Kreuzfahrtschiffe in Regensburg: Der Bayernhafen übernimmt

Das Regensburger Stadtwerk muss die Anlegestellen an der Donau abgeben. Anwohner klagen über die Schattenseiten der vielen Schiffsankünften – und hoffen, dass die Lage besser wird.
Je mehr Kreuzfahrtschiffe an der Donaulände liegen, umso heftiger geht es zu auf dem Uferweg: Taxen, Busse und andere Fahrzeuge, die die Schiffe ansteuern, sind auf der Einbahnstraße unterwegs, oft deutlich zu schnell und häufig auch in der falschen Richtung, so schildern es Anwohner. Immer wieder gibt es Beschwerden zu den Schattenseiten der vielen Schiffsanlandungen.
Ihr Adressat war bisher die Stadt beziehungsweise das Stadtwerk. Nun übernimmt der Bayernhafen die Lände für Kabinenschiffe von der Stadttochter. Wird jetzt vieles besser?
Zwischenzeitlich registrierte die Stadt mehr als 1000 Anlandungen, 2024 waren es nach dem corona-bedingten Einbruch 842, so erklärt es die Stadtverwaltung den Stadträten des Verwaltungsausschusses. Sie werden an diesem Donnerstag über die Übergabe der Personenschifffahrtslände zwischen Donaumarkt und Nibelungenbrücke an den Bayernhafen zum 1. Januar 2026 informiert.
Mietvertrag zwischen Stadt und Hafen wurde aufgelöst
Der entsprechende Mietvertrag zwischen der Stadt und dem Bayernhafen, dem der Grund am Donauufer gehört, sei einvernehmlich zum 31. Dezember 2025 aufgelöst worden, steht in der Beschlussvorlage. Der Bayernhafen, der 2024/2025 bereits zwei eigene Liegeplätze für Kabinenschiffe realisierte, wolle nun das Management der Lände „nach dem Vorbild anderer Unternehmensstandorte im Freistaat“ selbst übernehmen.

Marcus Spangenberg wohnt nur wenige Schritte vom Ufer entfernt. Der Anwohner erzählt: „Der Verkehr hat zugenommen und die Fahrzeuge sind umso rasanter unterwegs, je mehr die Donaulände ausgebaut wurde.“ Das Verhalten von Fahrern der Taxen und Busse sei „zum Teil grenzwertig“. „Es ist erschreckend, wie wenig Rücksicht auf Spaziergänger und auf Kinder genommen wird.“ Dabei gilt auf dem Privatweg eigentlich Schrittgeschwindigkeit, so ist es auf einem Schild des städtischen Liegenschaftsamts zu lesen. Der Bayernhafen bittet ein paar Schritte weiter um „Rücksicht auf andere“ im verkehrsberuhigten Bereich. Spangenberg sagt: Die Schrift sei viel zu klein, als dass ein Auto- oder Busfahrer das lesen könne. Er hoffe, dass die Situation am Ufer durch geeignete Beschilderung entzerrt werden könne.
Josef Zimmermann, der weiter östlich in Ufernähe wohnt und ein Unternehmen führt, bringt als CSU-Stadtrat immer wieder Kritik von Anwohnern im Planungsausschuss vor. Dazu gehören auch Klagen aus dem Marina-Quartier, dass sich durch die enge Babostraße zu viele Touristenbusse zwängten. Zimmermann wirft dem Stadtwerk vor, die Verkehre „nicht im Griff zu haben“, sie gehörten geordnet. Zudem sei die Stromversorgung zum Teil kaputt und auch zu schwach, was dazu führe, dass immer wieder Schiffe ihre Dieselgeneratoren laufen lassen.
Dem Stadtwerk entgeht Umsatz
Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk versichert, die Infrastruktur, in die im Übrigen die Stadt investiert habe, sei grundsätzlich „in gutem Zustand“. Er sagt: „Etwaige Ausfälle waren nie von langer Dauer.“ Die verkehrliche Situation sei bei einem so innenstadtnahen Standort „nicht einfach“. „Dementsprechend ist es dem Einsatz der Kolleginnen und Kollegen vor Ort zu verdanken, dass die Verkehre dort einigermaßen störungsfrei ablaufen.“ Gegen Kritik am Lände-Management wehre sich das Unternehmen deshalb entschieden. Für das Stadtwerk bricht mit der Personenschifffahrt ein Umsatzbringer weg. 2024 lagen die Umsatzerlöse bei 1,7 Millionen Euro. Mit Blick darauf sei der Übergang „bedauerlich“, so Gottschalk, der auch anklingen lässt, dass damit dem Stadtwerk andererseits wohl auch Ärger erspart bleibt. Es gelte insgesamt zu beachten, „dass die Personenschifffahrt ein stark polarisierendes Thema ist, das auch mit Kritik behaftet ist“.
Bayernhafen-Sprecherin Karin Moro äußert sich nicht zu den Beschwerden. Sie betont: Der Bayernhafen betreibe auch an anderen seiner Standorte die Anlegestellen für Flusskreuzfahrtschiffe und verfüge insofern über die entsprechende Erfahrung. Für Regensburg gelte: „Durch das Management aller Anlegestellen an der Donaulände aus einer Hand wird eine Koordination ermöglicht und Kunden profitieren von einem Ansprechpartner.“ Bereits in diesem Jahr habe der Bayernhafen in neue Poller für Hotelschiffe auch oberhalb der Nibelungenbrücke und in eine ansprechende Gestaltung des Uferwegs investiert. „Gegebenenfalls werden die bestehenden Energieterminals oberhalb der Nibelungenbrücke noch an den heutigen Bedarf der Flusskreuzfahrtschiffe angepasst“, so Moro. Prinzipiell gehe der Bayernhafen davon aus, „dass das Geschäft stabil bleibt“.
Die Lände
Anleger: Die städtische Personenschifffahrtslände gibt es seit 1993. Sie besteht aus einem Anleger für Ausflugsschiffe und für Kabinenschiffe bis 110 Meter auf städtischem Grund sowie acht Anlegestellen für Kabinenschiffe auf Hafenareal.
Bedeutung: Aus Sicht von Regensburg Tourismus hat die Personenschifffahrt „wesentliche Bedeutung“, sowohl als Angebot für Gäste als auch als Wirtschaftsfaktor für die Stadt.