Oberpfälzer entwicklen App, die Patienten Wege spart und das Gesundheitssystem entlastet

Von Franziska Mahler · 29. Mai 2025 um 15:00

Pflegepersonal muss entlastet werden – eine Forderung, die man immer wieder hört. Alexandra Hoyer und Philipp Götz haben mit ihrer App VulnaCurae einen Weg gefunden: Sie ersparen Patienten mit chronischen Wunden den wöchentlichen Gang zum Arzt. Ihre Entwicklung soll zu einer App auf Rezept werden – doch das ist gar nicht so leicht.

„Krankenschwester war eigentlich mein Traumberuf“, sagt Hoyer. Doch gesundheitliche Probleme führten sie aus ihrem Berufsalltag im Krankenhaus in den Hochschul-Hörsaal – zunächst für ein BWL-Studium an die OTH Regensburg und dann für einen Master in Digital Entrepeneurship an die OTH Amberg-Weiden. Hoyer ist auch Wundmanagerin – und weiß, welche Probleme es in der Versorgung von Wundpatienten gibt.

Regelmäßiges Check-up notwendig

In Deutschland gibt es laut dem Bundesverband Medizintechnologie rund 2,7 Millionen Wundversorgungs-Patienten, darunter 900.000 Menschen mit chronischen Wunden, die meist durch Vorerkrankungen wie Diabetes entstehen. Als chronisch bezeichnet man eine Wunde, die nach acht Wochen nicht abheilt. Zu den häufigsten Formen zählt zum Beispiel das offene Bein. Betroffene leiden teils unter starken Schmerzen und sind in ihrer Mobilität eingeschränkt.

Einmal die Woche sollten sie zur Überprüfung in eine Arztpraxis – oder ein ambulanter Pflegedienst kommt vorbei, sagt Hoyer. Das ist ein großer Aufwand für Patient und Praxis. Und wenn ein Patient in die Klinik eingeliefert und eine Wunde entdeckt wird, geht einige Zeit für die Dokumentation drauf. Dabei wisse oft keiner so genau, wie sie eigentlich zuvor behandelt wurde. Die Folge: Doppeluntersuchungen und Mehrfachbehandlungen.

Viel einfacher wäre es also, wenn der Patient – oder Angehörige – die Wunden selbst dokumentieren könnten. Die Daten könnten dann dem Behandlungsteam zur Verfügung gestellt werden und die entscheiden, ob ein Vor-Ort-Termin notwendig ist. „So kann man das Gesundheitssystem ein bisschen entlasten“, sagt Hoyer.

Als Medizinprodukt zertifiziert

Das ist die Idee der App VulnaCurae. Für die Entwicklung ist Philipp Götz zuständig, der an der OTH Amberg-Weiden Industrie-4.0-Informatik studiert hat. Eine erste Version gibt es schon. Im April erfolgte die Zertifizierung als Medizinprodukt der Risikoklasse 1 und künftig wird die App zum Beispiel von Homecare-Unternehmen, also vor allem Firmen, die ambulantes Wundmanagement anbieten, genutzt. Die Wunddokumentation – Zustand, Position, etc. – muss jedoch noch überwiegend manuell vorgenommen werden. Den Bericht kann man dann als pdf-Datei versenden.

Aber die Vision von Medespro geht eigentlich viel weiter: „Die App soll eine digitale Gesundheitsanwendung werden“, sagt Hoyer. Das bedeutet, Ärzte können die App verschreiben und die Krankenkassen tragen die Kosten. Auch soll künftig eine KI die Wunddokumentation übernehmen, indem man einfach ein Foto macht. Die Daten werden dann in der Elektronischen Patientenakte gespeichert und der behandelnde Arzt kann je nach Wundzustand einen persönlichen Termin anordnen. Auch steigere die App durch das Wundwissen, das vermittelt wird, die Gesundheitskompetenz des Patienten, so Hoyer.

Die Idee von Medespro überzeugt

Die Idee von Medespro überzeugt – das zeigt sich auch dadurch, dass das Team bereits zwei Gründungspreise für sich verbuchen konnte. Auch das Interesse von Krankenkassen sei da, sagt Hoyer. Aber: Der Weg hin zu einer digitalen Gesundheitsapp ist nicht leicht. Denn solche Apps auf Rezept zählen zu digitalen CE-gekennzeichneten Medizinprodukten. Sie sollen helfen, Krankheiten zu erkennen, zu lindern oder bei der Diagnosestellung unterstützen. Um ins Verzeichnis aufgenommen zu werden, müssen Prüfungen auf Anforderungen wie Sicherheit, Funktionstauglichkeit, Datenschutz und Datensicherheit beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte durchlaufen werden. Und: Digitale Gesundheitsanwendungen müssen einen medizinischen Nutzen nachweisen – oder im Fall von VulnaCurae eine positive Struktur- und Verfahrensverbesserung.

All die Überprüfungen haben zwar ihren Sinn und sorgen für Patientensicherheit. Der Prozess ist aber auch mit einem enormen bürokratischem Aufwand verbunden und kostet sehr viel Geld, sagt Hoyer. „Die Hürden sind extrem groß. Unsere Hauptzeit ist mit regularischen Anforderungen draufgegangen.“

Auf der Suche nach einer Finanzierung

Für ein Zweierteam ist das nicht leicht. Seit Mai 2023 haben Hoyer und Götz ihre volle Zeit in ihre App VulnaCurae gesteckt. Die Firma dazu – Medespro – haben sie im Januar 2025 gegründet. Aktueller Sitz ist am Biopark. Möglich war die volle Konzentration auf das Unternehmen mithilfe des Accelerator-Programms BioPark Jump, des EXIST-Gründerstipendiums des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz sowie des bayerischen Förderprogramms Flügge. Doch diese Förderungen laufen nun aus: „Wir sind auf der Suche nach einer Finanzierung“, sagt Hoyer.

Aktuell arbeiten die Gründer weiter an ihrer KI – und bleiben optimistisch. „In der Klinik oder im ambulanten Bereich brauchen die Leute 20 Minuten für die Dokumentation. Mit VulnaCurae dauert es weniger als zwei Minuten“, sagt Hoyer. Aktuell ist die App auf Beine und chronische Wunden beschränkt. Aber auch darüber hinaus gibt es Anwendungspotenziale: etwa zur Nachsorge nach einer OP oder auch, um Wunden bei Tieren zu beobachten.

Weitere Infos

• DiGA: Laut dem GKV-Spitzenverband sind mit Stand vom 24. März 2025 69 Digitale Gesundheitsanwendungen auf der Seite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte gelistet, davon 40 dauerhaft und 19 zur Erprobung. Zehn wurden wieder gestrichen. Bislang wurden 226 Anträge gestellt.

• Weitere Infos: Mehr über Medespro und die App VulnaCurae erfahren Interessierte unter www.medespro.de. Unter hello@medespro.de kann man mit den Gründern Kontakt aufnehmen.