Erst einmal wird geplant: Modernisierung der Bahnstrecke von Cham nach Prag stockt

Die Bahnstrecke zwischen Prag und München gilt nicht gerade als Vorzeigefall für Pünktlichkeit und moderne Infrastruktur. Und auch Chamer Pendler mussten in den vergangenen Monaten gleich zweimal auf den Schienenersatzverkehr umsteigen. Doch nun soll alles besser werden und zwar mit einer gründlichen Modernisierung der Bahnverbindung samt Elektrifizierung – zumindest auf der tschechischen Seite. Denn auf dem deutschen Streckenabschnitt gibt es noch viele Fragezeichen zur konkreten Umsetzung.
Wenn es nach einem Sprecher der Deutschen Bahn geht, dann kommt aber bald Bewegung in die stockende Modernisierung: „Die Deutsche Bahn elektrifiziert die Verbindung zwischen München und Prag auf deutscher Seite.“ Dabei konzentrieren sich die Arbeiten laut dem Sprecher auf zwei Teilstücke.
Der Abschnitt zwischen Regensburg und Schwandorf habe bereits die Vorplanung abgeschlossen und warte nun auf die Finanzierung durch den Bund. Neben der Elektrifizierung ist auch eine Streckenverkürzung vorgesehen, sagt der Sprecher.
Bei der Strecke zwischen Schwandorf und Furth im Wald ist das Projekt noch in einer „frühen Planungsphase“. Geplant ist laut dem Sprecher sowohl eine Elektrifizierung als auch ein zweites Gleis. Einen exakten Zeitplan für die Umsetzung der Vorhaben bleibt die Bahn aber schuldig. Entscheiden wird schlussendlich Berlin und das kann dauern.
Tschechien macht Druck
Währenddessen machen unsere tschechischen Nachbarn Nägel mit Köpfen und beginnen schon heuer mit den Arbeiten. „Für die Tschechen hat die Modernisierung wirklich Priorität“, bestätigt Gerhard Hopp. Der CSU-Abgeordnete ist nicht nur Mitglied des Bayerischen Landtags, sondern ist dort auch als Koordinator für die bayerisch-tschechische Parlamentszusammenarbeit tätig.
„Bis 2030 wollen unsere Nachbarn ihren Teil der Strecke schon modernisiert haben“, meint er und verweist auf Gespräche mit dem tschechischen Verkehrsministerium. Und wie plant Deutschland? „Das ist eine gute Frage“, sagt MdL Hopp. Inzwischen laufen die Planungen laut Hopp aber. Dass das Ganze aber erst jetzt so wirklich losgeht, dafür macht Hopp die frühere Ampel-Koalition verantwortlich: „Das waren Jahre des Stillstands.“
Dabei hätte die Bahnstrecke nach Prag und über Cham eine Frischzellenkur dringend nötig, weiß auch Hopp. Der Abgeordnete fährt laut eigener Aussage immer mal wieder mit dem Zug in die tschechische Hauptstadt, um sich mit seinen Amtskollegen auszutauschen. „Da bekommt man über die Jahre die Probleme natürlich alle hautnah mit“, erklärt er. Besonders „nervig“ seien die häufigen Verspätungen und die zu langen Taktungen.
„Modernisierung würde bestimmt helfen“
„Eine Modernisierung würde bestimmt helfen, zumindest einige Probleme zu lösen“, meint er und ergänzt: „Die Strecke ist einfach extrem wichtig, deswegen müssen auch wir auf deutscher Seite unsere Hausaufgaben machen.“ Wie lange genau die aktuelle Planungsphase dauert und wann mit einer Modernisierung begonnen werden kann, ist laut Hopp „noch völlig unklar“.
Bundestagsabgeordnete Martina Englhardt-Kopf (CSU) aus dem Landkreis Schwandorf schreibt in einem Brief an den deutschen Verkehrsminister: „Ich bitte Sie daher nachdrücklich, sich dafür einzusetzen, dass dieses überregional bedeutende Projekt zügig voranschreitet.“ Es sei von entscheidender Bedeutung, dass die nächsten Schritte konsequent umgesetzt werden.
Im persönlichen Gespräch stellt sie klar, wie weit eine Modernisierung samt Elektrifizierung noch weg ist: „Erst einmal startet die Vorplanung und das allein kann schon bis zu drei Jahre dauern.“ Bis dann die ersten Arbeiten beginnen können, kann es laut Englhardt-Kopf noch mehrere Jahre dauern.
Kampf um die Finanzierung
Aktuell beginne die Beauftragung der Planungsteams. „Bis zum Ende des Jahres wollen wir mit der Vorplanung beginnen.“ Danach beginne der „lange Kampf“ um die Haushaltsmittel. „Es gibt leider mehrere sanierungsbedürftige Strecken.“ Unverständnis für die lange Wartezeit zeigt Robert Kurzmann, Kreisvorsitzender beim Bund Naturschutz. „Jahrelang wurde nur in die Straßen investiert und die Bahn wurde komplett vernachlässigt“, meint er. Das Resultat seien veraltete Gleise und unpünktliche Züge.
Vor allem die Strecke Richtung Tschechien sei dafür ein Paradebeispiel. „Durch eine Elektrifizierung würde man gleich mehrere Probleme auf einmal lösen“, ist Kurzmann überzeugt. Damit meint er laut eigener Aussage vor allem die vielen Verspätungen und eine klimafreundlichere Infrastruktur.
Wie das gelingen kann, hat Kurzmann erst kürzlich selbst in der Schweiz beobachtet: „Dort läuft fast alles elektrisch.“ Das Ergebnis seien pünktliche Abfahrten und Ankünfte. „Ich war wirklich begeistert und jetzt hoffe ich, dass wir so eine Modernisierung auch bei uns hinkriegen.“