„Mir tut es vor allem für die Kinder leid“: Unruhe bei der Wasserwacht Berching

Hinter den Kulissen der Wasserwacht Berching im Landkreis Neumarkt brodelt es. Zwei Ehrenamtliche, die sich unter anderem um Schwimmkurse und die Veranstaltung „Kanal im Feuerzauber“ gekümmert haben, schrauben ihr Engagement in der Ortsgruppe deutlich zurück. Welche Auswirkungen der interne Zwist für Berchinger Bürger hat, erklären die Verantwortlichen.
Eigentlich sollte die Wahl des neuen Vorstands Ende Januar reibungslos über die Bühne gehen. Dass es teilweise laut wurde, es eine Kampfabstimmung gab und daraufhin ein paar Mitglieder nicht mehr für vorgesehene Posten kandidierten, war für viele Wasserwachtler überraschend.
Vorsitzender Manuel Brauwer hatte sich in der Sitzung bereiterklärt, für eine weitere Periode zur Verfügung zu stehen – unter der Bedingung, dass der bisherige zweite Stellvertreter Christoph Herbaty ihn im Vorstand vertritt. Jahrelang haben die beiden viel in der Ortsgruppe auf die Beine gestellt: Training, Schwimmkurse, Ausflüge, Kanal im Feuerzauber. Brauwer war zwölf Jahre Vorsitzender, Herbaty acht Jahre zweiter Stellvertreter. Beide waren zuvor schon jahrelang in der Wasserwacht engagiert. „Wir haben immer gerne viel Zeit investiert“, sagen Brauwer und Herbaty.

Wahl zum Vorsitzenden der Wasserwacht Berching endete 26:25
Die beiden Kumpels hätten auch weiterhin gerne eherenamtlich die Wasserwacht geführt. Doch für sie überraschend kandidierte auch der bisherige zweite Vorsitzende Daniel Hacker neben Brauwer für den Chefposten in der Ortsgruppe. Hacker zog gegen den Brauwer allerdings mit 25:26 den Kürzeren.
Hacker stellte sich daraufhin auch zur Wahl zum zweiten Vorsitzenden und kandidierte gegen Herbaty und Leo Beringer. Letztgenannter setzte sich knapp durch, worauf sich einige Mitglieder nicht mehr bereiterklärten, Posten im Vorstand zu übernehmen. Auch Manuel Brauwer vollzog, was er vor der Wahl angekündigt hatte: Ohne Herbaty mache er nicht weiter.
Leo Beringer führt Wasserwacht Berching kommissarisch
Einen ersten Vorsitzenden gibt es deshalb aktuell bei der Wasserwacht in Berching nicht. Der junge Leo Beringer als zweiter Vorsitzender führt die Ortsgruppe nun kommissarisch – mindestens solange, bis im Laufe dieses Jahres erneut gewählt wird. Hacker ist nun technischer Leiter.
Doch wie konnte so weit kommen, dass es auf der Jahreshauptversammlung kracht? Genau kann oder will das keine der betroffenen Personen öffentlich sagen. Laut Mirko Stüdemann, dem Kreisvorsitzenden der Wasserwacht, könne man den Zwist nicht auf einen Punkt reduzieren. Es habe mehrere Gründe gegeben. Welche das sind, wollte er auf Nachfrage nicht mitteilen. Herbaty sagt, er wisse nicht, welches Problem manche mit Brauwer und ihm hätten. Vor allem an Hacker lässt Herbaty kein gutes Haar: „Ich weiß nicht, was in ihm vorgeht.“ Hacker spricht von „zwischenmenschlichen Problemen“. Konkretisieren möchte er das auf Nachfrage allerdings nicht.
Manuel und Christoph haben viel Zeit und Herzblut in die Wasserwacht gesteckt, was nicht selbstverständlich ist.
