Anlagebetrug und Drogen: So operiert die Organisierte Kriminalität in der Oberpfalz

Der neue Lagebericht zeigt eine Zunahme bei den Ermittlungsverfahren in der Region. Auch der erste Fall von CEO-Fraude wurde in der Oberpfalz registriert. Und ein aus dem Landkreis Schwandorf heraus agierender Drogenhändlerring wurde in Rheinland-Pfalz gesprengt.
In der Oberpfalz hat sich die Zahl der schweren Delikte im Bereich der Organisierten Kriminalität (kurz OK) erhöht. Laut dem gemeinsamen Lagebild von Generalstaatsanwaltschaft München und Bayerischem Landeskriminalamt kam es im vergangenen Jahr zu vier Ermittlungsverfahren, in einem weiteren Fall ist die Oberpfalz Ausgangsort für die Taten, die Ermittlungen laufen direkt beim Landeskriminalamt. Im Jahr 2023 gab es ein Ermittlungsverfahren in der Region.
78 Ermittlungsverfahren eingeleitet
Wie es in dem am Mittwoch veröffentlichten Lagebild heißt, wurden 2024 in Bayern 78 Ermittlungsverfahren gegen fast 1000 Tatverdächtige aus 54 Ländern geführt. Die Ermittler stellten dabei eine steigende Gewaltbereitschaft innerhalb der OK-Strukturen, aber auch gegenüber den Strafverfolgungsbehörden fest. Der finanzielle Schaden lag bei 1,4 Milliarden Euro, im Jahr zuvor war er noch bei 66 Millionen Euro. Einer der Gründe: Ein Ransomeware-Angriff auf ein mittelständisches Unternehmen in Bayern, der zu einem Produktionsstillstand führte.
Lesen Sie hier: Kriminalitätsexplosion in Regensburg
In der Oberpfalz kam es nach Auskunft des Landeskriminalamtes im vergangenen Jahr zu drei Fällen von Anlagebetrug. So verlor etwa ein 60-Jähriger Mann aus dem Kreis Amberg-Sulzbach im Oktober 2024 über 100 000 Euro an Anlagebetrüger, auf deren Finanztipps er über Social Media Kanäle aufmerksam geworden war. Vor wenigen Wochen fielen erneut mehrere Oberpfälzer auf diese Anlagebetrugs-Masche herein.
Auch ein Fall von sogenanntem CEO-Fraude wurde in der Region verübt. Bei dieser Betrugsform werden Firmen ausgeforscht und dann unter Verwendung falscher Identitäten meist in optisch gut gefälschten E-Mails zur Überweisung von Geld ins Ausland manipuliert. Das Ziel der Betrüger: Den Eindruck zu erwecken, die Forderung komme aus der Geschäftsleitung des Betriebes.
Drogen und Waffen sichergestellt
Besondere Erwähnung findet im jüngsten OK-Lagebericht eine Personengruppe aus der Oberpfalz, die in größerem Maße Betäubungsmittel aus dem Ausland beschaffte. Die Gruppierung hatte über AirBnB und Booking.com unter falschen Personalien Wohnungen und Häuser angemietet, um von dort aus Straftaten zu begehen und dann unerkannt weiterzuziehen. In Rheinland-Pfalz flogen die Oberpfälzer Bandenmitglieder, die aus dem Raum Schwandorf und Amberg stammten, dann allerdings auf. Bei einer Durchsuchung stellten die Ermittler dort 4,4 Kilogramm Methamphetamin, 1 Maschinenpistole mit 300 Schuss Munition, 1 geladenen Revolver mit Munition, eine geladene Gasdruckpistole und 1 Schlagstock sicher. Insgesamt habe der Bereich der Wirtschaftskriminalität allerdings den Rauschgifthandel überholt. Ein Trend, der sich seit Jahren fortsetze, so die Verantwortlichen.
Lesen Sie hier: Drei Oberpfälzer verlieren bei Anlagebetrug hohe Summen
In Niederbayern wurde 2024 in zwei OK-Delikten ermittelt (2023: 2). In einem Fall steht ein Unternehmen aus dem Raum Passau im Fokus, dem vorgeworfen wird, den teils als gefährlich eingestuften Müll aus Abbruch- und Entsorgungsarbeiten illegal entsorgt zu haben.