Ohne Bargeld mit dem Bus in Regensburg fahren: Seniorenbeirat sieht Nachholbedarf

Von Benedikt Baumgartner · 7. November 2025 um 15:00

Klaus Steiner ist nicht überzeugt. Der Regensburger Seniorenbeiratsvorsitzende erwartet massive Probleme für ältere Bürger, wenn das Stadtwerk nun flächendeckend auf ausschließlich bargeldlose Bezahlung von Fahrkarten in allen Bussen umstellt – und präsentiert einen Gegenvorschlag.

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Die Installation der digitalen Bezahlterminals hat vergangene Woche begonnen und soll bis Ende November in der gesamten Fahrzeug-Flotte abgeschlossen sein. „So, wie es die Stadt jetzt vorhat, so Harakiri-mäßig, ist das nicht zu akzeptieren“, sagt Steiner.

Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk bilanziert auf MZ-Anfrage die Anfang September in zwölf Bussen aufgenommene Probezeit des bargeldlosen Ticketverkaufs: „Das Fazit fällt sehr positiv aus. Das System läuft sehr stabil und hat sich während der Testphase in der Praxis sehr gut bewährt.“ Dementsprechend optimistisch sei man beim Stadtwerk für die Ausweitung auf alle Busse.

Kaum Ticketkäufe im Bus

Des Weiteren stellt sich die Frage, wie häufig überhaupt noch Tickets beim Busfahrer gegen Barzahlung gelöst worden sind. Zur Einordnung teilt Gottschalk mit, dass das Stadtwerk im vergangenen Jahr insgesamt 611.292 Linienbusfahrten durchführte. „Im Durchschnitt, über alle Fahrten gerechnet, wurde nie mehr als ein Ticket je Fahrt verkauft“, sagt Gottschalk. „Das Maximum an Verkaufsvorgängen im Gesamtjahr waren sieben Verkäufe in einer Fahrt.“ Heißt: Die große Menge an Bargeldzahlern gebe es ohnehin nicht mehr.

Diese Warnung gilt bald für alle Busse in der Stadt: „Achtung! Keine Barzahlung. No cash.“ - Foto: Benedikt Baumgartner/Archiv

Steiner berichtet dagegen von einigen besorgten Anfragen von Senioren, wie sie denn künftig Tickets im Bus lösen können. Hat man eine EC- oder Kreditkarte beziehungsweise eine Bezahl-Funktion auf dem Smartphone oder der Smartwatch, ist das digitale Ticketlösen im Bus recht unkompliziert, wie das Stadtwerk in seiner Mitteilung zu Beginn der Bezahl-Umstellung erläutert.

Papier-Billett wird überflüssig

An einem grünen Kästchen im Bus befindet sich ein kleiner Bildschirm, an dem Fahrgäste das gewünschte Einzel-, Tages- oder Kurzstrecken-Ticket auswählen können. Wird die entsprechende Karte oder das Smartphone zum Bezahlen aufgelegt, ist die Fahrkarte digital am Zahlungsmedium hinterlegt. Dieses wird bei einer Kontrolle auf das Prüfgerät gehalten. Ein Ausdruck auf Papier ist nicht mehr nötig und entfällt. Mit der sukzessiven Einführung der neuen Terminals fällt in den umgestellten Bussen die Möglichkeit weg, eine Fahrkarte gegen Barzahlung beim Busfahrer zu lösen.

Mit Bargeld eine Einzelfahrt oder eine Streifenkarte kaufen können Fahrgäste aber weiterhin in Regionalbussen, den Vorverkaufsstellen und an Ticketautomaten an zentralen Haltestellen sowie im RVV-Kundenzentrum. Auch über die RVV-App können digital Tickets gelöst werden. Außerdem ist gegen eine Gebühr von fünf Euro eine Prepaid-Karte erhältlich, die mit aufgeladenem Guthaben an den digitalen Terminals im Bus genutzt werden kann.

Steiner bringt eine Idee vom Bodensee mit

Für Steiner ist das wenig benutzerfreundlich, da man auf eine Prepaidkarte immer wieder Guthaben laden müsse. Er hat eine alternative Idee aus Friedrichshafen mitgebracht. Dort gibt es die grüne Karte, mit der man in Parkhäusern, das Laden von E-Autos oder das Übersetzen mit einem Katamaran über den Bodensee ebenso zahlen kann wie Busfahrten. Dabei muss kein Ticket ausgewählt werden. Die Karte wird beim Ein- und Aussteigen an ein Gerät gehalten, der Fahrtpreis errechnet sich aus der zurückgelegten Strecke. Am Ende jedes Monats erfolgt die Abrechnung aller in Anspruch genommener Leistungen vom Konto.

Ein solches Modell könnte sich Steiner auch gut für Regensburg vorstellen. „Das haben wir intensiv diskutiert und da bleiben wir dran, ob man da etwas konstruieren kann, was für beide Seiten akzeptabel ist.“