Knapp 30 Menschen verlieren ihr Zuhause: Rehaklinik kündigt Bewohnern in Berching

Von Bernhard Neumayer · 17. November 2025 um 17:00

Die Senioren und ihre Angehörigen sind geschockt. Die Vamed Rehaklinik in Berching löst das Betreute Wohnen auf. Warum und wie es mit dem Standort im Landkreis Neumarkt weitergeht, erklärt der Geschäftsführer.

Video ansehen

Als die 83-jährige Mutter von Manfred Frieß den Brief öffnet, ist sie geschockt. „Hiermit kündigen wir den mit Ihnen bestehenden Wohnvertrag (...) zum 28. Februar 2026, hilfsweise zum 31. Mai 2026“, schreibt die Vamed Rehaklinik der Seniorin, die in Berching dort im Betreuten Wohnen ein Zimmer mietet. „Jetzt sitzen wir da und wissen nicht, wie es weitergehen soll“, sagt Frieß.

Man kann doch ältere Leute nicht so vor den Kopf stoßen.Manfred Frieß (Sohn einer Bewohnerin)

Der Berchinger kritisiert das Unternehmen, dass es die Bewohner so kurzfristig informiere. „Man kann doch ältere Leute nicht so vor den Kopf stoßen“, sagt Frieß. Er hätte ein „bisschen mehr Herz und Gefühl“ von der Rehaklinik erwartet. Er steht jetzt – wie 27 weitere Angehörige – vor dem Problem, für eine geliebte Person ein neues Zuhause zu finden.

In dem Schreiben an die betroffenen Personen des Betreuten Wohnens steht als Begründung: „Das Betreute Wohnen der Vamed Rehaklinik Berching GmbH wird seinen Betrieb einstellen.“ Ursächlich dafür sei die strategische Weiterentwicklung bei der demografischen Entwicklung und dem damit einhergehenden Versorgungsbedarf in der geriatrischen Rehabilitation.

Vamed-Klinik will Geriatrie in Berching ausbauen

Doch was bedeutet das für die Menschen der 28 Wohnungen der Rehaklinik, die davon betroffen sind? Auf Nachfrage unserer Zeitung schickt Vamed eine Stellungnahme, in der es heißt: „Das Betreute Wohnen der Vamed Rehaklinik Berching wird in den kommenden Monaten geordnet geschlossen.“ Die Räume werden modernisiert und künftig für den Aufbau von zwei neuen Stationen für geriatrische Rehabilitation genutzt.

Die geriatrische Rehabilitation weise seit Jahren eine hohe und stetig steigende Nachfrage auf. Mit diesem Schritt wolle die Klinik diesem Bedarf gerecht werden. „Wir bündeln unsere Kräfte in dem Bereich, in dem wir die größte Nachfrage und die größte Zukunftschance sehen – in der geriatrischen Rehabilitation“, sagt Geschäftsführer Hannes Baderschneider.

Vamed will keinem Mitarbeiter kündigen

Er betont, dass es keine wirtschaftliche Entscheidung, sondern eine strategische sei. Der Geschäftsführer wolle damit die Entwicklung der Rehaklinik in Berching vorantreiben. „Wir stärken unseren Standort langfristig und schaffen zugleich neue Arbeitsplätze“, wird Baderschneider in der Pressemeldung des Unternehmens zitiert.

Darin kommt auch Standortleiter Steven Theilig zu Wort. Er betont wie Baderschneider: „Alle Mitarbeiter bleiben in unserem Haus beschäftigt.“ Aktuell arbeiten neun Personen im Bereich Betreuten Wohnen. Das Haus in Berching hat über 100 Beschäftigte. Niemand verliere seinen Arbeitsplatz, betonen Theilig und Baderschneider. „Im Gegenteil: Durch die Erweiterung der Reha entstehen zusätzliche Stellen.“ Die Klinik schaffe moderne Strukturen und biete langfristige Perspektiven – „für unsere Patienten und Mitarbeiter“, wird Theilig zitiert.

Dieser Schritt sei mit Sicherheit kein leichter, jedoch notwendig, um Standort und Arbeitsplätze für die steigende Nachfrage zu stärken und die Versorgung des Landkreises zu gewähren, heißt es in der Pressemitteilung.

Name wird geändert: Aus Vamed-Klinik wird Vitrea

Mit dem neuen Namen, den die Klinik bald tragen wird, habe die Entscheidung übrigens nichts zu tun, wie Baderschneider auf Nachfrage erläutert. Aus Vamed wird die Vitrea-Rehaklinik. Das sei eine reine Namensänderung in der gesamten Vamed-Gruppe. Er bedeute aber keinen Trägerwechsel oder neuen Eigentümer. Baderschneider bleibt Geschäftsführer des Hauses in Berching.

Gemeinsam mit den Betroffenen sowie ihren Angehörigen versuche die Klinik nun, individuelle und passende Lösungen zu finden. Die Schließung erfolge in mehreren Schritten, damit ausreichend Zeit für persönliche Entscheidungen bleibe, schreibt Vamed.

Die Bewohner liegen uns am Herzen. Wir wollen niemanden vor die Tür setzen.Hannes Baderschneider, Geschäftsführer

Manfred Frieß hält die Zeit bis Ende Februar für zu kurzfristig. Baderschneider entgegnet, dass die Kündigungsfrist drei Monate betrage. Vamed gewähre aus Kulanz eine Übergangszeit bis zu sechs Monaten, beziehungsweise neun Monaten für langjährige Bewohner.

Die Mutter von Frieß dürfe bis 31. Mai bleiben, sofern sie bis Ende Februar nichts gefunden habe. „Die Bewohner liegen uns am Herzen“, sagt Baderschneider. Man wolle niemanden vor die Tür setzen, sondern versuchen, bei der Suche nach einem neuen Zuhause zu unterstützen.

Mit den Seniorenzentren und Einrichtungen der Nachbargemeinden bestehe bereits ein enger Austausch. Eine erste Informationsveranstaltung mit der Einrichtung in Postbauer-Heng ist am Donnerstag.