Schulterschmerzen mit Training bekämpfen: OTH Regensburg sucht Teilnehmer für Studie

Gezieltes Training hilft gegen Schmerzen in der Schulter – und kann sogar Operationen verhindern, sagt Prof. Dr. Joachim Grifka, Leiter der Forschungsstelle Orthopädie und Ergonomie der OTH Regensburg. Gemeinsam mit zwei Studierenden sucht er Teilnehmer für eine wissenschaftliche Studie, zu der ein achtwöchiges Übungsprogramm gehört.
Nicht nur, wer schon einmal die Küchendecke gestrichen hat, wird das Gefühl kennen: „Man fühlt sich schulterlahm“, beschreibt es Prof. Dr. Joachim Grifka, Leiter der Forschungsstelle Orthopädie und Ergonomie der OTH Regensburg. „Das ist mehr als ein Muskelkater.“
Laut Studien würden mindestens 70 Prozent aller Menschen einmal in ihrem Leben an Schulterschmerzen leiden. Auch falsches Training könne dazu beitragen, dass es in der Schulter schmerzt. „Wer Probleme in diesem Bereich hat und ohne Anleitung trainiert, kann das Problem noch verschlimmern“, sagt er. „Wenn dann zum Beispiel einfach der Muskel trainiert wird, ist das kontraproduktiv.“
Operationen verhindern
Gezieltes Training dagegen helfe gegen Beschwerden – und könne so sogar Operationen verhindern, sagt der Orthopädie-Experte. Ein spezielles Trainingsprogramm auf Grundlage von aktueller Studien und langjähriger Erfahrung habe nun die Forschungsstelle erstellt. Gemeinsam mit Anna Maldener, Medizinstudentin im siebten Semester, die ihre Doktorarbeit zu diesem Thema schreibt, und Medizintechnik-Student Jacob Wuchenauer, der die Ergebnisse in seine Masterarbeit einfließen lassen will, sucht Grifka deshalb Teilnehmer für eine Schulterstudie (siehe unten).
Nach einer mittlerweile abgeschlossenen Studie zum Thema Hüfte und einer Knie-Studie ist es nun das dritte Mal, dass die Forschungsstelle Probanden sucht. Das Besondere an dem Vorgehen: Neben den Übungen, die als achtwöchiges Webprogramm zur Verfügung gestellt werden, sowie einer Eingangs- und Abschlussuntersuchung am Biopark in Regensburg, wird bei ausgesuchten Teilnehmern noch eine biomechanische Untersuchung an der OTH durchgeführt. Diese erfolgt durch das Team von Sebastian Dendorfer, Professor für Biomechanik, Muskuloskelettale Simulation und Technische Mechanik. „Auf diese Weise stehen uns am Ende objektive Werte zur Verfügung“, erklärt Wuchenauer. „Wir wollen mit Zahlen und Daten belegen, dass das Trainingsprogramm wirkt.“
Keine Experimente, sondern wissenschaftliche Studie
Grifka betont, dass es sich dabei nicht um Experimente, sondern um eine wissenschaftliche Studie handelt. „Was Interessenten wissen müssen, ist, dass es eine Anwendergruppe und eine Gruppe zur Kontrolle geben wird. Wenn wir die Ergebnisse haben, wird aber auch die Kontrollgruppe die Übungen zur Verfügung gestellt bekommen. Es geht also niemand leer aus.“
Neben der laut Grifka in Deutschland einmaligen Kombination aus Medizin und Medizintechnik, sei an dem Programm auch ein großer Vorteil, dass die Übungen ohne viel Equipment von zuhause aus durchführbar seien. „Das Äußerste, was man einsetzt, ist ein Handtuch oder eine Wasserflasche als Gewicht.“
Dranbleiben ist wichtig
Wie Maldener, die Erfahrungen aus der Physiotherapie mitbringt, erklärt, brauche es natürlich Motivation, um beim Training acht Wochen lang dranzubleiben. „Hilfreich ist es vielleicht, das Programm mit einem Partner zu absolvieren, der auch unter Schulterschmerzen leidet“, sagt sie. „Grundsätzlich denke ich aber, dass man dranbleibt, wenn der Leidensdruck hoch genug ist. “
Von Patienten höre man häufig, dass Schulterschmerzen zu großen Einschränkungen im Alltag führen. „Da geht es um ganz profane Tätigkeiten wie Spülmaschine ausräumen, Zähne putzen oder Haare kämmen.“ Wenn man mit der Änderung seiner Gewohnheiten um einen operativen Eingriff herumkomme, sei das wohl die größte Motivation.
Info: Teilnehmer für Schulterstudie gesucht
• Anforderungen: Für das Programm werden Teilnehmer gesucht, die bereits leichte Schmerzen oder eine geringe Bewegungseinschränkung der Schulter haben und mit einem gezielten Training eine Funktionsverbesserung, Schmerzreduktion und die Kräftigung der Muskulatur erreichen wollen.
• Einschränkungen: Es dürfen keine Operationen an einem Schultergelenk durchgeführt worden sein. Das Mindestalter für die Teilnahme ist 18 Jahre, eine Altersbegrenzung nach oben gibt es nicht.
• Kontakt: Die Kontaktaufnahme erfolgt über Anna Maldener, entweder per E-Mail an schulterstudie.regensburg@outlook.de oder telefonisch unter 0172/1408134.