Microcars bei Jung und Alt im Kreis Cham beliebt: Was steckt wirklich hinter dem Trend?

Man sieht sie mittlerweile immer häufiger – auch im Landkreis Cham: sogenannte Microcars. Die kleinen Flitzer, die maximal 45 km/h fahren, erobern auch in der Region die Straßen und gewinnen bei Fahrern immer größere Beliebtheit – sowohl bei Jung als auch bei Alt. Doch was steckt wirklich hinter dem Trend?
Vier Räder, zwei Sitze, ein Lenkrad. Auf den ersten Blick würde man meinen: Microcars sind ganz normale Autos. Doch die kleinen Fahrzeuge zeigen auf dem Tacho nicht mehr als 45 Stundenkilometer an. Auf Autobahnen oder Kraftstraßen wird man sie sowieso nicht antreffen, denn dort sind sie nicht zugelassen.
Passend zum Thema: Das kleine Auto für Schüler und Azubis – Anzahl im Chamer Landkreis steigt
Möchte man sich eines dieser Autos anschaffen, hat man im Schnitt mit einer Preisspanne von 17.000 bis 19.000 Euro zu rechnen, berichtet Josef Attenberger vom Autohaus Hielscher in Chamerau, das die neuartigen Fahrzeuge anbietet. Laut Hielscher ist zudem der Wertverlust von Microcars ausgesprochen gering – vorausgesetzt, sie werden gut gewartet.
Dem pflichtet auch Luis Schreiner bei: „Der Gebrauchtwagenmarkt für Microcars ist relativ schmal“, sagt Schreiner, der aktuell noch Auszubildender bei der Firma Hielscher ist. Auch hinsichtlich des Antriebs sei es möglich, bei den Leichtautos zwischen Elektro- und Dieselvarianten zu wählen. Schon jetzt gebe es viele Modelle – und es kämen stetig neue hinzu.
Eine Verkehrsbehinderung?
Beim Gedanken an Leichtkraftfahrzeuge, wozu die Microcars auch zählen, haben viele kein nützliches herkömmliches Auto im Kopf, sondern sehen in ihm viel mehr eine ärgerliche Verkehrsbehinderung. Mit ihrer beschränkten Geschwindigkeit und ihrer kleinen Größe ist zudem das Risiko, sie zu übersehen, gar nicht mal so klein.
Laut Attenberger gelten die kleinen Autos dennoch als sicherste Leichtkraftfahrzeuge. Und trotzdem: So stabil wie ein normales Auto sind sie nicht. Dennoch stellen sie den Roller beim Thema Schutz durchaus in den Schatten.
Mit welchem Führerschein darf man ein Microcar fahren? Fahrlehrer Uli Reitmeier von der Fahrschule Schloßmeier in Cham gibt Auskunft. Besitzt man den Roller-Führerschein, die sogenannte AM-Klasse, steht es einem frei, auch ein Microcar zu fahren, ohne noch einmal extra Fahrstunden nehmen zu müssen. Doch ein Roller ist kein Auto. Die beiden Fahrzeuge unterscheiden sich nicht nur in Aufbau, sondern auch der Handhabung. Dass beim Führerschein zwischen den Transportmitteln nicht besser unterschieden wird, sieht Reitmeier als Problem.
Schule, Arbeit und Freunde – auf dem Land ist alles etwas weiter entfernt, als in der Stadt. Da kommt es vor allem den jungen Leuten ganz recht, wenn es ein Auto gibt, das man bereits mit 15 Jahren fahren darf. Heranwachsende sind dadurch nicht nur selbst unabhängiger, auch für deren Eltern bedeutet ein Microcar eine große Entlastung. Beispielsweise müssen sie ihre Sprösslinge nicht mehr selbst zu Terminen fahren. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Die jungen Fahrer erlernen so mehr Selbstständigkeit. Das betont auch Josef Attenberger, der als Vater einer Tochter selbst bereits die Entlastung eines Microcars für Eltern am eigenen Leib erlebt hat.
Auch Senioren Zielgruppe
Doch längst nicht nur Heranwachsende gehören zur Zielgruppe der immer beliebter werdenden Mini-Autos. Auch Senioren haben das Gefährt für sich entdeckt. Durch die kleine Größe kommt man in so gut wie jede Parklücke. Die Microcars bieten außerdem Platz für zwei Personen. Der Kofferraum hat genug Platz für den Einkauf – vergleichbar mit einem normalen Auto gleicher Größe.
Seit 2021 sind die Kleinstautos zugelassen. Die Nachfrage ist seitdem durchaus da, erzählt Luis Schreiner. Der Bedarf sei in den letzten Jahren stark gestiegen. Laut Schreiner ist davon auszugehen, dass das auch weiterhin der Fall sein wird.
Einige Firmen im Landkreis Cham, wie die Baufirma Bau Wagner aus Waldmünchen, stellen ihren Azubis selbst Microcars zur Verfügung. Jeder neue Auszubildende bekommt eines bereitgestellt. „Der AM-Führerschein ist Voraussetzung“, erklärt Lena Wagner von der Baufirma. Durch die Autos gelangen die Lehrlinge nicht nur einfacher zur Berufsschule oder zu den Baustellen, sondern sie sind auch ein Grund dafür, dass die Zahl der Azubis in der Firma gestiegen ist, sagt Wagner. Die kleinen Fahrzeuge kommen bei den Auszubildenden gut an, da den Azubis keine Kosten entstehen und auch die Eltern durch die größere Selbständigkeit der jungen Leute entlastet werden, so Wagner.

Der Microcar-Trend dürfte auch in den kommenden Jahren nicht abflauen: Laut Josef Attenberger soll in Zukunft zusätzlich eine neue Variante auf den Markt kommen, und zwar mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 Stundenkilometern und ausschließlich mit Elektroantrieb. Der AM-Führerschein wird dafür allerdings nicht mehr reichen: Die neue Fahrzeugvariante wird nur mit normalem Führerschein zugänglich sein.