Im Kampf gegen das Drogenproblem: Braucht Regensburg mehr Streetworker?

Im Kampf gegen Regensburgs Drogenproblem ist Streetwork nicht die einzige wirkungsvolle Maßnahme – aber eine sehr wichtige im Strauß der Möglichkeiten. Marion Santl, die Leiterin der Caritas-Suchthilfe, geht sogar davon aus, dass die Helfer der Straße die gefühlte Sicherheit erhöhen könnten, wenn es nur mehr Stellen gäbe. Die Förderer aber winken ab.
Streetworker suchen Menschen in schwierigen Situationen wie Sucht oder Obdachlosigkeit auf und versuchen, sie in ein Hilfesystem zu begleiten. In Regensburg gibt es derzeit fünf dieser Streetworker, die sich vier Vollzeitstellen teilen. Finanziert werden die Stellen durch die Stadt, den Landkreis und den Bezirk. Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, geht davon aus, dass diese 350 Klienten betreuen.
Bahnhof als Schwerpunkt
Santl sagt, dass es mindestens 2,5 weitere Stellen bräuchte, damit die Streetworker in Regensburg nicht lediglich am Hauptbahnhof Präsenz zeigen können, sondern auch in Königswiesen, im Ostpark oder in Richtung Universität. „So gelingt uns keine Szenepräsenz“, beschreibt es Santl. Zudem müssen Streetworker laut der Chefin der Caritas-Suchthilfe im Sinne der Arbeitssicherheit immer zu zweit unterwegs sein. So aber seien umfassende Streetworkkonzepte nicht umzusetzen. Zudem sei die Urlaubs- oder Krankheitsvertretung nur schwer zu organisieren. „Und wenn die Streetworker einen Termin in einem Gremium haben, ist die Straße verwaist“, verdeutlicht Santl. „Was fehlt, ist die Abdeckung am Wochenende“, sagt auch Maria Heilmeier, Leiterin des Kontaktladens bei Drugstop, dem zweiten von drei Trägern.
Eine Angebotserweiterung aber würde laut Santl beispielsweise Begleitung der Klienten bei Terminen auf Ämtern ermöglichen. Durch mehr Präsenz und Vernetzung könnte es ihr zufolge zu Entstigmatisierung kommen sowie zu weniger Aggressionen, Gewalt, Drogenmüll und Konsum im öffentlichen Raum. Weiterhin könne Santl sich vorstellen, dass sich die gefühlte Sicherheit erhöht.

Die reinen Personalkosten für einen Streetworker liegen laut Santls Angaben zwischen 70.000 und 85.000 Euro pro Jahr. Im Moment habe sie keinen Antrag gestellt – was sowohl Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) als auch Hans Fichtl, Pressesprecher am Landratsamt, und Bastian Schreiner, Pressesprecher beim Bezirk Oberpfalz, bestätigen. Allerdings sei in der Vergangenheit schon einmal eine Erweiterung der Förderung abgelehnt worden, erklärt die Chefin der Caritas-Suchthilfe.
Es bestehe derzeit keine Veranlassung, die Förderung für Streetwork auszubauen, sagt von Roenne-Styra. Beispielsweise könnten Vertretungsregelungen auch in Abstimmung der Träger untereinander gefunden werden, schlägt sie vor.
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„Ich kann aber gut verstehen, dass sich die Streetworker einen Ausbau wünschen. Die Herausforderungen sind groß“, erklärt Bürgermeisterin Astrid Freudenstein. Laut von Roenne-Styra betrug die städtische Förderung dieser Stellen in diesem und im vergangenen Jahr 211.930 Euro. Im Jahr 2023 seien es 174.530 Euro gewesen und in 2022 110.550 Euro. Für 2026 solle dem Stadtrat eine Förderung in Höhe von 244.800 Euro vorgeschlagen werden.
Streetwork ist freiwillige Leistung der Stadt
„Wir sparen also nicht bei der Arbeit vor Ort. Ich bin schon froh, wenn wir dieses Niveau halten können angesichts der strengen Haushaltsvorgaben“, erklärt Freudenstein. Streetwork sei wichtig und wertvoll, gehöre aber nicht zu gesetzlichen Pflichtaufgaben. „Es handelt sich um freiwillige Leistungen der Stadt. Wenn wir sie aufstocken, müssten wir leider an anderer Stelle kürzen“, sagt die Sozialbürgermeisterin.
Der Bezirk Oberpfalz, der im Rahmen der ambulanten Suchthilfe Förderung gewährt, gibt laut Pressesprecher Schreiner derzeit 86.000 Euro pro Jahr für Streetwork aus. Damit werde eine Vollzeitstelle gefördert. Auch im vergangenen Jahr habe der Förderbetrag bei 86.000 Euro gelegen, im Jahr 2023 bei 81.000 Euro und ein Jahr zuvor bei 37.000 Euro. Im kommenden Jahr könnte der Betrag laut Schreiner ansteigen – wegen der Fortschreibung der Personalkostenpauschalen.
Fichtl vom Landratsamt, machte keine Angaben dazu, wie viel Geld der Landkreis bei dem Thema in die Hand nimmt. Laut von Roenne-Styra finanziert der Landkreis 0,17 Stellen, die Stadt dagegen 2,83 und der Bezirk eine. Santl erklärt, dass aber immerhin ein Fünftel bis ein Viertel der Klienten im Landkreis gemeldet seien.
Das hilft gegen die Sucht
Sowohl Heilmeier als auch Santl betonen, dass Streetwork immer lediglich ein Baustein sein könne und es ein breites Hilfesystem beim Thema Sucht brauche. In Bayern seien es vor allem die Konsumräume, die fehlten. „Wir müssen nach Lösungen suchen, um Schwerkranken zu helfen, denn wir werden die Sucht nicht abschaffen können“, sagt Heilmeier. Als weitere Maßnahmen nennt Santl etwa Spritzentausch, Naloxonschulungen, Substitution, ausreichend Entgiftungsplätze, stabile Suchtberatung oder Drugchecking.
Beim dritten Träger, dem Verein Raphael, wollte sich auf Nachfrage niemand zu dem Thema äußern.