Tagelang kein Umsatz trotz guter Lage: Händler in der Regensburger Altstadt gibt auf

Von Philip Hell · 21. November 2025 um 05:00

Seit 17 Jahren verkauft das Ehepaar Schreier in der Oberen Bachgasse Männermode – in ziemlich genau zwölf Monaten soll damit allerdings Schluss sein. Im Gespräch erzählen die Unternehmer, warum ausgerechnet die Regensburger Altstadt für Einzelhändler so ein schwieriges Pflaster geworden ist.

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Ende November 2026 wollen die Schreiers ihren Laden „Gross & Stark“ schließen. Die Filialen in Ulm und Rosenheim soll es noch etwas länger geben. Die Gründe für das Aus sind vielschichtig, sagen die Schreiers. „Die Innenstädte werden untergehen“, warnt Wolfgang Schreier. Das gelte für alle Städte, Regensburg sei seiner Meinung nach allerdings besonders betroffen. „Allein schon, weil der Kaufhof weg ist.“ Dadurch fehle ein Magnet.

Dazu komme, dass viele Einzelhändler alt seien – und sich das Geschäft schlicht nicht mehr lohne. „Ich habe keine Lust mehr.“ Das Ehepaar habe sich selbst das Gehalt gesenkt. „Wenn Sie wüssten, für wie wenig Geld wir arbeiten...“ Er kenne einige Unternehmer, denen es so geht. „Wir arbeiten für ein Butterbrot.“

Parkplätze und Einkaufszentren: Die Leiden eines Regensburger Altstadthändlers

Eine weitere Regensburger Besonderheit, merkt Rosi Schreier an, seien die beiden Einkaufszentren: die Arcaden am Bahnhof und das DEZ im Norden. „Das zieht natürlich Kaufkraft aus der Innenstadt.“ Dazu komme ein Parkplatzproblem. „Die Kunden werden auch älter, sie müssen aber auch durch die ganze Altstadt laufen.“ Wer direkt vor dem Laden in der Oberen Bachgasse parke, bekomme sofort einen Strafzettel. Sinnvoll wären in ihren Augen Kurzzeitparkplätze in der Nähe der Geschäfte.

Wolfgang Schreier suchte das Gespräch mit den Stadtoberen, er hatte allerdings nicht das Gefühl, gehört zu werden. „Die Stadt könnte mal was für uns tun, tut sie aber nicht.“ Dabei fehlten dem Stadtsäckel auch Einnahmen, wenn ein Geschäft aufgibt. „Irgendwann haben sie ein Problem, wenn wir weg sind.“ Politisch werde man nicht beachtet, sagt Schreier. „Man nimmt so hin, dass die Innenstädte kaputt gehen.“ Ihre Erfahrung: „Die Menschen kommen immer weniger in die Städte.“ Der klassische Bummel falle immer öfter aus. „Das ist ja eigentlich das Traurige“, sagt Rosa Schreier.

Ihr Mann hätte da allerdings eine Idee: „Eine Art gemischtes Kaufhaus, das ein echter Anziehungspunkt ist. Mit einem schönen Restaurant.“ Also in etwa das, was die Stadt auch mit dem Ex-Kaufhof vor hätte, würde sie ihn denn kaufen. Schreier hat noch einen Vorschlag: Eine Kunde geht nach einem Stadtbummel mit beispielsweise einem Besuch in mehreren Geschäften und einem Wirtshaus zu einer städtischen Einrichtung und bekommt zehn Prozent seines Einkaufs als Gutschein für die Altstadt wieder.

Corona, Online-Handel und Verunsicherung: Regensburger Geschäftsmann gibt auf

Die Gründe für das Aus liegen freilich nicht nur bei der Stadt Regensburg. „Seit Corona geht es abwärts“, sagt Wolfgang Schreier. „Die Leute haben einfach weniger Geld zur Verfügung. Sie sind verunsichert“, ergänzt seine Frau. Lebensmittelpreise, Energiekosten – alles werde teurer. „Früher hat man gekauft, was einem gefallen hat. Heute kauft man nur noch, was man wirklich braucht.“ Dazu komme der Online-Handel. Die Menschen kämen in den Laden, um sich beraten zu lassen, kauften dann aber im Internet. Eine eigene Webpräsenz aufzubauen sei dagegen schwierig, dafür sei man schlicht zu klein.

All das habe nun zur Entscheidung geführt, den Laden in einem Jahr dichtzumachen. Ausschlaggebend für Wolfgang Schreier war ein Blick auf die Zahlen vor einigen Wochen. Im Oktober habe die Filiale in Regensburg an vier Tagen null Euro Umsatz gemacht. Es kam also kein einziger zahlender Kunde. „Ich dachte, ich bin bescheuert.“

Seit Corona geht es abwärts.Wolfgang Schreier, Altstadthändler

Dabei seien die 17 Jahre in der Oberen Bachgasse sehr schön gewesen. Mit den Nachbarn sei man sehr gut ausgekommen, es seien sogar Freundschaften entstanden. „Der Harry, der ist sensationell“, sagt Schreier und deutet durch die Scheibe auf den gegenüberliegenden Trekkingladen, vor dem sich Besagter gerade sonnt. Harry Gröger ist Inhaber des Geschäfts vis-a-vis. „Es war eine nette Gemeinschaft.“ Dazu komme die langjährige Angestellte des Ehepaars. Ein echtes Altstadt-Original, sagt Rosi Schreier. Mit ein Grund, warum sich das Geschäft so lange behaupten konnte, sagt die Unternehmerin.

Bis Ende November 2026 hat der Laden geöffnet, bis dahin wolle man die Ware abverkaufen, aber nicht verramschen, sagt das Ehepaar Schreier. Und dann werden sie Regensburg verlassen. Einerseits froh, weil die Anstrengung wegfällt. Andererseits traurig, weil ihnen die Filiale viel bedeutet hat. „Es ist schade, dass es zu Ende geht“, sagt Wolfgang Schreier.