Geiselnahme in Straubinger Forensik: Geflüchteten droht Sicherungsverwahrung

Von Isolde Stöcker-Gietl · 18. November 2025 um 14:47

Die vier vorbestraften Täter brachten im August 2024 im Bezirksklinikum Straubing einen Klinik-Mitarbeiter in ihre Gewalt, bedrohten und misshandelten ihn so massiv, dass er schließlich die Sicherheitstüren öffnen ließ. Jetzt müssen sich die Männer vor dem Landgericht Regensburg verantworten. Der Prozess startet in wenigen Tagen.

Video ansehen

Die gewaltsame Flucht von vier jungen Straftätern aus dem Bezirksklinikum Straubing wird ab dem 1. Dezember vor dem Landgericht Regensburg verhandelt. Die Männer im Alter zwischen 28 und 31 Jahren sollen am 17. August 2024 einen Mitarbeiter des psychiatrischen Krankenhauses in ihre Gewalt gebracht, misshandelt, gefesselt und massiv bedroht haben. Unter anderem sollen sie dem damals 54-Jährigen eine spitze Scherbe eines zerbrochenen Kunststoffspiegels an den Hals gehalten haben, mit der Warnung, dass sie ihm den Hals aufschneiden würden, sollte er nicht dafür sorgen, dass die besonders gesicherten Zugänge zu der forensischen Einrichtung geöffnet würden.

Lesen Sie hier: Überstellung des letzten Flüchtigen nach Deutschland

„Unter dem Eindruck der massiven Drohungen gegen das Leben des Pflegehelfers öffneten dessen Kollegen sodann mehrere Pforten des Bezirkskrankenhauses, so dass die Angeschuldigten entkommen konnten“, erklärte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher im Mai dieses Jahres, als die Staatsanwaltschaft Regensburg Anklage in dem Verfahren erhob. Den Männern – zwei Deutsche, ein Bosnier und ein Kosovare – wird Geiselnahme und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Die Anklagebehörde will im Prozess auch eine mögliche Sicherungsverwahrung für die wegen Diebstahls- und Betäubungsmitteldelikten vorbestraften Männer prüfen lassen. Zunächst sind 13 Verhandlungstage bis 9. Februar anberaumt.

Nach der gelungenen Flucht aus der forensischen Einrichtung waren zwei Täter zwei Wochen später in Österreich aufgegriffen worden, zwei weitere Täter waren in die Türkei geflüchtet, wo sie im September 2024 festgenommen wurden. Nach der Geiselnahme hatte das bayerische Sozialministerium verschärfende Maßnahmen in der Forensik angekündigt.