Bargeld verschwindet ab Herbst aus Regensburgs Bussen – Problem für Kinder und Rentner?

In zwölf Bussen läuft aktuell eine Testphase zum ausschließlich bargeldlosen Bezahlen in Regensburger Bussen. Ab Spätherbst kommt das System flächendeckend in allen Fahrzeugen. Das sorgt auch für Bedenken mit Blick auf bestimmte Bevölkerungsgruppen.
Die bargeldlose Revolution kommt unscheinbar daher. Ein grün-graues Kästchen hängt an einer Haltestrebe im RVV-Bus der Linie 2 Richtung Universität. An der Einstiegstür weist ein großer Aufkleber darauf hin: „Achtung! Keine Barzahlung – No cash.“ Mit Münzen beim Fahrer kommt man in diesem Bus nicht weiter. Es ist eines von zwölf bargeldlosen Testfahrzeugen, bei denen man nur noch mit EC- oder Kreditkarte sowie Smartphone eine Fahrkarte lösen kann. Ab Spätherbst will das Stadtwerk dieses System auf alle Busse ausweiten.
Auf dem Bedienfeld lässt sich das gewünschte Ticket auswählen: Einzelfahrt. 2,88 Euro wird als Fahrpreis angegeben. Giro-Karte an die Kontaktfläche halten und – schon leuchtet eine Fehlermeldung auf. Der zweite Versuch bringt dann den Erfolg. Ein Ticket wird nicht ausgedruckt, als Fahrkarte dient das Zahlungsmittel.
Kinderleicht, aber nicht leicht für Kinder
Kurzum: Das Lösen eines digitalen Tickets im Testbus ist kinderleicht. Bloß: Leicht für Kinder ist es nicht, gibt etwa Michael Straube, Vorsitzender des Vereins Regensburger Eltern, zu Bedenken. Ohne eigenes Ticket dürfen nur Kinder unter sechs Jahren Bus fahren. Doch auch Fünft- oder Sechstklässler hätten oft noch kein Smartphone und keine EC-Karte, mit denen sie ein digitales Ticket zahlen könnten, sagt Straube. Fährt ein Kind regelmäßig, können ihm die Eltern ein Streifenticket mitgeben. Doch spontane Busfahrten werden schwierig bis unmöglich, befürchtet Straube: „Wenn ein Kind kein Ticket dabei hat, kann es nicht Bus fahren oder muss schwarzfahren. Das kann ja nicht sein.“
Der Busfahrer ist nicht mehr der Kassier
Seit zwei Wochen läuft mittlerweile die Bargeldlos-Testphase in zwölf Bussen. Die Busse, die in der Testphase bereits auf die ausschließlich bargeldlose Bezahlung umgestellt wurden, fahren auf unterschiedlichen Linien, die auch von Tag zu Tag wechseln können, informiert Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk auf MZ-Anfrage. Für ihn liegen die Vorzüge der Systemumstellung auf der Hand: „Die entscheidenden Vorteile sind sicherlich, dass der Kaufvorgang an sich deutlich schneller geht als vorher. Zudem kann der Bus auch schneller seine Fahrt fortsetzen, da der Fahrer eben keinen Verkaufsvorgang, zum Teil mit Wechselgeldrückgabe, abwickeln muss.“ Außerdem sei ein digitales Ticket für eine Einzelfahrt in Zone 1 mit 2,88 Euro deutlich günstiger als die zuvor anfallenden 3,60 Euro. Nachhaltiger sei es ohnehin, kein Papierticket mehr auszudrucken.
Gerade was die ältere Generation betrifft, ist das ein Unding.
Klaus Steiner, Seniorenbeiratsvorsitzender
Trotz der genannten Vorzüge will Seniorenbeiratsvorsitzender Klaus Steiner vor der angekündigten Ausweitung auf alle Busse das Gespräch mit der Stadtwerk-Spitze suchen. Zur raschen Verbannung von Bargeld aus den Bussen sagt er: „Gerade was die ältere Generation betrifft, ist das ein Unding.“ Viele hätten schließlich nie gelernt, mit Kartenzahlung umzugehen, von digitalem Geldtransfer per Smartphone oder Uhr ganz zu schweigen. Steiner fordert: „Es muss die Möglichkeit geben, dass ältere Semester weiter Cash bezahlen können“ – zumindest für eine Übergangsperiode. Schließlich würde sich ja auch die Gruppe der Senioren verändern, moderner werden. Und auch die Notwendigkeit der Umstellung sieht Steiner grundsätzlich, das Stadtwerk müsse wirtschaftlich arbeiten. Nur: „Mit so einer Hau-Ruck-Aktion wird es nicht gehen.“
Probleme oder Schwierigkeiten während der Testphase gibt es bislang eigentlich nicht.
Martin Gottschalk, Stadtwerk-Sprecher
Auch Caritas-Sprecher Harry Landauer sieht Probleme „für Personen ohne eigenes Bankkonto“. Würden manche als Konsequenz schwarzfahren, drohen Geld- oder bei Zahlungsunfähigkeit Gefängnisstrafen. Martin Gottschalk berichtet von den ersten zwei Wochen Probebetrieb der zwölf Busse: „Probleme oder Schwierigkeiten während der Testphase gibt es bislang eigentlich nicht. Insofern gehen wir von einem hohen Maß an Akzeptanz aus.“
Kein Fahrgast zahlt im Bus
In der Linie 2 bestätigt sich Gottschalks Einschätzung. Ein Senior winkt bei der Frage nach Bargeld-Zahlung beim Busfahrer ab: „Ich habe das Deutschlandticket.“ In 45 Minuten Fahrt löst an dem Donnerstagmittag – bis auf den Test-Bus-testenden MZ-Reporter – kein einziger Fahrgast ein digitales Ticket oder versucht mit Münzgeld beim Busfahrer für die Mitfahrt zu zahlen. Deutschland- und Semesterticket sowie digitale Angebote scheinen den Ticketkauf vor Ort zur Randerscheinung zu machen.
Ein älteres Ehepaar steigt in den Bargeldlos-Bus zu. Auch sie lösen kein digitales Ticket, sie hatten ihren Fahrschein schon gekauft – vor dem Umsteigen beim Fahrer eines noch nicht bargeldlosen Busses der Linie 6. „Man gewöhnt sich an alles“, sagt die Frau zum bald flächendeckenden Bargeldlos-System. Als älterer Mensch müsse man die Digitalisierung aber mitmachen, fügt ihr Mann an. „Sonst bleibt man auf der Strecke.“

So kann man Bustickets kaufen
• Digital: Mit Giro- oder Kreditkarte sowie per Google- oder Apple-Pay können Fahrgäste an den Ticket-Terminals im Bus digital einen Fahrschein lösen. Der wird nicht mehr ausgedruckt, sondern das gewählte Zahlungsmedium kann an das Lesegerät eines Kontrolleurs gehalten werden und dient als Ticket. Auch in der RVV-App können Fahrscheine gekauft werden.
• Analog: Ganz abschaffen wird das Stadtwerk das Bargeld für Busfahrgäste nicht. Tickets können gegen Barzahlung an rund 30 Vorverkaufsstellen im Stadtgebiet, an den Ticketautomaten an zentralen Haltestellen und im RVV-Kundenzentrum in der Hemauerstraße sowie in Regionalbussen gelöst werden. Ab Herbst will der RVV zudem eine Prepaidkarte anbieten.