Wie werden die Bad Kötztinger im Jahr 2050 beerdigt, das ist die Frage

Es ist ein Thema, das viele Kommunen beschäftigt: Der Trend zur Urnen-Bestattung steigt seit vielen Jahren ungebremst und hat in Bad Kötzting einen Anteil von fast 80 Prozent erreicht. Das hat Folgen für die Verwaltung des städtischen Friedhofes, über die sich die Stadt jüngst bei einem Strategietag gemeinsam mit einer Fachfirma eingehend Gedanken gemacht hat.
Bauhof, Friedhofsverwaltung, interessierte Bürger und die „Friedhofsexperten“ der Firma Weiher aus Freiburg im Breisgau haben sich am 15. Oktober im Hotel zur Post getroffen, um sich darüber Gedanken zu machen, wie der Friedhof im Jahr 2050 aussehen könnte. Ein Zeitraum, der bewusst weit gefasst sei, wie Bürgermeister Markus Hofmann beim Pressegespräch einen Monat später im Rathaus erklärt. Denn: Gebe es immer weniger Sarg- und mehr Urnen-Bestattungen, werde das den Friedhof automatisch verändern.
Was die Kötztinger wollen
Die ersten Anzeichen seien schon jetzt vor Ort zu sehen. Zwar bescheinige die Firma Weiher, dass die Anlage in den 1960er-Jahren sehr gut geplant worden sei, und auch, dass es noch sehr viele liebevoll gepflegte Gräber gebe. Doch deuteten die Zeichen darauf hin, dass sich das ändern werde. Bei einer bundesweiten Umfrage der Verbraucherinitiative Bestattungskultur hätten 52 Prozent der Befragten im Friedhof „mehr als einen reinen Bestattungsort“ gesehen. 47 Prozent wünschten sich demnach „eine pflegefreie Bestattung ungeachtet aller gesetzlichen Vorschriften“, 44 Prozent empfänden „die Grabpflege als Belastung“ – und: Rund ein Drittel wünsche sich „eine Bestattungsform außerhalb des Friedhofs“.

Wünsche, die wohl auch auf die Bad Kötztinger so oder so ähnlich zutreffen dürften. Das zeige nicht nur die steigende Zahl von „Überhangsflächen“ (bereits nicht mehr genutzte Sarggräber), sondern auch die Tatsache, dass der Platz in den Urnen-Stelen schon bald aufgebraucht sein wird.
Beim Strategietag wurden am häufigsten die Wünsche nach Baumbestattungen in verschiedenen Varianten geäußert (zehn Mal), pflegefreie Gräber wünschten sich mit neun Angaben fast ebenso viele in verschiedenen Varianten.

Die Wünsche der Teilnehmer am Strategietag legten also nahe, dass auch in Bad Kötzting die Entwicklung eine ähnliche Richtung nehmen werde wie es die bundesweite Erhebung nahelegt. Stelle sich die Frage, was zu tun sei. Denn, das weiß nicht nur der Bürgermeister: Entscheidungen bei der Entwicklung von Friedhöfen müssen sehr langfristig getroffen werden. Dabei hätten die Experten aus Freiburg auch klar gemacht, dass die Möglichkeit der klassischen Sarg-Bestattung nicht außer Acht gelassen werden dürfe. Trends könnten sich wieder ändern, Urnenbestattungen auch wieder aus der Mode kommen.

Bereits entstehende Lücken in den Gräberreihen ließen allerdings nicht den Schluss zu, dass künftig noch mehr Platz auf dem Gottesacker benötigt werde. Ganz im Gegenteil, müsse sich die Stadt Gedanken darüber machen, wie freiwerdende Flächen neu genutzt werden könnten – und damit ergäben sich für die Planung ganz neue Probleme, sagt Bürgermeister Hofmann. Die Friedhofsverwaltung müsse dann nämlich genau darauf achten, nur noch aufgelassene Grabstellen neu zu vergeben, die nicht irgendwann als einzelnes Grab alleine auf einer grünen Fläche stehen. Digital erfasst seien die sogenannten „Grabablaufpläne“ bereits; Die Stadt wisse also bei jeder Grabstelle genau, wie lange die noch bezahlt würde. Die Firma Weiher biete nun ein Programm an, das diese Zeiten auch auf die Karte des Friedhofs übertragen könne, damit auf einen Blick sichtbar werde, wo in absehbarer Zeit Flächen frei werden könnten.
Niemand muss Grab auflösen
Natürlich werde niemand gezwungen, eine Grabstätte aufzugeben, betont der Bürgermeister. Wichtig sei in den Überlegungen nur, bei der Neuvergabe genau hinzusehen. Bei der Entscheidung helfen könnte außerdem ein Bodengutachten, das ebenfalls bald erstellt werden solle. Denn es gebe – wie bei vielen Friedhöfen – auch in Bad Kötzting Stellen, die aufgrund der Bodenbeschaffenheit (sehr feuchter oder lehmiger Boden) weniger gut für eine Sargbestattung geeignet seien. Auf diesen Flächen könnten dann bis 2050 (oder früher) Flächen für Bänke entstehen, oder auch für neue Möglichkeiten der Urnenbestattungen.

Da die Stadt, so wie jede andere Kommune auch, dazu verpflichtet sei, den Friedhof kostendeckend zu betreiben, haben sich die Friedhofsexperten auch die Gebühren einmal genauer angesehen. Ein Sarggrab sei mit 80 Euro pro Jahr relativ günstig, ein Urnen-Stelenfach mit 86 Euro pro Jahr viel zu günstig und daher unwirtschaftlich. Auch das sei ein Punkt, weshalb Alternativen zur Urnenstele angeboten werden müssten, da die in der Herstellung auf die Dauer für die Stadt nicht mehr leistbar sein könnten.
Urnenbestattung: Der Trend zur Bestattung in der Urne nimmt immer weiter zu. Rund 80 Prozent aller Bestattungen waren im Jahr 2023 nicht mehr klassische Erdbestattungen. Der Bau neuer Urnen-Stelen – die mittlerweile fast voll belegt sind – ist aber teuer. Darum müssen neue Lösungen her, wie die Nutzung leerer Gräber, um den Bedarf decken zu können.
