„Obergrenze“ für Musikunterricht? – Kreisrat Preidl fordert Zuschüsse für Landkreismusikschule

Nicht nur Kreisrat Julian Preidl (FW) weiß, dass die Haushaltslage im Landkreis angespannt ist. Er weiß auch, dass das dazu geführt hat, das Defizit der Landkreismusikschule zu deckeln – auf genau 750 000 Euro. Ein Minus, das die Schule mit ihren 1250 Schülern und 28 Lehrkräften an knapp 30 Standorten erreicht hat. Die Folge: Ein Aufnahmestopp für neue Schüler, die eigentlich ein Instrument würden lernen wollen.
Andreas Vogl spielt Akkordeon seit Kindheitstagen. Jetzt würde der mittlerweile 26-Jährige gerne noch Klarinette lernen. Das wäre wichtig, um auch in Blasmusikkapellen mitspielen zu können. „Aber an der Landkreismusikschule, wo ich auch im Akkordeon-Unterricht bin, gibt es für Klarinette im Moment keinen Platz“, sagt er. Hinzu komme, dass es auch privat immer schwieriger werde, Lehrer zu finden.
„Viele, die in Kapellen spielen, geben nebenher keinen Unterricht mehr“, weiß er. Ein Problem, mit dem er an Julian Preidl herangetreten ist, der am Montag einen Antrag in den Kreistag einbringt. „Die Landkreismusikschule leistet nicht nur seit Jahrzehnten hervorragende Arbeit“, sagt er: „Sie ist nicht nur Ausbildungsstätte, sondern auch Keimzelle unserer kulturellen Infrastruktur – von den Blaskapellen über Chöre bis hin zu Musikvereinen und Orchestern.“
Damit falle der Landkreismusikschule – und indirekt damit auch dem Landkreis Cham – eine wichtige Aufgabe zu, nämlich die der Nachwuchs-Ausbildung für alle diese kulturellen Organisationen, die es im Moment noch gebe. Er führt das Beispiel einer Blaskapelle im Landkreis an, die drei Nachwuchsmusikerinnen und - musiker nicht aufnehmen könne, weil es keine Lehrkapazität mehr gebe.
Den Grund dafür sehe er klar in der Finanzierung, also dem Deckel auf dem Defizit. Dabei sei es sicher nicht so, dass jedes Jahr mehrere Musikschüler abgewiesen werden müssten, und das bringt den Kreisrat auf eine Idee. Warum die „Spitzen“ des Bedarfs nicht durch Dozenten privater Musikschulen auffangen?
So könnten so einige, die im Moment keinen Musiklehrer bekämen, doch noch Unterricht bekommen. Natürlich koste auch das Geld, doch Preidl ist sich sicher: „Gerade in Zeiten, in denen der Landkreis sparen muss, darf nicht bei der Bildung gekürzt werden.“ Dieses Thema sei ebenso wichtig wie das der Sicherheit. Andreas Vogl bringt noch einen anderen Vergleich: In Zeiten, in denen Rufbusse als Teil des öffentlichen Personen-Nahverkehrs in der Diskussion stünden – also ein Angebot finanziert, das wenig genutzt werde –, wieso sollte es dann kein Geld für ein Angebot geben, für das die Nachfrage da wäre?
Vielleicht, meint Preidl, wäre es auch sinnvoll, die musikalische Förderung auf viel breiterer Basis neu zu denken. Der Verband der Musikschulen im Freistaat habe einmal ausgerechnet, dass ein Prozent der finanziellen Mittel, die in Profiorchester fließen, Einrichtungen wie Landkreismusikschulen (wobei die in jedem Landkreis anders strukturiert seien) ganz anders aufstellen könnten. Unabhängig davon müsse – so steht es im Antrag für den Kreistag – die Landkreismusikschule Cham als zentrale Bildungseinrichtung langfristig gesichert und priorisiert werden, damit auch in Zukunft überall die Musik spielen könne.