Endgültiges Aus für Regensburger Feinkostgeschäft: Sarik fliegt am Kassiansplatz raus

Eine von Regensburgs Dauerbrenner-Geschichten steht vor dem Ende. Für Haritun Sarik ist es ein unschönes.
Der Feinkosthändler und CSU-Stadtrat muss sich von dem lange Zeit verfolgten Vorhaben verabschieden, seinen Laden am Kassiansplatz wieder zu eröffnen. Der Grund: Sein seit 40 Jahren laufender Mietvertrag mit dem Kollegiatstift St. Johann wird nicht mehr verlängert.
Die Frage „Wann macht eigentlich der Sarik wieder auf?“ ist fast so etwas wie ein geflügeltes Wort geworden, seit im Januar 2019 die letzte Stunde für das beliebte Spezialitätengeschäft im ehemaligen Café Rösch geschlagen hat. Der Unternehmer selbst hatte damals ein schnelles Comeback versprochen.
Schon an Ostern desselben Jahres wollte er den direkt gegenüberliegenden, als Lager genutzten kleineren Laden wieder beleben, in dem die armenische Familie in den 80er-Jahren ihre Erfolgsgeschichte begonnen hatte.
Der Sohn sollte übernehmen
Noch heute fragen die Anrufer fast ausschließlich nach dem Geschäft, wenn Sarik bei Bürgersprechstunden am Telefon der CSU-Stadtratsfraktion sitzt. Die Antwort war bis zuletzt eine Vertröstung im Halbjahrestakt, doch die Tür zum neuen alten Laden blieb stets verschlossen.
Dahinter hat sich dennoch eine Menge getan, wie Sarik beteuert: „Wir haben massiv investiert, im Lauf der Zeit hat sich das auf 80 bis 90 000 Euro summiert“, beziffert er die bereits getätigten Ausgaben für die Ausstattung und technische Aufrüstung der Räumlichkeiten. Geplant war, hier wie gehabt Feinkost und kleine Speisen wie Suppen, Salate und Sandwiches anzubieten.
„Wir haben nach wie vor die Genehmigung für einen Imbiss. Ich wollte das Geschäft und den Mietvertrag auf meinen Sohnemann umschreiben, das war alles schon fertig vorbereitet und auch mit dem Vermieter so ausgemacht“, erzählt Sarik weiter und fügt hinzu, diese Vereinbarungen „leider“ nur mündlich getroffen zu haben.
Im Mai habe ihn das Kollegiatstift nämlich zu seiner großen Überraschung wissen lassen, dass der Vertrag nicht verlängert wird: „Die wollen uns nicht mehr, ein Grund dafür wurde uns nicht genannt. Und das nach 40 Jahren.“
Während der Unternehmer den Zeiten mit der ehemaligen Leitung des Stifts nachtrauert („Früher, mit den alten Monsignores, war der Kontakt ganz anders“), sieht er die aktuelle Führung demnächst vor Gericht wieder. Stiftsdekan Johannes Hofmann gibt sich vorab zugeknöpft: „Anfang November kann ich eine klare Aussage treffen. Aber momentan ist das aus menschlichen und datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich.“
Dabei liegen die grundsätzlichen Informationen zu dieser Auseinandersetzung schon jetzt auf dem Tisch. Wie das Landgericht bestätigt, wird am 28. November eine Klage des Kollegiatstifts St. Johann KdöR gegen Sarik verhandelt. „Die Klägerin macht in diesem Rechtsstreit Ansprüche auf Zahlung von Miete aus einer gewerblichen Vermietung in Höhe von 14.280 Euro geltend“, lautet die Auskunft.
Gegenseitige Forderungen
Sarik seinerseits hat ebenfalls Forderungen. Er will das Geld zurück, das er bereits in den Laden gesteckt hat. Nach seiner Schilderung hat es vom Stift zwar ein Angebot für eine Ablöse in Höhe von 35.000 Euro gegeben, das war ihm allerdings deutlich zu wenig. „Warum haben sie uns erst so lange hingehalten und so viel investieren lassen, wenn sie uns jetzt nicht mehr wollen?“, fragt er und klingt dabei entgegen seiner sonstigen Sanftmütigkeit sehr verärgert.
Ob er nun auf die Suche nach einer anderen Ladenfläche geht, weiß er noch nicht. „Momentan habe ich die Nase voll, aber Angebote gibt es immer wieder“, sagt er. In der Vergangenheit hätte er die ehemalige Vinzenz-Murr-Filiale in der Pfauengasse mieten können, aktuell habe es eine Anfrage für die Markthalle gegeben. Möglicherweise können die Freunde des Feinkostgeschäfts also ihre Standardfrage „Wann macht der Sarik wieder auf?“ in „Wo macht der Sarik wieder auf?“ abändern.