Leo BeringerKommissarischer Vorsitzender der Wasserwacht
Der kommissarische Vorsitzende äußert sich schriftlich zu Situation: „Die Ereignisse im Januar sind aus unserer Sicht das Ergebnis unterschiedlicher Auffassungen bezüglich Vereinsführung und künftiger Ausrichtung der Ortsgruppe als Hilfeleistungsunternehmen.“ Leider hätten sich die unterschiedlichen Ansichten über einen längeren Zeitraum hinweg entwickelt und auch trotz mehrfacher interner Gespräche verfestigt. „Die teilweisen konträren Sichtweisen innerhalb der Mannschaft haben letztendlich zum Wahlergebnis geführt“, schreibt Beringer, der wie Hacker das Engagement von Brauwer und Herbaty hervorhebt. „Manuel und Christoph haben viel Zeit und Herzblut in die Wasserwacht gesteckt, was nicht selbstverständlich ist“, schreibt Beringer.
Eine weitere Zusammenarbeit mit Herbaty und Brauwer schließt Beringer allerdings aus. Auch in einem Gespräch nach dem Wahlabend habe man sich nicht einigen können. Man habe versucht, gemeinsame Lösungen zu finden, schreibt Beringer. „Letztendlich kam man aber zu dem Schluss, dass es keine weitere Zusammenarbeit in der Vorstandschaft geben wird, weil von beiden Seiten keine Annäherung zu erkennen war.“
Mir blutet nach wie vor das Herz.
Christoph Herbatywar acht Jahre lang zweiter Stellvertreter
Beringer, Hacker, Brauwer und Stüdemann betonen unabhängig voneinander, dass sie kein Öl in das Feuer gießen wollen. Deshalb halten sie sich öffentlich auch zurück, wenn es um die internen Auseinandersetzungen geht. Herbaty gewährt etwas mehr Einblick. „Mir blutet nach wie vor das Herz“, sagt Herbaty. Dass es so ein Kindergarten werde, finde er traurig. „Mir tut es vor allem für die Kinder leid“, bedauert Herbaty, der sich zum Beispiel um Ausflüge, Zeltlager oder auch um die Organisation der Schwimmkurse gekümmert hat.
Berching: Schwimmkurs im Frühjahr musste ausfallen
Der Seepferdchen-Kurs im Frühling musste heuer entfallen. „Weil wir aktuell keinen offiziellen Ausbilder haben“, begründet Hacker. Es brauche einen Verantwortlichen, der einen Lehrschein hat. Im vergangenen Jahr war Herbaty derjenige mit Lehrschein, der sich um die Organisation und Durchführung der Schwimmkurse gekümmert hat. Ein anderer Ausbilder habe aus Altersgründen seinen Schein nicht verlängern lassen. Müssen Eltern sich nun sorgen, dass ihre Kinder bei der Berchinger Wasserwacht das Schwimmen nicht mehr lernen können? „Wir arbeiten an einer Lösung“, sagt Hacker. Sein Wunsch sei es, bis Herbst wieder einen Ausbilder gefunden zu haben. Ob dann tatsächlich auch ein Schwimmkurs angeboten werden kann, sei derzeit aber noch unklar, so Hacker.
Veranstaltung „Kanal im Feuerzauber“ soll stattfinden
Im Sommer soll dagegen wie jedes Jahr „Kanal im Feuerzauber“ stattfinden, wie Beringer mitteilt. Die Wasserwacht bereite die Veranstaltung vor. Sie soll am 25. und 26. Juli an der Uferpromenade über die Bühne gehen. Auch das wöchentliche Training am Mittwoch im Berle-Bad findet wie gewohnt statt und auch die Vereinsaktivitäten werden „nach und nach wieder aufgenommen“, schreibt Beringer. Im Hintergrund führt man laut Stüdemann zudem Gespräche angesichts der notwendigen Ergänzungswahlen. Welche Posten dabei genau gewählt werden sollen, kläre man noch intern. Laut Satzung der Wasserwacht müsste innerhalb eines halben Jahres abgestimmt werden. Ob die Ortsgruppe diese Frist einhalten kann, ist noch unklar. Ein Termin steht noch nicht fest.