Gute Nachrichten für das insolvente Unternehmen: Kelheim Fibres ist verkauft

Neuer Eigentümer, neues Kapitel: Ein Finanzinvestor übernimmt den Kelheimer Faser-Spezialisten. Mit gezielten Investitionen soll die Produktion am Standort langfristig überleben.
Früher als noch vor Kurzem kommuniziert, konnte Kelheims insolventer Viskosefaser-Spezialist Kelheim Fibres den Verkauf an einen neuen Investor in trockene Tücher bringen. Die Mitarbeiter waren bereits Anfang dieser Woche informiert, dass die Übernahme kommen würde. Am Donnerstag konnte Firmenchef Craig Barker Vollzug vermelden.
Am Freitag ging das Unternehmen mit der Nachricht an die Öffentlichkeit. Am Mittwoch, 5. November, war der Notartermin. Die Kelheim Fibres GmbH ist an den in München ansässigen Finanzinvestor LEO III Fonds verkauft.
Übernahme ist im Januar
Die Übernahme des Geschäftsbetriebs, sprich der Vollzug des Kaufs durch den Finanzinvestor, ist zum 1. Januar 2026 vorgesehen. Mitte Oktober hatte man beim Kelheimer Spezialfaser-Werk noch damit gerechnet, dass der Verkaufsprozess bis Ende des ersten Quartals 2026 dauern könnte.
„Exklusiv beratend“ stand die Dubag Group aus München zur Seite. Diese ist laut eigener Website ein „Private Equity Investor mit ausgewiesener Erfolgsbilanz“. Als Beispiel dafür, dass die Dubag Group „umfassende Erfahrung in der erfolgreichen Begleitung komplexer Unternehmensübergänge“ habe, ist in der Fibres-Pressemitteilung vom Freitag die kürzlich abgeschlossene Übernahme des 3D-Druck-Geschäftsbereichs von Trumpf durch den LEO III Fonds erwähnt. Auch bei dem baden-württembergischen Unternehmen aus der Nähe von Stuttgart sei es gelungen, „in einem herausfordernden Umfeld das Vertrauen verunsicherter Kunden zurückzugewinnen und eine zukunftsorientierte Neuausrichtung des Geschäfts zu etablieren“.
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Darauf baut man nun auch in der Kreisstadt. Mit dieser Expertise im Rücken und einem „klaren Fokus auf nachhaltige Wertschöpfung“ sei Dubag „ein verlässlicher Partner für die nächste Phase der Entwicklung von Kelheim Fibres“, heißt es.
Mit der geplanten Transaktion soll der Standort Kelheim nachhaltig gesichert und weiterentwickelt werden.
Der neue Eigentümer will „gezielt in Produktionsinfrastruktur, Effizienzsteigerung und Innovationskraft investieren, um die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Kelheim langfristig zu stärken“.
Im Zentrum der Unternehmensstrategie bleibe die hohe Produktqualität, auf die Geschäftsleitung und Mitarbeiter von Kelheim Fibres bekanntermaßen seit Langem stolz sind.

Zugleich rücke die Liefertreue, die nach den Herausforderungen der vergangenen Jahre (Anm. d. Red.: dazu zählen der Großbrand von 2018, die Abwicklung von Dolan oder die nach wie vor hohen Energiekosten am Standort Deutschland) wieder konsequent gestärkt werde, in den Fokus.
Bereits seit Jahresbeginn läuft im Kelheimer Unternehmen eine strategische Neuausrichtung. Auch künftig wolle man sich auf das Aushängeschild, die Spezial- Hygiene-Faser namens Galaxy, konzentrieren. Diese zeichne sich durch „herausragende funktionale Eigenschaften und eine nachhaltige Materialbasis aus“. Unter anderem punktet die Galaxy-Faser mit ihrer erhöhten Saugfähigkeit. Eine Eigenschaft, die etwa in Tampons, gefragt ist.
Vom Tampon bis Teebeutel
Weitere „High-Performance-Viscose-Fasern“, die in anspruchsvollen Anwendungen, unter anderem auch im Hygiene-Bereich, eingesetzt werden, sollen im Produkt-Portfolio von Kelheim Fibres bleiben. Alle Produkte aus dem Kelheimer Faserwerk sind biologisch abbaubar und streng zertifiziert.
Dazu zählen auch Spezialpapiere, aus denen Teebeutel gefertigt werden, oder feuchtes Klopapier, das biologisch abbaubar ist. Der Vollzug der Transaktion steht laut der Mitteilung vom Freitag unter marktüblichen aufschiebenden Bedingungen. Dazu zähle insbesondere die Sicherstellung tragfähiger, langfristiger Liefervereinbarungen mit den wesentlichen Geschäftspartnern. Kelheim Fibres und Dubag befänden sich hierzu in engem Austausch mit allen relevanten Beteiligten, insbesondere den Kunden, um die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Übergang zum neuen Eigentümer zu schaffen und die Zukunft des Unternehmens aktiv zu gestalten.
Seit Januar läuft bei Kelheim Fibres die Insolvenz in Eigenverwaltung. Bereits im Herbst 2024 war klar gewesen, dass etwa 150 von insgesamt etwa 500 Jobs direkt bei dem Viskosefaser-Spezialisten im Feuer standen. Darüber hinaus ist ein noch größerer Kreis an Arbeitsplätzen mit Kelheim Fibres verbunden. Insgesamt sind wohl an die 1000 Jobs mit Fibres verbandelt bzw. Mitarbeiter anderer Firmen auf dem Betriebsgelände eingesetzt.
Mitte 2024 hatte auch der Verkauf des VfL-Geländes für Furore in der Kreisstadt gesorgt. Dieses hatte sich Jahrzehnte im Besitz des Faserwerks befunden. 2024 kaufte es die Stadt, um den Fortbestand der dortangesiedelten Sportvereine zu sichern und einen Teil des Geländes, etwa als Gewerbeareal mit Platz für einen neuen Affeckinger Feuerwehr-Standort zu entwickeln.
Den zurückliegenden Personalabbau im Kelheimer Faserwerk sah Betriebsrats-Vorsitzender Josef Rummel vor drei Wochen „gut überwunden“. Auch das eingeführte Fünf-Schicht-Modell zeige positive Auswirkungen, so Rummel. Ebenso hatte das erwirtschaftete Finanzergebnis den BR-Vorsitzenden positiv gestimmt.