Hafen macht Uferweg in Regensburg zum Hindernisparcours für Radler

Von Rainer Wendl · 15. April 2025 um 09:00

Die neu asphaltierte Uferstraße an der Donaulände sorgt für Kopfschütteln bei vielen Regensburgern. Grund dafür ist eine sehr spezielle Form der Geschwindigkeitskontrolle seitens des Hafens, dem Eigentümer des Grundstücks.

Eine saubere, ebenmäßige Verbindung vom Donaumarkt zum Bereich Westhafen/Marina-Quartier: Das war das Versprechen, das mit der neuen Asphaltierung der Uferstraße entlang der Donaulände verbunden war. Als am Wochenende die Baustelle pausierte, nahmen zahlreiche Fußgänger und Radfahrer den fast fertigen Weg schon einmal in Beschlag – und wunderten sich darüber, dass dieser nun von zwei massiven, gepflasterten Regenrinnen gequert wird.

Diese dienen vordergründig der Entwässerung. Vor allem aber wird dadurch der Komfort der Trasse für viele Nutzer eingeschränkt. Mit voller Absicht, wie die Hafenverwaltung als Eigentümer des Bereichs und Bauherr der Straße auf Nachfrage erklärt: „Die gemeinsame Nutzung der Donaupromenade erfordert gegenseitige Rücksichtnahme von allen Seiten. Bei den Querrinnen am Uferweg handelt es sich um Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduktion für Fahrzeuge aller Art in diesem verkehrsberuhigten Bereich.“

Unterwegs sind hier ausschließlich Taxis, Reisebusse, Müllautos und vor allem Fahrräder. Die neuen Rinnen sind so tief, dass unabhängig von der Fahrzeuggattung nahezu auf null heruntergebremst werden muss. Das Ziel der Maßnahme scheint damit erreicht.

Sturz beim Fototermin

Doch ist das Mittel der Wahl auch das richtige? Julia Schruff bezweifelt dies. „Bei Taxis und Bussen habe ich noch nie beobachtet, dass die hier zu schnell fahren“, sagt die Regensburgerin, die als Gästeführerin für Kreuzfahrt-Touristen die Situation vor Ort aus dem Effeff kennt. Auch die Radler sieht sie nicht als notorische Temposünder: „Wenn eine Reisegruppe vom Schiff heruntergeht, wird es oft sehr eng. Aber das ist halt ein Platzproblem, da können ja die Radfahrer nichts dafür.“

Also stellt sich die Frage, ob die eigentlich zur Mehrung der Sicherheit gedachten Rinnen in Wahrheit nicht ein Sicherheitsrisiko sind. In Bezug auf die amerikanischen Kreuzfahrer, die oft betagt und wacklig auf den Beinen sind, befürchtet Julia Schruff dies. „Die muss ich künftig extra warnen, die fallen ja schon auf dem geraden Weg oft genug hin.“ Für Radler, da ist sie sich sicher, sind die Bremsmulden definitiv ein Gefahrenpunkt: „Die sind zum einen fast unsichtbar, vor allem bei Dunkelheit, und zum anderen schwer passierbar“, sagt sie und verweist auch auf die vielen Eltern, die ihre Kinder auf dem Uferweg mit dem Lastenrad zum nahen Altstadt-Kindergarten bringen. Das kleine Vorderrad eines Lastenrads unfallfrei durch die tiefe Rinne zu manövrieren, beschreibt sie als Herausforderung. Wenn sie selbst mit ihrem Fahrradanhänger unterwegs ist, schiebt Schruff künftig lieber.

Beim Fotografieren dieser Situation kam es am Montagmittag binnen weniger Minuten zu zwei „Beweisen“ für die Gefährlichkeit. „Was haben die sich nur dabei gedacht? Wenigstens ein Warnschild müsste man da doch aufstellen“, schimpfte eine ältere Radlerin beim umständlichen Umfahren der Rinne. Eine Radtouristin aus der Pfalz war ein paar Momente zuvor von der Vertiefung derart überrascht, dass sie stürzte.

Der ADFC ist sauer, die Stadt will prüfen

„Das ist allerhand, natürlich ist das gefährlich“, lautete am Montag die Reaktion von Klaus Wörle, Geschäftsführer vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Regensburg. „Aber das kennt man vom Hafen seit Jahrzehnten. Da ist null Verständnis für die Belange des Radverkehrs.“ Als Beispiel nennt Wörle die seit Ewigkeiten ins Leere laufenden Bemühungen, eine für Radler sichere Verbindung durchs Hafengebiet zur Schwabelweiser Eisenbahnbrücke zu etablieren. Die Hafenverwaltung fordere von Stadt und Stadtgesellschaft stets Rücksichtnahme auf ihren Betrieb, stellt der ADFC-Mann weiter fest. In umgekehrter Richtung komme aber kaum etwas.

Die Stadt verweist ebenfalls auf die Tatsache, dass das Grundstück dem Hafen gehöre und er allein für die Maßnahme verantwortlich sei. Gleichwohl sei die Donaulände ein von vielen gern genutzter Weg und auch Bestandteil einer Hauptradroute. Daher kündigte die Pressestelle an: „Die Stadt wird auf den Hafen zugehen, um die Situation zu prüfen.“

KOMMENTAR: Ganz sicher unsicher

Gut gemeint, extrem schlecht gemacht. Beim ehrenwerten Bestreben, den Verkehr auf der frisch asphaltierten Uferstraße an der Donaupromenade sicher zu machen, ist der Hafen deutlich übers Ziel hinausgeschossen und hat damit das genaue Gegenteil erreicht. Denn die beiden tiefen Rinnen, die sich urplötzlich auf der sonst brettlebenen Trasse auftun, sind eine Gefahr für Mensch und Material. Wer hier in Normalgeschwindigkeit dahinradelt und noch nichts von neuen Bremsmulden weiß, hat danach wahlweise einen „Achter“ im Vorderreifen, ein geprelltes Steißbein oder beides. Mit ein bisschen Pech steigt er auf unsanfte Weise ab, ernsthafte Verletzungsgefahr und demoliertes Fahrrad inklusive. Wer nach einer aussagekräftigen Bebilderung für das Sprichwort „Das Kind mit dem Bade ausschütten“ sucht, muss sich einfach nur diese Straße anschauen.