Nach Wolfsfund bei Lam: Polizei ermittelt gegen LBV-Mitglied

Von Nils Mayer · 16. November 2025 um 12:50

Der tote Jungwolf, der Ende Oktober bei Lam (Landkreis Cham) gefunden worden ist, sorgt weiter für Schlagzeilen. Am Freitag wurde bekannt, dass derjenige, gegen die Polizei wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz sowie des Vortäuschens einer Straftat ermittelt, ein Mitglied des Landesbundes für Vogelschutz ist – das teilt der LBV auch selbst auf seiner Homepage mit.

Video ansehen

Das Polizeipräsidium Oberpfalz hatte bereits am Donnerstag mitgeteilt, dass der Wolf weder erschossen wurde, noch im Landkreis Cham zu Tode gekommen sei. Zugleich wurde bekannt, dass die Behörden Ermittlungen gegen denjenigen Ehrenamtlichen eingeleitet haben, der das tote Tier, das aus Tschechen stammen soll, zur Polizeiinspektion Cham gebracht hatte.

Nur Ordnungswidrigkeit?

Beim LBV in Cham sorgte die Nachricht, dass nun gegen ein Mitglied ermittelt werde, „für ordentlich Aufregung“, wie Pressesprecher Markus Erlwein verrät. Trotz der Vorwürfe drohten dem Mitglied laut Erlwein aber vorerst keine internen Konsequenzen – Das bisherige Vertrauen sei weiterhin gegeben, stellt er klar. Bei dem Mann handele es sich um ein langjähriges und erfahrenes Mitglied.

„Bei den Vorwürfen, die im Raum stehen, gehen wir von Ordnungswidrigkeiten aus“, sagt der Pressesprecher mit Blick auf den möglichen Transport des Wolfskadavers. Dass das LBV-Mitglied die tödliche Verletzung des Wolfs vor Ort als Schusswunde interpretiert habe, anstatt der nun nachgewiesenen Wolfsbisse, ist für LBV-Sprecher Erlwein kein Verbrechen: „Das war wohl einfach eine Fehleinschätzung von ihm.“ Ein Loch durch einen Biss könne schnell mit einem Einschussloch verwechselt werden, meint er.

Ermittlungen abwarten

Ohnehin will der LBV laut dem Pressesprecher erst einmal die weiteren Ermittlungen der Polizei abwarten und keine voreiligen Schlüsse ziehen. Schlechte Erfahrungen habe der Verband in dieser Sache bereits mit einer früheren Pressemeldung gemacht, in der eine Strafanzeige und eine Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung des mutmaßlichen Wilderers führen sollten, öffentlich gemacht worden waren. „Als die Polizei uns über die neuen Ermittlungen informiert hat, haben wir die Bekanntmachung korrigiert“, so Erlwein.

Gleiches werde passieren, wenn neue Ermittlungsergebnisse öffentlich würden. Trotz der Entwicklungen der vergangenen Wochen rund um den Wolfsfund bei Lam hofft Erlwein laut eigener Aussage, „dass das Thema Wilderei nicht in Vergessenheit gerät“. Auch wenn dieser Fall wohl nichts mit Wilderei zu tun habe, sei das Verschwinden von Wölfen in Bayern weiter ein Problem. „Wir wissen oft nicht, was mit ganzen Rudeln passiert, und auch die Wilderei bleibt ein Problem.“ Dies sei ganz unabhängig von den aktuellen Geschehnissen zu betrachten.

Zeitlicher Ablauf

■ Ende Oktober wurde unweit des Ossers nahe der bayerische-tschechischen Grenze ein toter Wolf gefunden. Gleichzeitig kamen Überlegungen auf, dass das Tier illegal getötet worden sein könnte, weshalb die Polizei entsprechende Ermittlungen aufgenommen hat. Der Wolfskadaver wurde auf entsprechende Spuren untersucht.

■ Dabei stellte sich heraus, dass das Tier nicht erschossen worden war. Vielmehr sei es so gewesen, dass das Tier einer Bisswunde erlegen sei. Zudem teilte die Polizei mit, dass das Tier zum Sterbe-Zeitpunkt nicht auf der deutschen, sondern auf tschechischer Seite gelegen hatte – das rückte den Finder in den Mittelpunkt.

■ Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nun gegen den Finder, der Mitglied im Landesbund für Vogelschutz ist, wegen Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz sowie wegen Vortäuschens einer Straftat. (wf)