Treffelsteiner Firma Tavo stellt Babyausstattung her – auch Hundezüchter sind ihre Kunden

Obwohl die Firma Tavo in diesem Jahr seit 15 Jahren einen eigenen Online-Shop hat und ihr 80-jähriges Bestehen feiert, hat Chefin Genoveva Burwinkel-Voith den Eindruck, dass ihr Unternehmen im Landkreis eher unbekannt sei. Mit ihrer Mutter erzählt sie von den Herausforderungen im Wandel der Zeit, einem Land, das sie bewusst nicht mehr beliefern, und Hunden, die ihre Schlafsäcke nutzen.
Als das Unternehmen einige Jahre nach ihrer Gründung 1945 nach Treffelstein zog, arbeiteten noch 300 Angestellte in der Fabrik, zu der damals noch eine eigene Weberei und Färberei gehörte. Heute beschäftigt Genoveva Burwinkel-Voith, die die Firma in dritter Generation fortführt, noch zwölf Personen.
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Pyjama, Strampler und Co.: Produkte für Baby, Erwachsene und Tiere
Um das Jubiläum mit ihren Kunden zu feiern, verkauft Burwinkel-Voith einige der Produkte zu Sonderpreisen und bot am Samstag Führungen durch das Unternehmen mit einer Fläche von rund 7000 Quadratmetern an.
Den Beginn hat die Produktion im Keller. Dort lagern Stoffe in allen Formen und Farben. Die einstige Chefin Elfriede Burwinkel erklärt: „Wir haben zwei Musternäherinnen, mit denen wir neue Ideen genau durchsprechen.“ Sie fertigen zunächst Musterschnitte an und nähen später Prototypen, die, wenn alles passt, in Produktion gehen.
So schnell laufe das in der Realität meist nicht ab, sagt Burwinkel. „Manchmal wird ein Prototyp genäht und dann noch einer und dann wird er wieder verworfen. Dann ruht der Entwurf ein Vierteljahr, bis wir es nochmal probieren. Wir sind zum Beispiel an einem Zwillingsschlafsack dran, aber er funktioniert noch nicht.“

Kaufhof, Metro und Karstadt beliefert
Die Bestellungen der Kunden fertigen sechs Näherinnen an. Darunter sind Handtücher, Bademäntel, Pyjamas oder auch Strampler für Babys. Aber auch Hausanzüge oder Bettwäsche für Erwachsene stellt das Unternehmen her.
Bevor die Bestellungen verschickt werden, müssen beispielsweise Babyschlafsäcke und auch Kissen noch befüllt werden. „Das machen wir alles in Handarbeit“, erklärt Burwinkel. Die Daunenfedern, die sie nutzten, seien wegen der natürlichen Rückfettung der Tiere klebrig und würden Maschinen verstopfen.
Am Ende der Produktionskette stehen entweder Kartons, die bereits mit den Adressen der Kunden versehen sind, das Lager oder der Verkaufsraum in Treffelstein. Früher betrieben sie außerdem einen Laden in Regensburg, den sie aufgrund von Corona allerdings schließen mussten. Heute verkaufen sie den Großteil ihrer Produkte über ihren Online-Shop – und das beinahe weltweit.
„Wir haben früher große Konzerne wie Kaufhof, Karstadt und Metro beliefert. Von denen haben wir uns verabschiedet, weil die Muster nach China gingen“, erzählt Burwinkel. „Aber die haben nur unsere Muster geklaut.“ Aus diesem Grund belieferten sie heute nicht mehr in dieses Land.
Dafür verkauften sie ihre Ware beispielsweise an Fachgeschäfte in München. Über die Jahre passten sie außerdem ihr Angebot an. Die Produktion der Kindermöbel stellten sie beispielsweise ein. Dafür entwickelten sie später eine Tierlinie mit Pflegeartikeln für Hunde oder auch Kirschkernkissen für Fohlen.

So unterscheidet sich die Farbwahl der Münchner und Hamburger
Viermal pro Jahr fuhren sie außerdem auf Messen, darunter in München und Hamburg. Auffallend seien hier die Vorlieben der Kunden, bemerkt Burwinkel: „Da ist wirklich ein Nord-Süd-Gefälle da.“ Während im Norden vor allem Blau- und Marinetöne gefragt seien, verkauften sie in München vor allem Rosafarben.
Auf der Tiermesse in Nürnberg erreichte sie ein besonderer Auftrag. Dort seien Windhundzüchter aus St. Moritz in der Schweiz auf sie aufmerksam geworden, die ihre Kinderschlafsäcke für ihre Hunde benutzen wollten, damit sie nicht frieren.
Wir haben festgestellt, dass die Leute für ihre Tiere mehr Geld ausgeben als für die Kinder. Das ist heute das Problem in der Gesellschaft: Die Kinder haben immer weniger Stellenwert.Elfriede Burwinkel
Die einstige Chefin des Unternehmens erklärt: „Wir haben festgestellt, dass die Leute für ihre Tiere mehr Geld ausgeben als für die Kinder. Das ist heute das Problem in der Gesellschaft: Die Kinder haben immer weniger Stellenwert.“
Aber auch aus wirtschaftlicher Sicht entstünden zunehmend neue wirtschaftliche Herausforderungen für Unternehmen, fügt Chefin Genoveva Burwinkel-Voith an. „Viele sagen: Hör’ auf und geh’ ins Angestelltenverhältnis. Aber wenn jeder diese Einstellung hat, haben wir bald keinen Unternehmer mehr.“ Ihre Firma sei eine der wenigen Textilfirmen, die noch in Deutschland produzieren. Daran wolle sie weiterhin festhalten: „Die Firma ist mein Baby. Das macht Freude.“
Die Geschichte des Unternehmens
Gründung und Umzug: Genoveva Burwinkel-Voith führt die Firma Tavo in dritter Generation fort. Gegründet wurde das Unternehmen 1945 in Thiersheim in Oberfranken, erzählt ihre Mutter Elfriede Burwinkel. Später wurde die Produktionsstätte nach Treffelstein verlegt.
Drei Firmen: Die damals zugehörige Färberei in Waldmünchen nutzten außerdem zwei weitere Unternehmen, die Verwandten gehörten: Eine Handschuhfabrik, die kürzlich schließen musste, und die Friedrich Taubert GmbH & Co. KG. Dieses Unternehmen hat seinen Sitz in Freising und stellt nun Bademäntel her.
Wurzeln im Egerland: Die Gründer der Firmen fanden nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland eine neue Heimat. Ursprünglich stammten sie aus dem Egerland, wo sie ebenfalls in der Textilbranche tätig waren.