Wie soll die Kirche sein? Regensburger Stadtdekan lädt Ausgetretene zum Dialog

Von Philip Hell · 18. November 2025 um 11:00

Roman Gerl und sein Team möchten einen ehrlichen Blick auf die Kirche werfen. Die zentrale Frage: Was kann man tun, um der Kirche ein menschliches Gesicht zu geben?

Es ist ein neuer Weg des Dialogs, den der Stadtpfarrer Roman Gerl einschlagen will. Der Fachstellenleiter der Innenstadtseelsorge will mit Menschen ins Gespräch kommen, die kürzlich die Kirche verlassen haben.

Das soll am 25. November im Rahmen von „Gib der Kirche dein Gesicht“ im Emmeramforum geschehen. Im Kern gehe es um einen ehrlichen Blick auf die Kirche, erläutert Gerl. Man wolle das Thema ganz weit fassen. „Kirche ist eine Gemeinschaft von Menschen, die gemeinsam versuchen, die Wirklichkeit in der Welt zu ergründen.“ Es gehe an diesem Abend auch um den Bezug von Menschen zur Kirche, und damit auch um Risse im Verhältnis von Einzelnen zur Institution.

Brief an Ausgetretene

Vor wenigen Tagen habe er gemeinsam mit seinem Team einen Brief an die Menschen verschickt, die der Kirche seit Anfang 2024 den Rücken gekehrt haben. „Wir möchten versuchen, noch einmal Anknüpfungsmomente zu schaffen.“ Es handele sich allerdings nicht um eine Rückholaktion, betont Gerl. „Es soll eine Einladung zum Dialog sein.“

Die Menschen sollen erzählen, warum sie ausgetreten sind. „Unsere Hoffnung ist: Vielleicht ist der Ofen in Bezug auf die Kirche noch nicht ganz aus. Vielleicht glimmt noch irgendwo ein kleines Glutnest.“ Man wolle den Menschen ernst nehmen, auch und gerade die, die ausgetreten sind. „Wir wollen nicht autoritär, sondern einladend zeigen, wie wir, hier in der Innenstadt von Regensburg, Kirche leben.“ Der Abend stehe auch unter dem Motto „Kirche ist, wer du bist.“ Es gehe darum, Möglichkeiten des Mitwirkens zu schaffen. „Wir möchten Brücken bauen.“

Wir möchten Brücken bauen.Roman Gerl, Stadtdekan

Dabei möchte sich Gerl keinesfalls Fantastereien hingeben. „Es geht um Träume, aber um welche, die man auch wirklich umsetzen kann.“ Man wolle niemanden aus der Kirche drängen, nur weil der Lebensentwurf nicht passe, betont der Stadtpfarrer. „Nur wenn wir unterschiedliche Stimmen zulassen, wenn wir nicht zulassen, dass sie untergehen im Lärm der Welt, kann sich die Kirche ändern.“ Man müsse die Kirche nicht neu erfinden – aber man könne nicht weitermachen, wie bisher. „Wir wollen genau hinschauen: Wo muss man etwas ändern?“ Dabei gehe es auch um neue Formen der Kirche.

Für den Abend am 25. November gebe es ein klares Zeitfenster: „Von 19 bis 21 Uhr“, sagt Gerl. „Wir möchten die Dinge ja nicht zerreden.“ Sollte aber noch Redebedarf bestehen, werde man das Format fortsetzen, kündigt Gerl an.

So sieht der Abend aus

Ihm gehe es nicht darum, die Geschichte unter den Tisch zu kehren, sagt Gerl. „Wir wissen: Es hat sehr viel unseliges gegeben in der Kirche.“ Man wolle Vertrauen erarbeiten. Der Dienstagabend am 25. November soll gewissermaßen beides sein: Bestandsaufnahme – und Ausblick.

Wie der Abend aussehen wird? „Wir lassen uns überraschen“, sagt Stadtpfarrer Roman Gerl. Zumindest die Rahmenbedingungen sind gesetzt: Im Emmeramforum wird eine Band spielen und es gibt einen kleinen Stehempfang. Im Saal des Gebäudes ist eine Art Kinobestuhlung aufgebaut, sagt Gerl. Es soll aber auch kleine Gruppen an Tischen geben. „Da kommen die Leute besser ins Gespräch.“