Nächste Wende im Schleuserprozess: Angeklagter präsentiert neue Version des Geschehens

Von Josef Schaller · 12. November 2025 um 05:00

Der Schleuserprozess am Landgericht Amberg ging am Montag in die fünfte Runde. Dabei korrigierte der Angeklagte aus dem Städtedreieck im Landkreis Schwandorf frühere Aussagen im Prozess zum Teil in wesentlichen Punkten und präsentierte weitere Details.

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Wie berichtet, hatte am dritten Verhandlungstag ein von der Kripo an Hand von Google-Daten erstelltes Bewegungsbild zu den Schleusertagen erwiesen, dass sich der 49-jährige Angeklagte aus dem Städtedreieck zur Tatzeit an den jeweiligen Tatorten aufgehalten hatte. Daraufhin stellte sein Verteidiger, Rechtsanwalt Michael Schüll aus Amberg, eine neue Einlassung seines Mandanten in Aussicht. Diese ist nun am Montag beim fünften Verhandlungstermin erfolgt.

Zu Beginn des Prozesses hatte der Angeklagte über seinen Verteidiger den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, er habe in einem Fall fünf Syrer eingeschleust und bei einem weiteren Schleusungsversuch von 29 sichtvermerkpflichtigen Ausländern mitgewirkt, zurückweisen lassen. Er habe lediglich einmal einen bei einem Autoverleih angemieteten Citroën Lifter in die Slowakei überführt und dort das Fahrzeug übergeben, lautete stattdessen die Aussage.

Der Transporter fiel aus

In seiner neuen Einlassung, die der 49-Jährige diesmal selbst vortrug, machte er nun detailliertere Angaben und korrigierte seine erste Version in wesentlichen Punkten. Demnach will er am 12. September 2023 einen schwarzen Transporter in die Slowakei gefahren und an einer Tankstelle nahe der polnischen Grenze das Fahrzeug übergeben haben. Dort habe er auch Ahmed, den er vorher bereits in einer Burglengenfelder Bar kennengelernt hatte, angetroffen. Einem weiteren Mann, der Ali genannt worden sei, sei er zum ersten Mal begegnet.

Nachdem eine Gruppe von Personen zugestiegen sei, habe Ali das Steuer des Transporters übernommen. Er selbst sei zusammen mit Ahmed in einem Pkw vorausgefahren. Dabei sei er nur Beifahrer gewesen, so die Aussage des Angeklagten. Die Geschleusten hätten über Polen nach Cottbus in ein Industriegebiet gebracht werden sollen.

Dieses Ziel hätten sie allerdings nicht erreicht. Einige Kilometer vorher sei der Transporter wegen eines Defekts ausgefallen und unter einer Autobahnbrücke abgestellt worden. Ali sei geflüchtet. Die Gruppe der Geschleusten habe das Fahrzeug daraufhin verlassen. Da die Geschleusten nicht am vereinbarten Ziel eingetroffen seien, hätten auch die Zahlungen für ihre illegale Verbringung nach Deutschland nicht geleistet werden können. So habe auch er die vereinbarten 1000 Euro nicht erhalten.

Einige Tage später erhielt der Beschuldigte nach eigener Aussage einen weiteren Fahrauftrag von Ahmed. Zu diesem Zweck sei ein Citroën Lifter bei einer Autoverleih-Firma angemietet worden. Auch diesmal habe er den Transporter in die Slowakei gefahren. Alles sei so abgelaufen wie beim ersten Mal, so die Darstellung des Beschuldigten.

Wir wollten sehen, wie an der Grenze kontrolliert wird.Der Angeklagte am fünften Verhandlungstag

Allerdings sei diesmal Ahmed nicht weiter involviert gewesen. Er sei durch einen Mann namens Hamet ersetzt worden, der ab der Tankstelle in der Slowakei, wo die Geschleusten zugestiegen waren, den Transporter gefahren habe. Er selbst sei wieder im Pkw vorausgefahren, diesmal mit Ali als Fahrer. Kurz vor der polnisch-deutschen Grenze sei eine Tankstelle angesteuert worden. Während Hamet mit dem Transporter und den 29 Insassen dort gewartet habe, seien Ali und er mit dem Pkw über die Grenze nach Deutschland und kurze Zeit später wieder zurück zur Tankstelle gefahren. „Wir wollten sehen, wie an der Grenze kontrolliert wird“, so der Angeklagte.

Als sie wieder bei der Tankstelle angekommen seien, seien sie von der polnischen Polizei kontrolliert worden. Hamet habe dies aus sicherer Entfernung wahrgenommen und sei geflüchtet. Kurze Zeit später sei der Transporter von den polnischen Behörden entdeckt und die Geschleusten in Gewahrsam genommen worden. Er und Ali seien mit dem Pkw wieder nach Deutschland gefahren. Als er sich an einer Raststätte Zigaretten holen wollte, habe Ali die Gelegenheit genutzt und sei mit dem Pkw verschwunden. Er habe sich dann von einem Bekannten aus Maxhütte-Haidhof abholen lassen und schließlich bei der Polizei in Burglengenfeld den Transporter als gestohlen gemeldet, so der Angeklagte.

Polizei stellte Auto sicher

Der Wagen war jedoch von der polnischen Polizei sichergestellt worden. Das für eine Woche angemietete Fahrzeug habe die Autoverleih-Firma erst vier Wochen später wieder zurückerhalten – mit einem durch einen Gutachter festgestellten Schaden in Höhe von etwa 22.000 Euro, gab die Geschäftsführerin der Firma zu Protokoll. Ein Großteil der Schäden sei allerdings durch die polnische Polizei verursacht worden, die den Wagen bei ihrer Suche nach möglichen Drogen zerlegt habe. Zudem seien hohe Rückführungskosten entstanden.

Wie Richterin Elke Escher bei der Verhandlung bekanntgab, wurden im Rahmen der Ermittlungen bei molekulargenetischen Untersuchungen am Fensterheber des Citroën Lifter, aber auch an Getränkeflaschen oder -dosen genetische Spuren festgestellt, die mit der DNA des Angeklagten übereinstimmen. Am 14. und 21. November wird der Prozess fortgesetzt.