Chefärztin war eine Institution: Jetzt verabschiedet sie sich aus Berchings Reha-Klinik

Eigentlich sollte Dr. Ramona Ullmann vor 20 Jahren nur einen Chefarzt für die Reha-Klinik in Berching (Landkreis Neumarkt) finden. Ihr Vorgesetzter aus Berlin hatte sie dafür für wenige Wochen in die Oberpfalz ausgeliehen. Dass sie jetzt aus Berching nie wieder wegziehen will, war damals nicht vorherzusehen. Wie es nun in der Vamed-Klinik weitergeht und was Ullmanns Posten mit der Papstwahl zu tun hat, erzählt die 66-Jährige.
Nach ein paar Wochen in dem „wunderschönen Haus“ in Berching sei für Ullmann damals klar gewesen, dass sie die neue Geriatrie-Chefärztin werden wolle. Doch ihr damaliger Chef aus Berlin-Buch habe sie nicht verlieren wollen. „Dann haben wir in einem Café in Wien fast schon gestritten, ehe bei uns weißer Rauch aufstieg“, erzählt Ullmann, die nun als Ärztliche Direktorin und Geschäftsführerin der Vamed-Klinik in Berching verabschiedet wurde.
2005: Zeitgleich weißer Rauch in Wien und im Vatikan
An den Tag in Wien erinnert sie sich noch genau. Denn fast zeitgleich mit der Einigung zwischen Ullmann und ihrem Chef stieg im April 2005 auch im Vatikan weißer Rauch auf. So erzählt es die 66-Jährige heute. In Wien wurde Ullmann zur neuen Chefärztin Berchings, in Rom Joseph Ratzinger zu Papst Benedikt XVI..
Auch wenn Ullmann bei weitem nicht die Bedeutung hatte wie der Papst für Katholiken, war sie für die Vamed-Klinik, die damals noch unter dem Namen Helios geführt wurde, entscheidend. Nach Anfangsschwierigkeiten mit vielen freien Betten versuchte Ullmann, die Qualität der Reha-Klinik zu steigern.
Dank ihres Konzepts, in dem die Fortschritte der Patienten in Stufen kategorisiert werden, hätten sich Ärzte und Therapeuten schneller auf den neuesten Stand bringen können. „Täglich und nicht nur einmal pro Woche“, sagt Ullmann. Dadurch sei die Klinik schneller, effektiver und besser geworden. Sie verweist dabei auf die Datenbank der geriatrischen Einrichtungen, wonach Patienten aus der Berchinger Klinik bei Vergleichen besser abschneiden würden als Patienten aus anderen bayerischen Kliniken.
Vamed betreibt die Reha-Klinik in Berching
„Nachdem es anfangs nicht gut lief, ging es ab 2007 deutlich aufwärts“, sagt Ullmann. Da die Qualität gestiegen sei, habe man immer mehr Patienten aufnehmen können. Die 52 Betten wurden deshalb vor zehn Jahren auf 77 aufgestockt. „Heute sind diese fast immer komplett belegt“, sagt Ullmann, die vor allem das familiäre Gefühl im Haus und die gut 130 Mitarbeiter lobt.
Auf die Stärke des Teams will auch Ullmanns Nachfolgerin als Ärztliche Direktorin, Tanja Götz, setzen. Einen Monat hat Ullmann Götz eingearbeitet, ehe sie am 30. April offiziell ihren letzten Arbeitstag als Chefin hatte. Ullmanns außergewöhnliche Doppelrolle – Ärztliche Direktorin und Geschäftsführerin – wird damit aufgeteilt: Mit Hannes Baderschneider übernimmt nun ein neuer Geschäftsführer die Berchinger Klinik, der diesen Posten auch für die Vamed-Klinik in Kipfenberg ausübt.
Hannes Baderschneider ist Geschäftsführer der Vamed-Klinik
Wiesbaden, Bad Elster, München, Fulda, Bad Tabarz: Während Hannes Baderschneider in seiner beruflichen Karriere vorab noch nicht in Berching gearbeitet hat, kennt Tanja Götz die Reha-Klinik in der Krankenhausstraße bereits. Ihre erste berufliche Anstellung war dort. Von 2006 bis 2008 arbeitete sie als Assistenzärztin in Berching. „Ich konnte mich damals nur schwer trennen, aber ich musste meine Facharzt-Ausbildung abschließen“, sagt die heute 49-Jährige.
Reha-Klinik Berching: Tanja Götz ist neue Ärtliche Direktorin
Deshalb sammelte sie in Deggendorf und Eichstätt Erfahrungen. In der Klinik in Eichstätt war sie seit November sie Chefärztin für Akutgeriatrie. Jetzt kommt die in Amberg geborene und in Neumarkt lebende Götz zurück nach Berching – als Ärztliche Direktorin.
„Ich freue mich auf die große Herausforderung“, sagt Götz. Sie wolle das Haus und den Standort Berching stärken, weiterentwickeln und so die hervorragende Arbeit ihrer Vorgängerin fortsetzen. Ullmann prognostiziert der Reha-Klinik, die im kommenden Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiert, eine gute Zukunft, sofern sie bei ihrer Qualität bleibt.
Dabei will die 66-Jährige trotz ihres Ruhestands weiter mit ihrem Wissen helfen. Wie oft sie arbeitet, wisse sie noch nicht. „Vielleicht einmal pro Woche“, sagt Ullmann, die jetzt Zeit für ihre Hobbys hat: Lesen, Reisen, Radfahren, Ballett, Oper oder die Pflege ihres Gartens in Sollngriesbach. Denn aus Berching will sie nie wieder fort.
Vamed: Das ist die Reha-Klinik in Berching
• Die Vamed Klinik Berching ist eine geriatrische Rehaklinik.
• Sie bietet neben der geriatrischen Rehabilitationsbehandlung von neurologischen, unfallchirurgischen, orthopädischen, allgemeinchirurgischen Krankheiten oder postoperativen Zuständen auch ein betreutes Wohnen mit 29 Wohneinheiten.
• Sie verfügt über 77 Betten und beschäftigt rund 130 Mitarbeiter.