden waren und damit die Voraussetzungen für einen Maßregelvollzug nicht mehr bestanden. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Regensburg wollten die Männer fliehen, um dem bevorstehenden Umzug zu entgehen. Angelo J. war zu dem Zeitpunkt im Rahmen einer Krisenintervention auf der besonders gesicherten Station untergebracht.
Helfer besorgten Fluchtauto
Bereits im Vorfeld sollen sich die Männer mittels mehrerer Helfer einen Fluchtwagen sowie persönliche Gegenstände organisiert haben. In Vorbereitung auf die Geiselnahme bewaffneten sie sich mit den Beinen eines zertrümmerten Stuhls und Denis E. organisierte einen Spiegel, den er angeblich zur Körperpflege benötigte. Stattdessen zerbrachen sie den Spiegel, um die Scherbe als Stichwaffe einzusetzen.
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Als Opfer hatten sich die Männer einen 54-jährigen Pflegehelfer ausgesucht, den sie unter einem Vorwand in das Stationsbadezimmer lockten, wie die Ermittlungen ergaben. Dort überwältigten sie den Mann, malträtierten ihn mit Faustschlägen. Obwohl das Opfer zu Boden ging, wehrte es sich massiv. Den Tätern gelang es jedoch, dem Pflegehelfer das Notrufgerät zu entreißen. Weil der Mann offenkundig weiterhin nicht bereit war, den Männern die Flucht zu ermöglichen, fesselten sie ihn und stopften dem aus der Nase blutenden Opfer eine Socke in den Mund. Als weitere Druckmittel kam nun die Glasscherbe zum Einsatz, mit der sie das Opfer am Hals verletzten. Moritz K. soll dem Mann dabei auch mit „abstechen“ gedroht haben. Nach etwa 15 Minuten, so rekonstruierten die Ermittler später, ging dem Pflegehelfer die Kraft aus und er gab auf. Die Anklage geht davon aus, dass ihn zu diesem Zeitpunkt mindestens 40 Faustschläge und Fußtritte getroffen hatten.
Kokainfund bei einem Täter
Mit der blutenden Geisel forderten die Männer das Personal an der Pforte und an zwei Sicherheitstüren unter weiteren Gewaltandrohungen auf, die Türen zu öffnen. Wenige Meter vom Klinikum entfernt, wartete ein Helfer dann mit dem Fluchtwagen. B. und E. setzten sich nach der Tat in die Türkei ab, J. und K. wurden in Österreich aufgegriffen.
Bei Moritz K. wird der Prozess neben Geiselnahme und schwerer Körperverletzung auch noch den Vorwurf Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz enthalten. K. war wenige Tage vor seiner Flucht mit knapp 100 g Kokain in einem Zug bei Vilshofen festgenommen worden. Drei Angeklagte sitzen derzeit Strafen ab für Handlungen, die sie vor der Einweisung ins Bezirksklinikum begangen hatten. Dabei handelte es sich um Delikte im Bereich Betäubungsmittel und Eigentum. Ein Täter ist in Untersuchungshaft.
Die Staatsanwaltschaft will in der Hauptverhandlung für alle vier Männer die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung beantragen.