Probleme mit dem Knie? Forscher der OTH Regensburg setzen auf neues Trainingsprogramm

Ob Zwicken beim Laufen oder leichte Bewegungseinschränkung: Wer Probleme mit dem Knie hat, kann sich für ein spezielles Trainingsprogramm an der OTH Regensburg anmelden. Für eine Studie sucht das Team von Prof. Dr. Joachim Grifka, Leiter der Forschungsstelle Orthopädie und Ergonomie, nach Teilnehmern. „Man muss aktiv werden, bevor es schlimm wird“, sagt der Mediziner.
Nicht nur einige Teilnehmer des Regensburg Marathons dürften im Nachgang mit diesen Beschwerden kämpfen: Nach starker Beanspruchung zwickt es im Knie, manchmal werden die Knie heiß oder schwellen an. „Viele Läufer haben Knieprobleme“, sagt Prof. Dr. Sebastian Dendorfer. „Es gibt wohl kaum jemanden, bei dem es nicht mal zwickt beim Laufen.“
Aus diesem Grund jedoch mit der Bewegung aufzuhören, sei der falsche Ansatz, erklärt der Professor für Biomechanik, Muskuloskelettale Simulation und Technische Mechanik der OTH Regensburg. „Wenn wir möglichst lange fit bleiben und gesund altern wollen, brauchen wir das richtige Training.“
Studie an der OTH: Teilnehmer für Knieübungsprogramm gesucht
Ein spezielles Knieübungsprogramm im Rahmen einer Studie bietet nun das Team von Prof. Dr. Joachim Grifka, Leiter der Forschungsstelle Orthopädie und Ergonomie der OTH Regensburg, an. Frauen und Männer ab 18 Jahren, die bereits leichte Schmerzen oder eine geringe Bewegungseinschränkung des Kniegelenkes haben und mit Training eine Funktionsverbesserung, Schmerzreduktion und Kräftigung der Muskulatur erreichen wollen, können sich dafür anmelden. Bei einem ausgesuchten Teil der 200 Teilnehmer wird zusätzlich eine biomechanische Untersuchung durch das Team von Dendorfer durchgeführt.

„Es geht darum, etwas zu unternehmen, bevor das Kniegelenk großen Schaden nimmt“, erklärt Grifka. Laut dem ehemaligen Direktor der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Uni Regensburg im Asklepios Zentrum Bad Abbach müsse man bei Kniebeschwerden in einem frühen Stadium handeln, „bevor eine operative Versorgung notwendig wird“. Wie der Orthopädie-Experte erklärt, werden Knieprothesen in Deutschland besonders häufig eingesetzt. „Die Rede ist von fast 200.000 Eingriffen im Jahr. Damit sind wir Spitzenreiter im europäischen Vergleich.“
Damit es nicht so weit kommt, sei es wichtig, die Muskeln zu kräftigen, zu dehnen und die Koordination zu trainieren. „Natürlich kann man auch mit Hilfe von Youtube-Videos trainieren. Aber häufig handelt es sich dabei um sehr einseitige Bewegungen ohne medizinische Prüfung.“ Das Knieübungsprogramm an der OTH dagegen sei auf der Grundlage aktueller Studien erstellt und basiere auf langjähriger Erfahrung.
Zehn Wochen Training und viele Infos rund ums Knie
Begleitet werden die Teilnehmer während der Studie – angestrebt ist eine Zahl von 200 Probanden „von 18 bis 80 Jahren“ – von Hanna Feichtner, Doktorandin der Medizin. Vor und nach dem Training, das „als Webprogramm zum Eigentraining zu Hause“ zur Verfügung gestellt wird und zehn Wochen dauert, erfolgt eine Eingangs- und Abschlussuntersuchung am Biopark, um den Erfolg beurteilen zu können.

„Die Teilnehmer erhalten aber nicht nur Übungen, mit denen die Muskulatur mobilisiert wird. Sie bekommen auch Wissen rund um das Knie und zu Kniegesundheit vermittelt“, erklärt Feichtner, die den Teilnehmern während des gesamten Zeitraums als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. „Nach sechs Monaten wird es dann noch einmal eine Erhebung geben, um die längerfristigen Effekte zu untersuchen.“
Verbindung von Medizin und Technik
Nach einer Studie zu Hüft- und Rückenbeschwerden, zu der ein Trainingsprogramm mit dem Titel „HüftFit“ gehörte, ist die Kniestudie eine weitere Kooperation an der OTH, die Medizin und Technik, beziehungsweise Orthopädie und Biomechanik, verbindet. „Mit der Forschung, die wir betreiben, wollen wir nicht nur die Wissenschaft voranbringen. Wir möchten auch etwas für die Menschen in der Region tun“, sagt Dendorfer. Probleme mit dem Knie seien weit verbreitet. „Wir wollen das Thema nach draußen bringen – zu den Leuten, die es betrifft.“

Gedacht ist das Übungsprogramm, das in zwei Wochen starten wird, für verschiedene Gruppen, sagt Grifka. „Zum Beispiel leiden jüngere Frauen häufig unter Knieproblemen. Das ist ein Problem der Oberschenkelmuskulatur. Aber auch nach Kreuzbandverletzungen oder aufgrund von Bandschwächen bestehen bei vielen Menschen Instabilitäten. Etwa ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland leidet zudem unter Arthrose. Auch hier beginnen Beschwerden häufig mit einem Zwicken im Kniegelenk.“
Angesprochen fühlen sollen sich allerdings „nicht primär Patienten, sondern jedermann“, so der Mediziner. „Man muss aktiv werden, bevor es schlimm wird.“
Info: Teilnahme an der Kniestudie
• Mitmachen: Teilnehmer für das Knieübungsprogramm können sich bei Hanna Feichtner unter Tel. 0176/37083893 oder per E-Mail an kniestudie.regensburg@outlook.com melden.
• Einschränkung: Es dürfen keine offenen Operationen an einem Kniegelenk durchgeführt worden sein. Arthroskopische Operationen sind zulässig. Das Mindestalter für die Teilnahme ist 18 Jahre, eine Altersbegrenzung nach oben gibt es nicht.