Neue Sorge wegen der Sallerner Regenbrücke: Würde sie den Stadtnorden zerschneiden?

Von Heike Haala · 19. November 2025 um 16:53

Diese Simulationen verfehlten ihre Wirkung nicht: Das Team, das mit den Teilprojekten um die geplante Sallerner Regenbrücke im Regensburger Norden betraut ist, wartete kürzlich im Aurelium mit neuen Bildern dazu auf, was da im Stadtnorden für den Verkehr geplant ist. Während damals aber kaum Gegenwind spürbar war, regt der sich nun beim Verein „Kultur am Regen“.

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Die etwa 30 Mitglieder aus Reinhausen haben sich dem Bündnis „Mobilität neu denken – ohne Sallerner Regenbrücke“ angeschlossen, das derzeit Unterschriften sammelt, um einen Bürgerentscheid gegen das Verkehrsprojekt zu erreichen. Nun veröffentlichten sie ein Positionspapier. Darin wiederholen sie Sorgen, die aus den Reihen des Bündnisses bekannt sind, und nehmen die Konsequenzen für ihren Stadtteil in den Fokus.

Lärm, Dreck, Zerstörung

Etwa bemängeln sie in dem Schreiben, dass keine effektive Verkehrsberuhigung für Sallern geplant sei und der Verkehr aus Regenstauf, Zeitlarn und Ödenthal sowie von der Bundesstraße 16 weiterhin durch die Ambergerstraße auf die Nordgaustraße fließen werde. Weiterhin befürchten sie zusätzliche Feinstaubbelastung für Sallern, die Zerstörung der Regenauen als Naherholungsgebiet sowie deren Wirkung als Kaltluftschneise durch die Brücke und ihre Lärmschutzwände oder, dass Reinhausen durch die Einhausung eingemauert und sogar zerschnitten werden könnte.

Die Mitglieder des Vereins "Kultur am Regen" stehen auf der Reinhausner Brücke. Weniger 100 Meter weiter nördlich soll sich in einigen Jahren die Sallerner Regenbrücke über den Fluss schwingen. - Foto: Heike Haala

Johannes Maidorn, der mit der Projektkommunikation im Auftrag des Staatlichen Bauamts und der Stadt betraut ist, verteidigt die Pläne gegen diese Kritik. Ja, der Neubau der Sallerner Regenbrücke werde zu einer wahrnehmbaren Änderung des Landschaftsbildes im Regental führen. Allerdings sagt er auch, dass die Planungen die Belange des Naherholungsgebietes am Regenufer berücksichtigen – etwa durch Lärmschutz. Zudem erklärt Maidorn, dass die Grenzwerte weder erreicht noch überschritten werden sollen. Dies gelte auch für den Feinstaub. Die Brücke ist laut Maidorn zudem so geplant, dass der Talraum maximal freigehalten werde und der Erholungsraum begehbar bleibe.

Die Stadtteile Reinhausen südlich der Nordgaustraße sowie Sallern-Gallingkofen und Konradsiedlung-Wutzlhofen nördlich der Nordgaustraße werden miteinander verbundenJohannes Maidorn, ist mit der Projektkommunikation im Auftrag des Staatlichen Bauamts und der Stadt betraut

Der Lärmschutz in Sallern wird seiner Auskunft zufolge sogar verbessert. Maidorn vergleicht die Einhausung mit dem Prüfeninger Autobahn-Tunnel und bezeichnet sie als Chance einer Stadtreparatur. „Die Stadtteile Reinhausen südlich der Nordgaustraße sowie Sallern-Gallingkofen und Konradsiedlung-Wutzlhofen nördlich der Nordgaustraße werden miteinander verbunden“, erklärt er weiter. Die auf dem Deckel gewonnene Fläche werde parkähnlich angelegt und lade zum Verweilen ein.

Zum Durchgangsverkehr aus dem Norden am östlichen Regenufer, der nach den Befürchtungen des Vereins bestehen bleiben könnte, sagt er: „Die Nordspange stellt insbesondere für Verkehrsteilnehmende, die aus Zeitlarn, über die B 16 oder die Chamer Straße ins Regensburger Zentrum möchten, eine wesentlich leistungsfähigere Alternative zur Verfügung, als es die bisherige Verbindung über Amberger Straße und zweispurige Nordgaustraße ist.“

Die Mitglieder von Kultur am Regen sähen lieber etwas anderes verwirklicht. Sie bringen eine Alternativroute ins Spiel. Alois Zorzi schlägt vor, die B16 stattdessen von drei auf vier Spuren zu erweitern und den Verkehr damit auf die Pilsen Allee zu lenken, die in seinen Augen vierspurig ausgebaut werden müsste. So könnten die Autos weiter zum Odessa-Ring in Richtung Autobahn A3, Landshuter Straße und in die Walhalla-Allee geleitet werden.

Als er bei uns war, hat es sich für mich so angehört, als würde er uns verstehen. Und dann stellt er sich mit den Befürwortern aufs FotoAlois Zorzi, vom Verein „Kultur am Regen“ über SPD-OB Kandidat Dr. Thomas Burger

Maidorn kann dem Vorschlag nichts abgewinnen: Diese Alternative sei in früheren Phasen der Planung geprüft, in Form von Einwendungen in das Planfeststellungsverfahren eingebracht und von der Regierung der Oberpfalz zurückgewiesen worden – weil sich die aktuellen Pläne laut Maidorns Informationen als die objektiv beste Wahl herauskristallisiert haben. Als Gründe zählt er auf: Die Verkehrsführung über die B16 und die Pilsen Allee würde keine Verbesserung der Verkehrssituation bringen. Zudem sei die Pilsen-Allee zu Berufsverkehrszeiten bereits heute überlastet. „Ein weiterer Ausbau oder eine Umleitung würde diese Probleme verstärken, statt lösen“, sagt Maidorn.

Nur eine Lösung vor Augen

Auch werde die Pilsen-Allee vor allem von Verkehrsteilnehmern genutzt, die Arbeitsplätze und Gewerbestandorte im Stadtosten zum Ziel haben und bediene damit andere Verkehrsbedürfnisse als Regenbrücke, Kreisel & Co. Erst diese Projekte werden in den Augen der Bauherren für Entlastung sorgen.

Bei den Mitgliedern des Vereins in Reinhausen bleibt derweil Enttäuschung zurück: Enttäuschung über die Stadt, die ihrer Meinung nach die gleichen Bausünden wie in den 1960er Jahren ein paar Hundert Meter nördlich der in ihren Augen mit vier Spuren völlig überdimensionierten Donaustaufer Straße heute noch einmal begehen will. Enttäuschung, weil sie sich von der Information abgeschnitten fühlen, obwohl ihr Stadtteil für sie der am meisten von der Baumaßnahme betroffene ist. Und Enttäuschung über den OB-Kandidaten der SPD, Dr. Thomas Burger. „Als er bei uns war, hat es sich für mich so angehört, als würde er uns verstehen. Und dann stellt er sich mit den Befürwortern aufs Foto“, sagt Zorzi.