Wie kommt trotz Riesen-Leerstand mehr Leben in die Regensburger Altstadt?

Von Juliana Ried · 27. Oktober 2025 um 05:00

Die Stadt Regensburg will mit einem florierenden Marktgeschehen Passanten anlocken. Aber schon die vorhandenen Stände neben dem ehemaligen Galeria-Gebäude auf dem Neupfarrplatz kämpfen.

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Sogar am Freitag, eigentlich ein starker Markttag, gibt das Geschehen am Neupfarrplatz ein eher trauriges Bild ab. Zwar stehen Leute an beim Metzgerwagen und neben dem Gemüse- und dem Brotstand gibt es auch Käse. Drei der Buden mit den Dächern im Regensburger Rot-Weiß allerdings sind verrammelt, am Blumenstand hängt ein „Zu verkaufen“-Schild – nicht einmal ein Jahr, nachdem sich eine neue Betreiberfamilie fand. Eigentlich will die Stadt das Markttreiben im Zentrum stärken, das versichert sie auch in einem neuen Konzept.

Doch sie tut sich schon schwer damit, das am Leben zu halten, was es bereits gibt. Die Besitzer des Blumenstandes sind in diesem Jahr nicht die Ersten am Neupfarrplatz, die aufgeben. Mahmoud Somai, der die Bude mit seiner Frau und seiner Schwester neben seiner Reinigungsfirma betreibt, erklärt: „Wir haben gedacht, wir kriegen alles unter einen Hut, aber das ist nicht so.“ Blumen gebe es auch im Supermarkt und bei Händlern in der Nähe, da sei der Umsatz zu gering gewesen, um eine Floristin zu beschäftigen. „Wenn man sich selber reinstellt, würde das schon funktionieren“, sagt Somai, der gerade mit Interessenten für die Bude verhandelt. Seine Familie jedenfalls wolle 2026 keine Blumen mehr hier verkaufen.

Riesen-Leerstand nebenan

Zu Ostern 2025 kam Käsehändler Andreas Netter auf den Markt. Er sagt: „Es ist schwierig.“ Es gebe „sehr wenig Frequenz“. „Natürlich merkt man, dass die Galeria nicht mehr da ist“, sagt seine Frau, auch Parkplätze in der Nähe fehlten. Der Käsehändler erzählt, er führe auf dem Neupfarrplatz zwar nette Gespräche mit amerikanischen Touristen, mache aber 70 Prozent weniger Umsatz als in Köfering und 55 Prozent weniger als in Kumpfmühl, wo er seit ein paar Monaten mittwochs ist. Am Neupfarrplatz halte er durch, „um Stabilität reinzubringen“ an dem Standort. Nun hoffe er, dass ihm der Christkindlmarkt ein gutes Weihnachtsgeschäft beschert.

Andreas und Edeltraud Netter halten am Käsestand die Stellung. - Foto: Tino Lex

Marktmeister Reinhard Kellner erklärte zuletzt wiederholt den Stadträten des Verwaltungsausschusses, die Umsätze der Beschicker der Märkte litten generell unter dem Trend zum schnellen Einkauf beim Discounter. Am Neupfarrplatz allerdings komme ein „schwieriges geschäftliches Umfeld“ dazu, so steht es auch im Marktkonzept. „Die Sachbeschädigungen am Platz, an der Neupfarrkirche, an den Marktbuden und der Infrastruktur durch Vandalismus und Graffiti, die Verschmutzungen, der hinterlassene Müll schrecken mitunter auch potenzielle Beschicker ab“, heißt es dort. „Zudem mindert auch der zunehmende Leerstand angrenzender Geschäftseinheiten und deren zunehmend sichtbarer Verfall die Attraktivität des Platzes für Besucherinnen und Besucher.“

Trotzdem bemühten sich die Verantwortlichen ständig um neue Beschicker für den Markt am Neupfarrplatz, den sie „Viktualienmarkt“ nennen, weil er von montags bis samstags bespielt wird. Wünschenswert wäre es aus ihrer Sicht, „dass außerhalb der Christkindlmarktzeit einmal im Monat ein Spezialmarkt für Lebensmittel aus anderen Regionen Deutschlands oder aus anderen Ländern stattfindet“.

Dilly-Dally in der Altstadt?

Zudem sei geplant, ab Anfang 2026 „für Neueinsteiger, die sich als Marktbeschicker versuchen möchten, für eine befristete Zeit eine städtische Bude am Neupfarrplatz gegen eine angemessene Gebühr bereitzustellen“. Das könnte auch für etablierte Geschäftsinhaber, die neue Produkte ausprobieren möchten, interessant sein, oder für Online-Händler.

Die Stadt setzt in Sachen Innenstadt-Belebung auch Hoffnung auf Spezialmärkte, die derzeit etwa im Marina-Forum im Stadtosten oder in der RT-Halle am Oberen Wöhrd stattfinden. „Es könnte in beiderseitigem Interesse liegen, diese Veranstaltungen in die Innenstadt zu locken“, ist im Marktkonzept zu lesen, und zwar in leerstehende Geschäftseinheiten. Über die Schwierigkeiten, die mit solchen Zwischennutzungen verbunden sind, verliert das Papier kein Wort.

Der DillyDally Designmarkt mischt Regensburg auf

Erfahrungen damit hat Tanja Jackwerth, deren Dilly-Dally-Markt in der RT-Halle auch an diesem Wochenende wieder Tausende Besucher anzog. Sie sagt: „Wir haben das jahrelang versucht.“ Aber während es ihnen in Amberg oder Straubing gelungen sei, an Leerstände zu kommen, seien sie in Regensburg immer an Barrieren gestoßen. Den Immobilieneigentümern sei es zu aufwendig, für nur zwei Tage Miete etwa die Stromversorgung zu reaktivieren. Dennoch sagt sie immer noch: „Wir wären total gerne in der Innenstadt.“