Nach Sanierung: Wallfahrtskirche St. Leonhard in Seebarn erstrahlt in altem Glanz

Die Wallfahrtskirche St. Leonhard in Seebarn wurde, wie es Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) ausdrückte, mit viel Sorgfalt und Engagement renoviert und am Sonntag neu gesegnet.
Diese Kirche, die der Überlieferung nach 1433 von Pfalzgraf Johann als Dank für den Sieg über die Hussiten bei Hiltersried gestiftet worden sein soll, sagte er, sei ein Ort der Geschichte und des Glaubens. Geweiht wurde sie 1437, seither gilt sie für Wallfahrer als Ort der Hoffnung und der Gemeinschaft.
Treffpunkt für alle, die den Leonhardi-Tag in Seebarn mitfeiern wollten, war die Dorfkapelle in der Ortsmitte. Von dort ging es zu den Klängen des Musikvereins Seebarn zur Wallfahrtskirche St. Leonhard. Am Kircheneingang begrüßte der Bürgermeister eine Reihe von kirchlichen und weltlichen Würdenträgern – so Weihbischof Josef Graf, Pfarrer Theo Schmucker, Kaplan Johannes Spindler, MdL Martin Scharf (Freie Wähler), stellvertretende Landrätin Birgit Höcherl (CSU), Neunburgs zweite Bürgermeisterin Margit Reichl (CSU) und Bezirksheimatpfleger Tobias Appl.
Gläubige haben Renovierung materiell unterstützt
Den Gottesdienst zelebrierte Weihbischof Graf, Mitzelebranten waren Pfarrer Schmucker und Kaplan Spindler. In seiner Predigt führte der Weihbischof aus, dass heuer der traditionelle Leonhardiritt mit dem Abschluss der Renovierungsarbeiten an der Wallfahrtskirche verbunden sei. Die Kirche werde allerdings nicht offiziell geweiht, sondern es handle sich um einen Segensritus zur Wiederinbetriebnahme der Wallfahrtskirche.
Er dankte allen, die diese Leistung vollbracht hätten. Das seien die Bauleute, die Handwerker und die Geldgeber, vor allem aber auch die Gläubigen, die die Renovierung ihrer Kirche mit Interesse verfolgt und auch materiell unterstützt hätten. Dadurch, dass die Gläubigen ihre Wallfahrtskirche erhalten würden, brächten sie zum Ausdruck, dass ihnen an der Kirche als Glaubensgemeinschaft noch etwas liege.

Für die Kirche, so der Prediger, gelte bei den Theologen der Grundsatz „Die Kirche braucht immer Erneuerung“. Dieser beziehe sich auf jedes Kirchengebäude und erst recht auf „die Kirche aus lebendigen Steinen“, von der der Apostel Paulus in einem Korinther-Brief gesprochen habe, als er geschrieben habe „Ihr seid Gottes Bau“ und „Gottes Tempel“. So wie ein Kirchengebäude immer wieder einmal einer Renovierung bedürfe, habe auch die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen zu allen Zeiten eine Reinigung nötig, vergleichbar der Tempelreinigung, die dem Evangelium zufolge Jesus durchgeführt habe, als er die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel in Jerusalem vertrieben habe.
Machen wir uns nichts vor. Heute zur katholischen Kirche zu stehen, das ist durchaus nicht leicht. [...] Jeder Skandal ist einer zu viel. Jede Sünde eines Kirchenmannes ist eine besondere Belastung für die Kirche.Josef Graf, Weihbischof
Der Weihbischof fuhr fort: „Machen wir uns nichts vor. Heute zur katholischen Kirche zu stehen, das ist durchaus nicht leicht. Viele, die zum katholischen Glauben und zur Kirche halten wollen, leiden heute am Zustand unserer Kirche. Ist sie doch immer auch Kirche der Sünder, Kirche schwacher Menschen. Zu diesen schwachen, sündigen Menschen gehören auch wir hauptamtlichen Christen. Jeder Skandal ist einer zu viel. Jede Sünde eines Kirchenmannes ist eine besondere Belastung für die Kirche.“
Weihbischof Graf befasste sich ferner mit der Lebensgeschichte des Einsiedlers Leonhard, dem die Wallfahrtskirche in Seebarn geweiht ist. Dieser lebte und wirkte wahrscheinlich im 6. Jahrhundert im südlichen Frankreich und wurde dort vor allem als Patron der Gefangenen verehrt.

Die Verehrung des Heiligen verbreitete sich später vor allem in Süddeutschland. Er ist einer der populären Bauernheiligen und wird zu den 14 Nothelfern gerechnet. Er gilt als Patron der Landwirte und Fuhrleute und als Beschützer der Pferde und des Viehs. Und da das Pferd, heute meist als Reittier für Freizeit und Sport, vielen Menschen sehr nahestehe, nehme er gerne die Pferdesegnung vor und erbitte Gottes Segen für diese edlen Tiere und seine Reiter, sagte der Gottesmann. Nach seinem Schlussappell an die Gläubigen „Halten Sie bitte der Kirche die Treue!“ segnete er die etwa 60 Pferde und ihre Reiter.
Viele Mängel beseitigt
Beim anschließenden Empfang im Gemeinschaftsraum der Feuerwehr Seebarn bedankte sich Kirchenpflegerin Sigrid Mehltretter bei allen, die zum Gelingen der Kirchenrenovierung und dem Wiedereinweihungsgottesdienst beigetragen hatten. Sie führte aus, dass die Wallfahrtskirche wieder in neuem Glanz erstrahle und sich alle Mühen gelohnt hätten. Ihr Dank galt auch der Architektin Barbara Wilnhammer, die alle baurelevanten Fäden immer in der Hand gehalten habe.

Die Architektin zeigte auf, dass bei der Renovierung der Wallfahrtskirche eine Vielzahl von Mängeln zu beseitigen waren – unter anderem Feuchtigkeitsbelastungen des Mauerwerks sowie Putzschäden an der Außenfassade. Unvorhergesehene Ereignisse oder böse Überraschungen seien bei den Renovierungsarbeiten nicht aufgetreten, der veranschlagte Kostenrahmen von etwa 350 000 Euro könne eingehalten werden.
Bürgermeister Birner führte aus, dass die durchgeführten baulichen Maßnahmen nicht nur technisch notwendig gewesen seien, sondern auch Ausdruck der Wertschätzung für dieses Gotteshaus seien. Sein Wunsch für die Zukunft war: „Möge die Kirche St. Leonhard ein Ort bleiben, an dem wir innehalten, Kraft schöpfen und einander begegnen!“