Laserbeobachtungen von Satelliten: Kooperation für Observatorium in Wettzell erneuert

Von Mittelbayerische Zeitung · 21. November 2025 um 15:00

So wie Erdparameter wegen Plattentektonik und Rotationsschwankungen der Erddrehung regelmäßig angepasst werden, müssen von Zeit zu Zeit auch vertragliche Bedingungen an neue Gegebenheiten adaptiert werden. Nun wurde die Kooperation für den Betrieb verlängert.

Der Startpunkt der Zusammenarbeit liegt schon lange zurück. Von 1970 bis 1986 förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft einen speziellen Sonderforschungsbereich „Satellitengeodäsie“. Raumfahrt und Satellitentechniken steckten damit in den Kinderschuhen. Das resultierende Potential war aber enorm, was man auch für die Erdvermessung und -abbildung erkannte.

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Geburtsstunde der Wettzeller Station 1983

Die neu entstehende Satellitengeodäsie bildete damit den Grundstein für erste Laserbeobachtungen zu Satelliten an einer Beobachtungsstation im Bayerischen Wald, dem heutigen Geodätischen Observatorium Wettzell. Ausgewählt wurde der Standort wegen der damaligen Flugverbotszone durch den „Eisernen Vorhang“ entlang der tschechischen Grenze, wollte man doch keinen Flugverkehr durch den nicht augensicheren Laser gefährden.

Am 1. Juli 1983 unterzeichneten dann die Technische Universität München, die Zentralleitung des Deutschen Geodätischen Forschungsinstituts (DGFI) München und das Institut für Angewandte Geodäsie (Abteilung II DGFI) Frankfurt am Main eine gemeinsame Vereinbarung und Ordnung zur langfristigen Fortführung und Verstetigung der Arbeiten des Sonderforschungsbereichs.

Ziel war es, im Rahmen einer „Forschungsgruppe Satellitengeodäsie“ zusammenzuarbeiten. Damals entstand das noch heute betriebene große Radioteleskop. Die Aufgaben der neuen Gruppierung war die Gewinnung von Messdaten, die Weiterentwicklung von Messsystemen, die wissenschaftliche Nutzung und Forschung, sowie die Teilnahme an nationalen und internationalen Forschungsaufgaben, Projekten und Diensten.

Vertragsbedingungen angepasst

Seitdem arbeitet man sehr erfolgreich zusammen und ist weltweit führend in Sachen Geodäsie. In der Zwischenzeit wurde aus dem Institut für Angewandte Geodäsie das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie. Es erbringt staatliche Infrastrukturaufgaben für Geodaten. Das DGFI München wurde Teil der Technischen Universität München. Über die Jahre veränderten sich aber auch die Rahmenbedingungen.

Da diese „außergewöhnliche Zusammenarbeiten zwischen einer Behörde und einer Universität“, wie es Präsident Becker betitelte, unbedingt fortgeführt werden sollte, wurden vertragliche Rahmenbedingungen neu geregelt und dem aktuellen Zeitgeist und neuen Gefährdungslagen angepasst.

Sicherheit und Vertraulichkeit im Vordergrund

Am 12. Novemberunterzeichneten Präsident Professor Dr. Paul Becker vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) und Präsident Professor Dr. Thomas Hofmann von der TUM eine neue Campusvereinbarung für den gemeinsamen, weiteren Betrieb des Geodätischen Observatoriums Wettzell an der Technischen Universität München (TUM).

In der neuen Campusvereinbarung werden somit Sicherheits- und Vertraulichkeitsbedingungen, Nutzungsrechte, gegenseitige Verpflichtungen, Haftungen und weiteres geregelt. So kann der Betrieb weiter gemeinsam getragen werde und neben der Erbringung von staatlicher Dienstleistung kommt auch die Forschung nicht zu kurz.

Präsident Hofmann war sichtlich erfreut über die geschaffene Grundlage zur Zusammenarbeit und versprach, dass er Wettzell bald wieder einen Besuch abstatten werde, weil er „enorm beeindruckt von den Leistungen und auch dem Zusammenhalt des Teams vor Ort ist“.

Das Leitungsteam: PD Dr. Alexander Neidhardt (v. l.), Dr. Thomas Klügel, Dr. Johannes Bouman, Präsident Prof. Dr. Thomas Hofmann, Präsident Prof. Dr. Paul Becker, Christian Plötz, Prof. Dr. Roland Pail, Prof. Dr. Urs Hugentobler - Foto: U. Meyer/TUM-Pressesprecher

Neue Anforderungen durch den Wandel von Infrastruktur und Forschung

Bedeutung von Geodaten: Von staatlicher Seite wurde erkannt, dass Geodaten und speziell die Aufgaben in Wettzell eine entscheidende Infrastruktur darstellen. Das Observatorium Wettzell wurde eine „Kritische Infrastruktur“ und das BKG wurde zur Sicherheitsbehörde erklärt. Damit einher gehen entsprechende Anforderungen an den Schutz, den Betrieb und die Aufgaben. Aber auch die TUM durchlebte einen bedeutenden Wandel und zählt mittlerweile zu einer der europaweit besten Universitäten mit Weltruf, was mit einer besonderen Bewertung der Forschung verknüpft ist. Dem allen wurde die ursprüngliche Vereinbarung aus dem Jahr 1983 nicht mehr gerecht.

Bei der Unterzeichnung der Campusvereinbarung: Präsident Prof. Dr. Paul Becker vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) und Präsident Prof. Dr. Thomas Hofmann von der Technischen Universität München. - Foto: U. Meyer/TUM-Pressesprecher