Berchinger üben Druck aus: 225 Unterschriften für ein Bürgerhaus im Pettenkoferhaus

Von Bernhard Neumayer · 13. Februar 2025 um 05:00

Ein Haus, in dem sich Vereine in Berching (Landkreis Neumarkt) und kirchliche Gruppen treffen, tanzen und musizieren: Das stellen sich die Freien Wähler für das Pettenkoferhaus vor, das die Kirche verkaufen will. Doch diese Wunschvorstellung hat einen Haken.

Des denkmalgeschützte Gebäude gehört der Kirche. Und diese will das in die Jahre gekommene Pfarrheim, das 1723 zunächst als Klosterkirche genutzt worden war, verkaufen. Obwohl der Berchinger Stadtrat mehrheitlich bereits im März 2023 beschlossen hatte, vorerst Abstand von einem Kauf zu nehmen, greifen die Freien Wähler diese Angelegenheit jetzt wieder auf.

„Wir wollen das Thema im Bewusstsein der Bürger halten, bevor es zu spät ist“, sagt FW-Vorsitzender Lothar Bierschneider. Bevor ein externer Investor das zentral gelegene Gebäude erwirbt, solle sich die Stadt mit der Kirche an einen Tisch setzen und ausloten, was möglich sei. „Vielleicht kann man auch die Caritas mit ins Boot holen und eine Finanzierung gemeinsam stemmen“, überlegt Bierschneider, der sich natürlich bewusst sei, dass ein Kauf und eine Sanierung Geld koste. Die Freien Wähler haben eine Finanzierung auf Basis des Erbpachtrechts im Blick und wollen aus dem Pettenkoferhaus eine Art Bürgerhaus und Heimat für Vereine machen.

Deshalb haben sie auf dem Rossmarkt eine Unterschriften-Aktion gestartet. Bis jetzt haben sich 225 Unterstützer dieser Idee in eine Liste eingetragen. Wenn es nach Bierschneider geht, sollen noch ein paar hinzukommen. Die Überlegung sei, die Liste in Geschäften auszulegen und an Vereine und Gruppen heranzutreten, die das Gebäude derzeit nutzen.

Gruppen nutzen Pettenkoferhaus in Berching

Hechtonia, Frauenbund, Pfarrjugend, Mutter-Kind-Gruppe, Tanzkurs, FC Plankstetten: Unter anderem diese Gruppen haben das Gebäude bereits genutzt bzw. nutzen es derzeit noch.

Hört man sich bei den Sprechern der anderen Fraktionen im Stadtrat um, fällt die Idee eines Bürgerhauses auf fruchtbaren Boden. „Ich glaube, jeder in Berching will grundsätzlich, dass das Pettenkoferhaus erhalten bleibt“, sagt Andreas Höffler von der CSU. Deshalb sei die Unterschriftenliste zwar gut, sie bestätige aber nur, was man ohnehin schon wisse. Höffler vermisst bei dem Vorstoß der Freien Wähler grundlegende Voraussetzungen wie Kaufpreis oder Sanierungskonzept, etwa zu Barrierefreiheit, Dach und Toiletten.

Zu welchem Preis die Diözese Eichstätt das Gebäude veräußern will, ist noch unklar. Auch die Pressestelle des Bistums nannte keine konkrete Zahl. So oder so: Wichtig sei Höffler als Mitglied der Kirchenverwaltung, dass das pfarrliche Leben, das im Pettenkoferhaus stattfindet, auch nach einem Verkauf weitergehe.

Dass die Berchinger Vereine einen Ort für Sitzungen und Proben haben, sei auch Franz Donhauser vom Demokratischen Forum Berching wichtig. Die Idee eines Bürgerhauses hält er für „sehr attraktiv“.

Auch die SPD-Stadträte sehen das nach Angaben von Dietmar Zeller so. Ein Mehrzweckgebäude für Vereine sei eine sinnvolle Lösung. Bereits im Frühjahr 2023 hatte die SPD deshalb dazu aufgefordert, sich zu überlegen, ob die Stadt das Pettenkoferhaus erwerben könne.

Stadträte sehen Bürgerhaus im Pettenkoferhaus

Diese Meinung habe sich auch jetzt nicht geändert. Man sollte an dem Thema dranbleiben und nicht unvorbereitet dastehen, wenn die Kirche das Haus wirklich verkauft, findet Zeller. Der SPD-Stadtrat gesteht aber auch, dass er nicht allzu große Hoffnungen habe, dass bis zur Wahl des Bürgermeisters im März 2026 noch viel passiere.

Bürgermeister Ludwig Eisenreich hat zu einem möglichen Erwerb des Pettenkoferhauses eine klare Meinung: „Ich würde davon ganz klar Abstand nehmen.“ Denkmalgeschützt, kaputtes Dach, nicht barrierefrei, energetisch nicht auf dem neuesten Stand: „Das ist ein Millionengrab“, sagt Eisenreich. Die Stadt müsse ihre Pflichtaufgaben erledigen. Ein Pettenkoferhaus zu erwerben, sei für ihn eine freiwillige Leistung. Zudem sehe der Bürgermeister derzeit keinen Bedarf, hier tätig zu werden. „Die Ortsteile haben ihre Dorfhäuser und die Stadt hat die Kulturhalle.“ Eisenreich empfiehlt, dass die Caritas, die direkt nebenan ihr Altenheim betreibt, dort investiere. Zum Beispiel in eine Tagespflege.

Wenn aber ein Antrag inklusive Nutzungs- und Finanzierungskonzept bei der Stadt gestellt werde, werde sich der Stadtrat in einer Sitzung damit auseinandersetzen. Und das ist das Ziel der Freien Wähler: Mit der Unterschriftenliste Druck aufbauen und zu gegebener Zeit einen Antrag stellen.

Die Freien Wähler Berching um Petra Merkert, Lothar Bierschneider und Gerhard Binder sammelten auf dem Rossmarkt Unterschriften für den Erwerb des Pettenkoferhauses. Foto: Franz Kugler