Keine Fälle von Vogelgrippe im Landkreis Schwandorf – Ist die Weihnachtsgans dennoch in Gefahr?

Von Vanessa Ebert · 19. November 2025 um 19:00

Für viele gehört die Weihnachtsgans zu einem gelungenen Fest einfach dazu. Nachdem die Fälle von Vogelgrippe inzwischen auch in Bayern ansteigen, wächst die Verunsicherung. Im Landkreis Schwandorf ist der gefürchtete Virus noch nicht angekommen, doch wer schon den Menüplan für die Feiertage plant, der fragt sich: Ist die Weihnachtsgans in diesem Jahr in Gefahr? Und was ist mit dem Frühstücksei, kommt es auch derzeit noch von freilaufenden Hühnern? Die MZ hat nachgefragt.

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Die große Schar stattlicher Gänse prägt seit Jahren um diese Zeit das Ortsbild von Deiselkühn. Das ist auch aktuell nicht anders. Die Tiere des Geflügelhofs Messmann schnattern wie gewohnt auf den Wiesen, streifen in Grüppchen umher und begutachten neugierig alle, die sich dem eingezäunten Gebiet nähern. Vorsichtsmaßnahmen hat Geflügelwirt Mathias Messmann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht angedacht.

Auch die Enten dürfen ins Freie, doch bei Wind und Regen ist der Stall für die noch jungen Tiere die bessere Wahl. - Foto: Vanessa Ebert

Tiere dürfen auf die Wiese

„Ich bin Realist“, sagt er. „Wie es kommt, so kommt es.“ Konkret heißt das, dass Messmann einen Plan in der Schublade hat, falls im Landkreis ein Fall von Vogelgrippe auftritt. Dann könne der Auslauf verkleinert oder im schlimmsten Fall auf die reine Stallhaltung umgestellt werden. Das will der Geflügelwirt aber vermeiden, so lange es möglich ist. Für seine derzeit etwa 550 Gänse und 400 Enten bedeutet das: Sie müssen derzeit noch nicht auf ihren gewohnten Auslauf unter freiem Himmel verzichten.

Das Tierwohl und die artgerechte Haltung haben im Betrieb der Familie Messmann einen hohen Stellenwert. „Menschen tut es nicht gut, wenn sie auf zu engem Raum zusammenleben, bei Tieren ist das nicht anders“, ist die Überzeugung der Geflügelzüchter.

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Wenn alles weiterhin nach Plan läuft, dann dürfen die Tiere ihre Freiheit noch ein wenig genießen. Vom 17. bis 19. Dezember werden die Gänse geschlachtet, die traditionell für das Weihnachtsessen auf den Tisch kommen. Viele Gänse sind laut Messmann bereits für das Fest vorbestellt. Aber auch an jedem anderen Wochenende wird direkt im Betrieb geschlachtet, die Gänse und Enten können daher auch zu einem anderen Zeitpunkt noch bis Dezember aus dem Hofladen erworben werden.

Es kommt immer öfter vor, dass Kunden bereits jetzt ihre Gans abholen und selbst bis zum Fest einfrieren.Mathias Messmann, Geflügelwirt

Die Vogelgrippe begleite die Landwirte nicht erst seit gestern. Immer wieder habe es in der Vergangenheit derartige Situationen gegeben. „Damit lernt man umzugehen“, sagt Messmann.

Bei seinen Kunden jedoch sei durchaus eine Verunsicherung zu spüren. Eine sinkende Nachfrage spürt der Geflügelwirt zwar nicht, ein verändertes Einkaufsverhalten seiner Kundschaft dagegen schon. „Es kommt immer öfter vor, dass Kunden bereits jetzt ihre Gans abholen und selbst bis zum Fest einfrieren“, erzählt Messmann. Früher sei dagegen meist der Wunsch geäußert worden, die Gans so frisch wie möglich abzuholen. Wer Platz in der Tiefkühltruhe hat, könne das durchaus so machen, sagt der Geflügelwirt. Der Geschmack leide dadurch nicht, versichert er.

Nicht nur Gänse und Enten leben lieber unter freiem Himmel. Im Landkreis gibt es zahlreiche Bauern, die Eier aus artgerechter Haltung anbieten. Eine Anlaufstelle dafür ist zum Beispiel der Roidl Hof in Irlach bei Wackersdorf. Dort werden unter anderem auch frische Milch und Eier von freilaufenden Hühnern aus eigener Erzeugung angeboten.

Ziel ist artgerechte Haltung

Andreas Roidl hat den Hof bereits an seine Tochter übergeben, steht aber noch mit Rat und Tat zur Seite. Für Nervosität sorgt die Vogelgrippe derzeit auch bei ihm nicht. „Nun heißt es erst einmal, abwarten“, sagt er zur aktuellen Situation. 400 Hühner leben auf dem Hof, wie er erzählt. Der Verkauf von Eiern ist somit ein wichtiges Standbein. Sollte aufgrund des Virus Auflagen kommen, würde man entsprechend reagieren, das kenne der Landwirt bereits aus der Vergangenheit.

Eine Stallpflicht würde für Landwirte wie die Roidls mit einem gewissen Aufwand einhergehen. „Aber auch für die Tiere wäre es keine ideale Situation“, sagt Andreas Roidl. Wenn er über seine Tier spricht, wird deutlich: eine artgerechte Haltung liegt dem Landwirt und seiner Familie am Herzen.

Derzeit keine Aufstallungsanordnung

Die Hühner halten sich im Freien auf, durch regelmäßige Ortswechsel haben sie immer wieder frischen Boden unter den Füßen. Seiner Meinung nach wurde die Keulung der Tiere von den Behörden in der Vergangenheit zu schnell angeordnet. „Heute gibt es moderne Methoden, um einen Befall festzustellen“, meint der Irlacher. Diese sollten vor einem solch drastischen Schritt ausgeschöpft werden.

Wie das Landratsamt auf Nachfrage der Mittelbayerischen mitteilt, richtet sich eine eventuelle Aufstallungsanordnung hauptsächlich nach der aktuellen Risikobewertung des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. „In der aktuellen Risikobewertung ist eine solche Anordnung noch nicht geplant“, teilt das Landratsamt aktuell mit.

Sollten Fälle bei Hausgeflügel auftreten, greife das geltende Tierseuchenrecht. In der Folge werden laut Landratsamt dann die nötigen Bekämpfungsmaßnahmen angeordnet: Das bedeute zum Beispiel das Einrichten von Restriktionszonen mit einer Sperre der dortigen Bestände oder Untersuchungen zum Gesundheitsstatus. Im schlimmsten Fall kann auch eine Keulung der Bestände angeordnet werden.