Kirche plant Verkauf: Über 500 Berchinger wollen das Pettenkoferhaus retten

Im Pettenkoferhaus halten Vereine Sitzungen, Vorträge und Trainingseinheiten ab. Doch um zu sparen, will die Kirche das Gebäude veräußern. Mit einer Unterschriften-Aktion kämpfen zahlreiche Bürger um das Gemeinschaftshaus – auch wenn es nicht für alle Gruppen ideal ist.
Vor zwei Jahren hat der Berchinger Stadtrat beschlossen, das Pettenkoferhaus von der Kirche vorerst nicht zu erwerben. Dennoch ist das Thema für zahlreiche Bürger nicht vom Tisch. In einer von den Freien Wählern initiierten Liste haben sich nach Angaben von Lothar Bierschneider mittlerweile über 500 Personen eingetragen. Sie zeigen damit: Wir wollen das Pettenkoferhaus für Vereine und Gruppen erhalten.
Um sich auszutauschen, haben sich Vereine auf Einladung der Freien Wähler jüngst im denkmalgeschützten Gebäude neben dem Seniorenheim getroffen: Circa 20 Vertreter waren gekommen, unter anderem: KAB, Frauenbund, Hechtonia, Trachtenverein, Stadtkapelle, Symphonisches Blasorchester, Nachbarschaftshilfe, Kaninchenzuchtverein, Seniorenbeirat, TSV Berching, Tanzschule.
Für Berching ist dieses Haus unerlässlich.
Gerlinde Delacroix, Nachbarschaftshilfe
„Für Berching ist dieses Haus unerlässlich“, sagt Gerlinde Delacroix. Für die Nachbarschaftshilfe suche sie einen kleinen, geschützten Raum, in dem man Internes besprechen könne. Delacroix fände es wie viele andere Berchinger „schade und traurig“, wenn das Pettenkoferhaus nicht mehr zur Verfügung stünde.
Pettenkoferhaus in Berching wurde 1723 erbaut
Denn obwohl das 1723 erbaute Gebäude sanierungsbedürftig ist, bietet es für Gruppen und Vereine viele Möglichkeiten. Im Erdgeschoss befinden sich neben Toiletten zwei kleine Räume, eine Bibliothek und ein circa 60 Quadratmeter kleiner Saal. Im ersten Stock wird der große Saal mit knapp 160 Quadratmetern gerne genutzt – für Veranstaltungen oder Trainingseinheiten.
Bierschneider könnte sich dort mobile Trennwände vorstellen, um bei Bedarf den großen Saal zu teilen. Im Erdgeschoss könnte man einen Raum als Beratungszimmer nutzen. Zudem denkt der FW-Vorsitzende an zwei Internetarbeitsplätze in dem Haus, das nach seinem Wunsch eine Art Bürgerhaus für Jung und Alt werden soll.
Eine Vorstellung, die vielen Vereinen gefällt. Margarete Wimmer nutzt den großen Saal mit ihrer Tanzschule regelmäßig. „Ich hoffe, dass das Haus erhalten bleibt“, sagt Wimmer. Gerti Schels vom Frauenbund fände es sehr schade, wenn Gruppen das Petttenkoferhaus nicht mehr nutzen könnten. „Dann bestünde die Gefahr, dass manche Veranstaltungen gar nicht mehr stattfinden.“ Für den Frauenbund sei das Pettenkoferhaus eine Art Vereinsheim. 70 bis 80 Stunden im Jahr nutzen die Frauen das Haus, schätzt Schels. Palmbüschel binden, Vortragsabende, Faschingsvorbereitungen, Sitzungen, Nähaktionen, Kaffee- und Kuchenverkauf: „Wo gehen wir, wenn es das Pettenkoferhaus nicht mehr geben würde?“, fragt sich Schels.
Auch der Kaninchenzuchtverein hat im Pettenkoferhaus schon einige Veranstaltungen gehalten. „Wir haben dort immer sehr gute Voraussetzungen vorgefunden“, sagt Vorsitzender Markus Grillenbeck. Mittlerweile treffen sich die Kaninchenzüchter beim Vereinswirt Winkler, in anderen Gaststätten oder im Sportheim in Erasbach. „Aber eine Kaninchenschau ist dort nicht möglich“, sagt Grillenbeck.
FG Hechtonia Berching traininert im Pettenkoferhaus
Die Hechtonia nutzt – neben den Turnhallen der zwei Berchinger und der Holnsteiner Schule – ebenso das Pettenkoferhaus. Früher trainierte die Garde im großen Saal, mittlerweile üben dort die Hechteenies. Für den über 300 Mitglieder starken Verein ist es wichtig, dass die Aktiven in Hallen trainieren können.
Deshalb blickt Vorsitzender Florian Weixelbaum schon auf die Zeit voraus, wenn die Grund- und Mittelschule umgebaut wird. „Wenn die große und kleine Halle dort wegfallen, braucht es Ausweichmöglichkeiten für die Vereine“, sagt Weixelbaum. Das Pettenkoferhaus könne eine Alternative sein – nicht für Fußballer und Handballer, aber für Tanzgruppen oder Tischtennis-Spieler.
Für Stadtkapelle Berching ist Pettenkoferhaus keine Option
Für das Symphonische Blasorchester und die Stadtkapelle kommt das Pettenkoferhaus hingegen nicht infrage. Der Lärm mitten im Wohngebiet wäre beim Pettenkoferhaus ein Problem, sagt Anton Scharpf, Sänger der Stadtkapelle. Aktuell probt diese in der Kulturfabrik in einem schallgedämpften Raum, den fast nur die Stadtkapelle nutzt. In einem gemeinschaftlichen Raum im Pettenkoferhaus müssten die Musiker viel Zeit in den Auf- und Abbau der Stühle, Instrumente und die Verstärkeranlage investieren, sagt Scharpf.
Bistum Eichstätt hat keine Einwände gegen einen Verkauf
Wie es mit dem Pettenkoferhaus weitergeht, steht noch in den Sternen. Die Diözese Eichstätt verweist auf den Eigentümer, die Kirchenstiftung Berching. Deshalb sei auch der Wunsch nach Veräußerung dort zu sehen, teilt die Pressestelle des Bistums mit. „Die Diözese hat aber keine Einwände gegen eine Veräußerung (vorzugsweise auf Erbbaurecht)“, heißt es weiter.
Wie hoch der Kaufpreis für das Gebäude liegt, müsse noch ermittelt werden. Ein Gutachten sei beauftragt und stehe noch aus. „Wenn wir konkrete Aussagen von der Kirche haben, wollen wir sie mit der Stadt an einen Tisch bringen“, sagt Bierschneider. Eine Kooperation zwischen beiden schwebt ihm vor. „Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden“, antwortet ein Bistumssprecher. Entscheidend seien aber Themen wie Wirtschaftlichkeit in der Nutzung und Baulast.