Zu unpünktlich, zu unzuverlässig: Hartinger fordern bessere Busanbindung

Von Benedikt Baumgartner · 7. November 2025 um 11:00

Harting gehört zur Stadt Regensburg. Nur fühlt sich das in Harting nicht so an. Der Stadtteil, der 1978 nach Regensburg eingegliedert wurde, hat sich seinen dörflichen Charakter bewahrt – zum Leidwesen einiger Hartinger auch hinsichtlich der Busanbindung.

Video ansehen

„Harting ist in vielen Dingen ein Stiefkind der Stadt, aber bei den Bussen ist es besonders krass“, sagt eine Hartingerin, die eine Petition zur Verbesserung der Anbindung mitinitiiert hat. Nur eine einzige Linie verkehrt in den Südosten der Stadt, die Linie 9. Und das tue sie nicht oft genug, nicht zuverlässig und nicht pünktlich, ärgern sich über 150 Unterzeichner einer Petition für eine bessere ÖPNV-Anbindung. „Die Kinder stehen mittags an der Schule und der Bus fährt an ihnen vorbei“, schildert die Hartingerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. In den vergangenen zwei Jahren habe sich die Unzuverlässigkeit „total zugespitzt“. Die Brücke-Stadtratsfraktion will dem Bus-Ärger in der Planungsausschusssitzung am Dienstag auf den Grund gehen.

Zwölf Jahre Kampf um ÖPNV

„Wir fordern einen öffentlichen Nahverkehr, auf den wir uns verlassen können“ – diesen Satz haben über 150 Hartinger bei einer Petition unterschrieben. In ihr werden zuverlässige und pünktliche Verbindungen ohne Ausfälle und lange Wartezeiten sowie eine Takterhöhung am Abend und am Wochenende auf eine Busfahrt alle 30 Minuten gefordert. Man habe immer Zeitdruck, wenn man abends oder am Wochenende in der Altstadt unterwegs ist, schildert die Hartingerin. Verpasst man den Bus, steht man eine Stunde in der Kälte und wartet auf den nächsten.

Einen Nachtbus gibt es erst seit zwei Jahren, tagsüber einen 30-Minuten-Takt seit vergangenem Jahr. Die Hartingerin dankt dafür SPD-MdB Carolin Wagner und Grünen-MdL Jürgen Mistol, die sich dafür eingesetzt hätten. Davor sei sie mit ihrem Kampf für einen besseren öffentlichen Nahverkehr zehn Jahre lang auf taube Ohren gestoßen. Die Hartingerin hat Epilepsie, sie darf nicht selbst Autofahren, ist somit abhängig von einem funktionierenden Busverkehr zu ihrer Arbeitsstelle in die Stadt. Die alteingesessenen Hartinger wissen um die Probleme, ein hartes Erwachen gibt es laut der Petitionsinitiatorin für die Neu-Hartinger, die sich mit der Aussicht auf stadtnahes Wohnen ins Neubaugebiet angesiedelt haben. „Es gibt viele, die bereuen mittlerweile, dass sie hierher gezogen sind“, erzählt die Hartingerin.

Es gibt hier nichts zu beschönigen: Die Leistung auf einzelnen Fahrten entspricht in keiner Form unserem Qualitätsanspruch.Marion Brasseler, stellv. Sprecherin des Stadtwerks

Dass die Kritik aus dem vernachlässigten Stadtteil begründet ist, räumt Marion Brasseler, stellvertretende Sprecherin des Stadtwerks, mit erfrischender Offenheit ein. Es sei eine Reihe von Kundenbeschwerden auf der Linie 9 bekannt. „Es gibt hier dementsprechend auch nichts zu beschönigen: Die Leistung auf einzelnen Fahrten entspricht in keiner Form unserem Qualitätsanspruch und dem Versprechen der sicheren und zuverlässigen Beförderung unserer Fahrgäste“, sagt Brasseler und bittet um Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten.

Busunternehmen droht Auftragsverlust

Die Linie 9 bediene ein Subunternehmer mit seinem Fahrpersonal. „Mit diesem sind wir bereits im Austausch und haben diesen aufgrund der ungenügenden Leistung auch bereits abgemahnt, sodass bei weiteren Vorfällen auch der Verlust des Auftrags im Raum steht“, erläutert Brasseler. Man nehme die Beschwerden sehr ernst und reagiere entschieden auf das Fehlverhalten einzelner Fahrer des Subunternehmers. Inwieweit man mit geeigneten Maßnahmen eine nachhaltige Verbesserung auf der Linie 9 erreichen kann, werde geprüft.

Anlässlich der Hartinger Petition fordert die Brücke-Fraktion, dass in der Planungsausschusssitzung dargestellt werde, wie sich Taktung, Linienführung und Anschlüsse der Buslinie 9 optimieren lassen, welche organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen nötig wären und welche Kostenfolgen eine Ausweitung des Angebots hätte. „Hier braucht es endlich eine strukturelle Lösung statt punktueller Reaktionen“, sagt Thomas Thurow, Kandidat der Brücke bei der Oberbürgermeisterwahl.

Nicht nur Unzufriedenheit

Zunächst den Status quo zu prüfen, hält Jan Kempinger, stellvertretender SPD-Vorsitzender des Ortsvereins Burgweinting-Harting-Irl, für den richtigen Weg. Auch ihm sind die Klagen der Anwohner zu Ohren gekommen. „Dass der Busfahrer nicht anhält, sondern einfach vorbeifährt, stört mich, wenn das kein Einzelfall war“, sagt Kempinger.

Er habe aber auch andere Stimmen gehört, etwa von Eltern schulpflichtiger Kinder, dass die Busanbindung gut funktioniere, oder „dass der Bus teilweise leer durch Harting fährt“. Eine mögliche Takterhöhung, fordert Kempinger, müsse in Verbindung mit Burgweinting und Irl gedacht werden. Denn: „Wenn ich einen Irler frage, sagt mir der: Harting hat Luxusprobleme.“ Es komme immer auf die Sichtweise an, daher bedürfe es eines „gescheiten Konzepts“, sagt Kempinger. „Mit dem Aus der Stadtbahn ist eine attraktive Busanbindung alternativlos.“