Neues Leben für den Regensburger Kassiansplatz: Socken-Laden beendet jahrelange Ödnis im Ex-Sarik

Von Rainer Wendl · 1. November 2025 um 19:00

Seit fast sieben Jahren ist die ehemalige Ladenfläche von Feinkost Sarik am Regensburger Kassiansplatz verwaist. Jetzt feiert sie ein überraschendes Comeback als Einzelhandelsstandort – doch für wie lange?

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Es ist ein unerwarteter Farbtupfer an einer toten Ecke: Seit knapp zwei Wochen stechen am Durchgang vom Kassiansplatz zum Vier-Eimer-Brunnen die knallbunten Strumpf-Kreationen von „We are Socks!“ ins Auge. Angesichts der trägen Vorgeschichte ist die Rückkehr des Einzelhandels an diesen Standort eine Überraschung. Sie könnte allerdings nur von kurzer Dauer sein.

Besagte Vorgeschichte ist den meisten Regensburgern bekannt. Bis Januar 2019 war das Eck ein fester Anlaufpunkt für Feinschmecker, das Delikatessen-Geschäft von Haritun Sarik und seiner Familie gehörte zum Stadtbild. In Folge einer Mieterhöhung warf Sarik jedoch die Brocken hin, danach blieb der Laden lange leer. Erst als die Stadt in die Bresche sprang und die Fläche zum „Raum für Engagement“ machte, wurde die Ödnis ein wenig gemildert. Eine neue Einzelhandelsnutzung war jedoch weiterhin nicht in Sicht – bis zum aktuellen Socken-Intermezzo.

Warme Füße, kalter Joghurt

Der Kassiansplatz ist bereits die dritte Station für „We are Socks!“ in Regensburg. Das erste Geschäft war in der Gesandtenstraße, das zweite in der Neue-Waag-Gasse direkt neben dem Hofbräuhaus.

„Da ist jetzt der Mietvertrag ausgelaufen und der Vermieter wollte leider jemand anderen drin haben“, erklärt Sigurd Kodal. Er ist einer der Geschäftsführer der Münchner „I love Leo“-GmbH, zu deren Geschäftsbereichen „We are Socks!“ gehört. Weil er so kurz vor dem Weihnachtsgeschäft nicht das Feld in Regensburg räumen wollte, ist er an den Kassiansplatz übergesiedelt. Nach jetzigem Stand bleiben Kodal und sein Team bis Jahresende hier.

Lalena Hoffschildt, Chefin der im Haus nebenan beheimateten Buchhandlung Dombrowsky, freut sich über die neuen Nachbarn. „Das belebt den Platz, bringt Frequenz“, sagt sie und denkt dabei mit einem Schmunzeln an den Prototypen des verzweifelten Geschenke-Jägers: „Socken und Bücher – das passt perfekt zusammen fürs Weihnachtsgeschäft.“

Wir würden gerne länger bleiben. Aber die Mietkosten sind natürlich schon ein Thema.Sigurd Kodal, Geschäftsführer „We are Socks!“

Die von Hoffschildt angesprochene Frequenz hatte zuletzt auch deshalb gelitten, weil mit dem vor allem bei jungen Familien beliebten Café Kona ein weiterer langjähriger Fixpunkt am Kassiansplatz den Betrieb eingestellt hat. Schon vor längerer Zeit hat Haritun Sarik diese Entwicklung wehmütig mit den Worten „Das ist eine tote Ecke geworden“ kommentiert.

Doch warum ist die jetzige Belebung nur auf zwei Monate beschränkt? „Wir würden gerne länger bleiben. Aber die Mietkosten sind natürlich schon ein Thema“, nennt Kodal den Grund. Dabei hätte er für den Kassiansplatz eine ganz andere Idee in petto: „Socken sind für uns ja nur ein Nebengeschäft für die Wintersaison. Der Laden in Regensburg war bisher auch der einzige, in dem es ganzjährig Socken gab. Der ist sogar ziemlich gut gelaufen. Aber eigentlich liegt unser Hauptaugenmerk auf Frozen Yogurt. Wir könnten uns gut vorstellen, mit diesem Angebot über den 31. Dezember hinaus hier zu bleiben.“

Die Entscheidung darüber liege beim Vermieter. Oder besser gesagt bei dem von ihm aufgerufenen Preis. „Es muss halt einfach darstellbar sein für uns“, meint Kodal abschließend.

Mode am bisherigen Standort

Für Nachbarin Hoffschildt ist nicht „Socken oder Joghurt“, sondern „Hauptsache kein erneuter Leerstand“ das entscheidende Argument. Sie sagt deshalb: „Ich würde es sehr begrüßen, wenn das über den Jahreswechsel hinaus weiter läuft.“

In der Neue-Waag-Gasse, dem bisherigen Standort von „We are Socks!“, ist die Zukunft derweil schon geregelt. Ein handgeschriebenes Plakat im Schaufenster kündet von der Eröffnung einer Mode-Boutique mit Namen „Sohni Fashion“. Am 29. November geht es hier los.